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Fraktur : Scharf wie eine Atombombe

Make love, not war? Das kann nicht nur bei Potentaten zu Panikattacken führen. Bild: Alfred Buellesbach / VISUM

Der Potentat, die Potenz und die Panik: Politik in den Zeiten von „Fifty shades of grey“.

          2 Min.

          Oscar Wilde hat einmal gesagt: „Alles im Leben dreht sich um Sex, nur nicht der Sex. Der dreht sich um Macht.“ Wie so vieles bei Wilde hört sich das erst mal ganz nett an, ist aber Quatsch. Richtig ist: Alles im Leben dreht sich um Macht, nur nicht die Macht. Die dreht sich um Sex. Jüngstes Beispiel: die CSU-Zentrale in München. Die muss man sich laut einer früheren Mitarbeiterin offenbar vorstellen wie eine Hotelbar, an der Rainer Brüderle Tanzkarten verteilt. Oder wie die Vereidigung des neuen amerikanischen Verteidigungsministers, bei der sich Vizepräsident Joe Biden von hinten an dessen Ehefrau ran machte.

          Timo Frasch

          Politischer Korrespondent in München.

          Überhaupt die Amerikaner. „Fuck the EU!“, sagte da doch die wichtigste europapolitische Beraterin von Präsident Obama. Nicht zu vergessen die italienischen Politiker mit ihrer Vorliebe für elegante Dienstbesprechungen in „burlesker“ Atmosphäre. Und erst die Franzosen. Man denke nur an Dominique Strauss-Kahn, der anders als Papst Franziskus kein Freund würdevoller Züchtigung (Betonung auf würdevoll) zu sein scheint. Und schließlich Nicolas Sarkozy, den seine Frau nur genommen hat, weil sie einen wollte, „der über die Atombombe bestimmt“. Später sang sie dann über ihn: „Du bist scharf, du bist die Atombombe.“ Wen oder was sie mit „Atombombe“ wohl wirklich gemeint hat? Es kann nur einen geben. „Put your hand in my pocket/grab onto my rocket“, hat die Hard-Rocket-Band „Kiss“ getextet.

          Sie machte damit klar, warum Potenz und Potentat sich nicht nur zufällig ähnlich anhören – und warum der verknotete Revolver vor dem Hauptgebäude der Vereinten Nationen bei männlichen Diplomaten regelmäßig Panikattacken auslöst.

          Die Erotik der Macht ist freilich keine Einbahnstraße, die immer von der Frau zum Mann führt. Das sieht man zum Beispiel an Wladimir Putin, der sich nicht ohne Grund von seiner (atomwaffenlosen) Frau getrennt hat, um jetzt, nach seinen eigenen Worten, mit Mütterchen Russland „verheiratet“ zu sein. Und das verfügt nun wirklich über alle Waffen einer Frau. Der alte Achtundsechziger-Spruch „Make love, not war“, führt daher in die Irre. „War is love“ (Baby don‘t hurt me; vgl. Haddaway) trifft es schon eher. Man sieht das ja daran, dass die heimischen Schlafzimmer, Hobbykeller und Hundezwinger im Zeichen von „Fifty Shades of Grey“ immer mehr zu Waffenkammern werden. Auch falsch: „Wer zwei Mal mit derselben pennt, gehört schon zum Establishment.“ Die Wahrheit ist: Nur wer zum Establishment gehört, pennt nicht zwei Mal mit derselben.

          Macht ist also kein Selbstzweck, sondern dient lediglich zur Verbesserung der Fortpflanzungsaussichten. Ist dieses Ziel erreicht, verliert die Macht ihren Sinn – jede Domina kann darüber vom Leder ziehen. Problematisch wird es nur dann, wenn Politiker mit Fortpflanzung und den Umständen ihres Zustandekommens nichts anzufangen wissen. Bestes Beispiel ist hier Hitler, der, nach allem, was man nicht wissen möchte, untenrum noch schlechter bestückt war als die Waffenarsenale der Bundeswehr. Man hätte Hitler ja nicht viel wünschen mögen. Aber eines vielleicht doch: die Libido des früheren Hamburger Innensenators Ronald Schill. Dem nämlich hat, nach eigener Darstellung, sein Geschlechtsteil das Genick gebrochen.

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