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Hahn und Hühnervolk: Regen sich auf, machen sonst aber nichts Bild: Wilhelm Busch

Fraktur : Kräht der Spahn auf dem Mist ...

Keine Panik! Auch beim Boostern können wir uns auf eine alte Bauernregel verlassen.

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          Zu den vielen Merkwürdigkeiten des deutschen Ringens mit Corona zählt, dass ausgerechnet Impfskeptiker auf einen Totimpfstoff warten. Der versucht ja nicht einmal zu verschleiern, mit welcher Folge zu rechnen ist, wenn man ihn sich spritzen lässt. Querdenker denken aber natürlich anders als wir blauäugigen und staatsgläubigen Schafe, die wir uns das schneller zusammengequirlte Zeug in den Arm jagen ließen und auch noch dankbar dafür waren. Ein Zweifler wie Kimmich sagt sich vermutlich, dass der politisch-pharmazeutische Komplex mit der furchterregenden Bezeichnung „Totimpfstoff“ die Bürger von dem einzigen Vakzin fernhalten will, das die Fehlpassquote nicht vergrößert und die Geimpften weder unfruchtbar macht noch zu willenlosen Untertanen.

          Bis wir schwarz werden

          Berthold Kohler
          Herausgeber.

          Und wer wollte noch bestreiten, dass wir dazu geworden sind, spätestens nach dem zweiten Piks? Immer noch hoffen wir stikoergeben darauf, dass der Tag kommen möge, an dem wir von der Obrigkeit eindeutige Marschbefehle erhalten. Obwohl wir doch schon seit anderthalb Jahren wissen, dass wir auf eine widerspruchslose Pandemiepolitik warten können, bis wir schwarz werden. (Darf man das eigentlich noch schreiben?)

          Jetzt soll also „geboostert“ werden, was der Turbo hält. Gemeint ist damit eine Auffrischungsimpfung. Aber die muss natürlich anders heißen, denn erstens reden wir über die Pandemie am liebsten doch auf Englisch. Und zweitens sollen nun ja plötzlich nicht mehr nur die Greise aufgefrischt werden, sondern auch schon die eigentlich noch recht frischen Achtzehnjährigen. Doch wann? Die einen (Ärzte, Impfzentren, ganze Bundesländer) achten noch sekundengenau auf den Sechs-Monats-Abstand, während andere schon fünf gerade sein lassen. Weil ja auch beim Boostern wieder die alte Bauernregel gilt: Kräht der Spahn auf dem Mist, ändert sich die Frist, oder sie bleibt, wie sie ist.

          Der Deutsche liebt den Aufstand nicht

          Und was machen wir, das Volk, während wir mit zitternden Händen und Booster-Panik (die ist noch schlimmer als die Schnitzel-Panik in Österreich) auf die nächste Opium-Zuteilung warten? Wir regen uns über unsere Berliner Dealer auf – und machen nichts. Kein Sturm auf den Reichstag (man dürfte nur nicht so blöd sein wie die Amis und sich dabei selbst filmen), ja nicht einmal auf das schon halb verwaiste Gesundheitsministerium. Der Deutsche liebt den Aufstand nicht. Wer wollte uns das aber gerade jetzt auch verübeln? Man sieht ja, in welche Lage wir uns mit dem Regierungswechsel gebracht haben. Das Ancien Régime fühlt sich nicht mehr zuständig, und die Neuen sind immer noch auf ihrem Selbstfindungstrip.

          Da muss man dann doch froh sein, dass Angela Merkel sich offenkundig auch künftig noch als Eingreifreserve betrachtet. So einen großen Mitarbeiterstab braucht man ja nicht für’s Schreiben der Memoiren. Sondern für den Notstandsfall, der aus ihrer Sicht wahrscheinlich schon eintritt, wenn Merz CDU-Vorsitzender wird. Obwohl dann ja auch Merkels Rente sicher ist. Merz stellt jetzt ja sogar Blüm in den Schatten.

          Dann fühlen sich die Ampel-Amateure besser

          Wahrscheinlich fühlten sich auch die Amateure von der Ampel besser, wenn sie wüssten, dass sie zur Not bei Mutti nach Rat fragen können. Merkel kann dann auch weiterhin die unangenehmen Telefonate mit Putin und Lukaschenko übernehmen. (Es amüsiert die Herren bestimmt, dass die Kanzlerin schon nach 16 Jahren gehen muss.) Da darf man bei der Ruhestandsausstattung ruhig etwas großzügiger sein als vorgesehen.

          Berthold Kohler „Fraktur“

          Gesammelte Glossen. Mit einem Vorwort von Greser & Lenz. Frankfurter Allgemeine Buch, Frankfurt a. M. 2021, 208 S., Leinen, geb. 18,– €.

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          Anders als Schröder kriegt Merkel schließlich auch keine Apanage aus Moskau. Apropos: Haben Sie das Feuerwerk gesehen, mit dem Putin die Fertigstellung von Nord Stream 2 feierte? Kein Problem, falls nicht: Die Trümmer des Satelliten, den er dafür abschießen ließ, werden noch jahrelang um die Erde kreisen und uns immer wieder als Sternschnuppen daran erinnern, dass „Booster“ ein Begriff aus der Raketentechnik ist. Gut, bei Putins goldenem Schuss entstand auch ein bisschen Weltraumschrott. Aber dessen Beseitigung ist doch eine wunderbare Aufgabe für unser neues Weltraumkommando, das ja weder Satelliten abschießen will noch kann. Es könnte jetzt aber auch im All beweisen, dass uns jedenfalls bei der Mülltrennung immer noch keiner übertrifft.

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