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Fraktur : Zu Deutschland gehören

  • -Aktualisiert am

Die hiesigen Muslime hören auf, nur ein Teil Deutschlands zu sein, und fangen an, zu Deutschland zu gehören, wenn ihre Deutschkenntnisse gut genug sind, um zu erahnen, was Wulff, Gauck oder Söder mit ihren jüngsten Einlassungen zum Thema gemeint haben könnten.

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          Den Muslimen in unserem schönen Land muss allmählich so sehr der Schädel brummen, dass selbst eine hartherzige Frau wie Christine Lagarde Mitleid hätte: Vor ein paar Jahren noch hatte ihnen die Werbekampagne „Du bist Deutschland“ weisgemacht, auch sie seien Deutschland, da mussten sie später durch Bundespräsident Christian Wulff erfahren, dass von Deutschlandsein nun doch keine Rede mehr sein könne, auch nicht von nach Deutschland gehören, sondern nurmehr von zu Deutschland gehören, und das bezog sich nicht einmal auf sie, sondern lediglich auf ihre Religion, den Islam.

          Der Verwirrung über das Verhältnis Deutschland-Islam-Muslime hat nun der neue Bundespräsident Joachim Gauck ein weiteres Kapitel hinzugefügt. Schon bei seinem Israel-Besuch hatte er sich in der Kunst geübt, das Gleiche wie andere mit ähnlichen statt denselben Worten zu sagen und dabei etwas anderes als die anderen zu meinen. Nun sagte er sinngemäß in einem Interview: Es sei nicht der Islam, der zu Deutschland gehöre, sondern lediglich die Muslime, die hier leben, was sich für einige Muslime, die ohne den Islam womöglich gar keine Muslime wären, anhörte wie: Die Sandkörner gehören zu Marokko, aber nicht die Wüste. Bei den besser integrierten Muslimen kam Gaucks Satz so an: Die Bäume gehören zu Deutschland, aber nicht der Wald.

          Und als wäre es nicht schon kompliziert genug, hat sich nun auch noch der bayerische aggressive leader Markus Söder, immer zur Stelle, wenn eine Wahrheit einen Hurtigen braucht, der sie ausspricht, in der Sache vernehmen lassen. Zunächst hieß es, er habe auf einem Fest der türkischen Ditib-Gemeinde in Nürnberg geäußert, der Islam gehöre zu Bayern. Viele fühlten sich da an das Wulffsche Islam-Diktum erinnert - zu Unrecht freilich. Denn längst nicht alles, was zu Bayern gehört, gehört notwendigerweise auch zu Deutschland, Bayern selbst inbegriffen. Ein Sprecher Söders korrigierte im Übrigen sogleich, dieser habe nicht gesagt, der Islam gehöre zu Bayern, sondern er sei ein Teil Bayerns - in der Presse war auch von Bestandteil zu lesen -, was „ein kleiner Unterschied“ sei.

          Vielleicht kann man sich darauf einigen: Die hiesigen Muslime hören auf, nur ein Teil oder Bestandteil Deutschlands zu sein, und fangen an, zu Deutschland zu gehören, wenn ihre Deutschkenntnisse gut genug sind, um zu erahnen, was Wulff oder Gauck gemeint haben könnten. Und wenn sie irgendwann, in ferner Zukunft, selbst Markus Söder verstehen, dann ist es endlich soweit: Dann gehört auch der Islam zu Deutschland - und vielleicht sogar zu Bayern.

          Timo Frasch
          Politischer Korrespondent in München.

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