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Wie vom wilden Affen gebissen: Symptome auch im tiefen Westen Bild: Wilhelm Busch

Fraktur : Wie vom wilden Affen gebissen

Schon vier Verdachtsfälle: Ist in Nordrhein-Westfalen Vorsitz-20 ausgebrochen?

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          Man soll ja keine Witze über Epidemien machen. Was wir derzeit an Kandidaturen und Wahlverläufen erleben, legt aber schon den Gedanken nahe, dass auch Parteien unter erhöhten Temperaturen leiden können. Wäre es nur zu diesem Erfurter Ausbruch gekommen, hätte man immer noch sagen können: Haben halt schwache Abwehrkräfte, die Ossis. Wie sollte man auch sonst erklären, dass die AfD geschlossen einen Liberalen (!) zum Ministerpräsidenten wählt, der allenfalls von der Frisur her den Vorstellungen von Höckes Stammwählerschaft entspricht? Und wie den Vorschlag der Linkspartei, eine von ihr abgelöste Ministerpräsidentin von der CDU wieder ins Amt zu hieven? Weil der Sessel des Regierungschefs nicht kalt werden soll, bis Ramelow wieder Platz auf ihm nimmt? Man holt sich ja so leicht eine Blasenentzündung.

          Doch auch im tiefen Westen zeigen sich Symptome, die den Verdacht keimen lassen könnten, dort breite sich ein neuartiger Erreger aus. Es ist doch wirklich auffallend, dass alle vier bisher bekannten Fälle einer Infektion mit Vorsitz-20 in der CDU in Nordrhein-Westfalen auftraten – und auch noch ausschließlich bei Männern mittleren Alters mit katholischer Konfession. Gut, Jens Spahn ist noch etwas jung für das mittlere Alter, aber doch schon lange frühreif.

          Nun kann man einwenden: Vier Kandidaturen in einem Landesverband mit mehr als 120.000 Mitgliedern, das ist noch nicht bedrohlich. Doch wissen wir wirklich, ob das schon die ganze Wahrheit ist? Die Schwesterpartei der CDU in China hat ja auch ganz lange das wahre Ausmaß der Epidemie verschwiegen. Und bestätigen musste das Konrad-Adenauer-Haus schon zwei weitere Bewerbungen. Allerdings will es die Namen nicht nennen, um die beiden Personen vor Nachstellungen durch die Presse zu schützen. Doch sind wir Journalisten bei den herkömmlichen Medien natürlich mindestens so durchtrieben, wie Friedrich Merz meint. Weil wir seine Botschaften nicht mehr transportieren und – was mitunter wirklich zeitintensiv war – deuten müssen, haben wir jetzt ganz viel Zeit zum Recherchieren. Das Ergebnis: Bei den beiden noch anonymen Bewerbern kann es sich, wenn auch sie die Merkmale der vier bekannten Aspiranten aufweisen sollten, nur um Jürgen Rüttgers und Elmar Brok handeln.

          Wie aber lässt sich verhindern, dass die Infektion viral geht und am Ende der ganze nordrhein-westfälische Landesverband CDU-Vorsitzender und Kanzler werden will? Das wäre zwar die ultimative Teamlösung – doch dann stellte die Abgeordnetenschwemme im Bundestag unser kleinstes Problem dar. Außerdem kann dieser Erreger offenbar auch Wahrnehmungsstörungen verursachen. Röttgen, einst Muttis Klügster, phantasierte schon, er sei der erste Kandidat gewesen. Die drei, die vor ihm ihre Kandidatur durch Schweigen erklärten, sagten auch dazu nichts. Doch darf man wohl davon ausgehen, dass einer glaubt, er sei der Beste, ein anderer sich für den Nettesten hält und der Dritte beansprucht, er sei der Spahnendste.

          Zum Glück scheinen wenigstens die Frauen an Rhein und Ruhr immun gegen den Drang zu sein, Annegret Kramp-Karrenbauer und Angela Merkel abzulösen. Und auch Markus Söder weist noch genügend Antikörper auf, er lebt halt im gesunden Bayern. Hoffentlich lässt er sich weiter impfen. Denn man stelle sich nur einmal vor, Söder würde zum Bundeskanzler gewählt: Dann würden seine Epigonen auch in Bayern für den Topjob kandidieren wie vom wilden Affen gebissen. Dobrindt, Weber, Scheuer – wieder nur katholische Männer!

          Apropos: Wenn Laschet CDU-Vorsitzender, Kanzlerkandidat und dann auch noch Kanzler würde, wäre ja in Düsseldorf ein Posten frei, den Röttgen schon einmal haben wollte. Dann müssten Versorgungslösungen nur noch für Spahn und Merz gefunden werden. Um den Gesundheitsminister machen wir uns gar keine Sorgen, denn die nächste Erreger-Welle kommt auch in der CDU bestimmt. Und Merz könnte jetzt ja jederzeit ein Mandat im Elferrat von Twitter bekommen.

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