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Fraktur : Auf den Hund gekommen

Zielstrebig, standfest, treu – ein Bild von einem Hoffnungsträger! Bild: Wenzel

Dieser Hoffnungsträger ist nicht in die SPD eingetreten. Und über jedes Stöckchen springt er auch nicht.

          2 Min.

          Knapp zweistellig bei einer Landratswahl in der norddeutschen Hoffnungstiefebene abgeschnitten, nur drei statt fünf Wahlen in Folge verloren, einmal an einem echten Konservativen vorbeigelaufen: zum Hoffnungsträger kann man heutzutage schneller werden, als sich Groko buchstabieren lässt. Das Schöne daran ist, dass dadurch Regionen über Nacht zu Hoffnungsleuchttürmen aufsteigen, die bislang eher durch relative Hoffnungsmittelmäßigkeit aufgefallen sind.

          Oliver Georgi

          Stellvertretender verantwortlicher Redakteur für Nachrichten und Politik Online.

          Das Saarland zum Beispiel: Seit Annegret Kramp-Karrenbauer von der Kanzlerin als künftige CDU-Generalsekretärin nominiert wurde, gilt Saarbrücken nachgerade als Hot-Spot des gebeutelten deutschen Konservatismus, was womöglich sogar Jens Spahn unterschreiben würde – selbstverständlich aber nur, solange er weiter hoffen darf, selbst die größte Hoffnung der CDU zu sein.

          Ist viel Hoffnung erstrebenswert?

          Manche aus anderen Regionen und Städte wiederum, die lange Horte selbstsicherer Zuversicht waren wie Goslar oder die ein kurzes, dafür aber umso gleißenderes Hoffnungsstrohfeuer erlebt haben wie Würselen, sind auf der Straße der Zuversicht entweder aus eigenem Verschulden aus der Kurve geflogen oder wurden rüde in den Graben gedrängt. So ist das eben mit der Hoffnung: So schnell sie entstehen kann, so rasch vergeht sie auch wieder im Wind.

          Das wirft natürlich die Frage auf, ob zu viel Hoffnung überhaupt noch erstrebenswert ist, wenn am Ende alles so schnell wieder vorbei sein kann. Oder, anders gesagt: Lohnt selbst ein kurzes Glücksgefühl der Euphorie, wenn darauf schon bald die totale Ernüchterung droht? Wir meinen: ja – und blicken dabei nicht auf Martin Schulz, sondern auf den künftigen bayerischen Ministerpräsidenten Markus Söder.

          Wer gesehen hat, wie glückstrunken Söder am Aschermittwoch in Passau Horst Seehofer vertreten hat, der kann nur zu dem Schluss kommen: Auch nur eine Minute davon ist alles Risiko wert, selbst wenn die absolute Mehrheit und damit die Hoffnungen, der größte Ministerpräsident aller Zeiten zu werden, schneller zerbröseln können, als Seehofer einen Koalitionsvertrag mit Münchner Handschrift verhandelt.

          Jede Partei verdient ihre Hoffnungsträger

          Zugegeben, die SPD, die mit Hoffnungen aller Art nur die hoffnungslosesten Erfahrungen gemacht hat, könnte das ganz anders sehen. Trotzdem möchte man wetten, dass selbst Andrea Nahles neidisch auf die CSU ist, die es im Gegensatz zur SPD fertigbringt, aus Hoffnungslosen über Nacht wieder vor Kraft strotzende Hoffnungsträger zu machen, und das sogar noch mit Super-Ministerium! Und wir sind uns sehr sicher, dass selbst Nahles „emotional sehr gut damit zurechtkäme“ (Söder), künftig nur noch zu den Klängen des Bayerischen Defiliermarschs ins Willy-Brandt-Haus einzuziehen. Auch wenn eine Sozia das natürlich nie öffentlich zugeben würde.

          Aber lassen wir das, es bringt ja nichts und ist alles eitel, wie Gryphius sagen würde. Jede Partei hat die Hoffnungsträger, die sie verdient, und bei der SPD sind es jetzt nun einmal Andrea Nahles und Olaf Scholz. Ein Schicksal, das selbst uns nicht ganz kaltlässt. Umso dringlicher ist es für die SPD, beim Thema Hoffnung endlich neue Wege zu gehen, da hat die „Bild“-Zeitung ausnahmsweise mal recht. Deren gemeinsamer Coup mit den Jusos, die nächste Parteivorsitzende und Kanzlerkandidatin gegen den Willen der Parteispitze als angebliche Entlarvung des Mitgliederentscheids zu inszenieren, wurde leider ja nur von den wenigsten durchschaut.

          Aber jetzt, wo es eh raus ist, kann man ja offen drüber reden: Mit der frisch eingetretenen Hündin Lima kommt die SPD wieder auf alle vier Beine, zweistellig ist mit ihr sicher drin. Und das liegt nicht nur an Limas Niedlichkeitsfaktor. Auch in puncto Zielstrebigkeit (Knochen!), Standfestigkeit (Mein Knochen, grrrr!), Haartracht und vor allem Treue zum Frauchen deklassiert Lima nicht nur Martin Schulz, sondern auch Olaf Scholz. Vor allem würde Lima sicher nicht gleich über jedes Stöckchen springen, das ihr Sigmar Gabriel oder Kevin Kühnert hinhielten, sondern so lange nerven, bis sie es möglichst weit wegwerfen.

          Gegen die Hoffnungsträgerin Lima hat also selbst der natürliche Quell aller Hoffnung, Christian Lindner, keine Chance – zumal alle Hoffnung ja nichts nützt, wenn man am Ende mit ihr davonläuft.

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