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Den Vorhang lieber zu: So viel kann aa koa Engel saufn. Bild: Wilhelm Busch

Fraktur : Zwei Münchner im Himmel

Frei nach Ludwig Thoma: Franz Josef und Wilfried im Gespräch über die CSU.

          Wilfried Sch., einen CSU-Mann von altem Schrot und Korn, trifft das Wahlergebnis seiner Partei mit solcher Wucht, dass er vom Schlage gerührt zu Boden fällt und stirbt.

          Zwei Engel geleiten ihn in den Himmel, wo er vom obersten Münchner empfangen wird. „Wilfried, mein Alter Ego, was willst du denn schon da heroben?“, ruft Franz Josef, einerseits erfreut, andererseits besorgt. „Du kannst die Deppn dort drunten doch ned allein lassn!“ „Ja mei“, sagt Wilfried, „auf die himmlischen Pläne hab i ja no weniger Einfluss als auf die unergründlichen Winkelzüge vom Seehofer.“ Franz Josef nickt deprimiert: „Sag amal, stimmt des, dass die moana, dreißig plus x wärn a guads Ergebnis? Habn denn die komplett den Verstand verlorn? I hab doch extra Hirn owigschmissn!“ Wilfried winkt ab: „Ja, awa dös is bei dene Greana glandt.“ Franz Josef haut in die Harfe, dass sie klingt, als habe Söder „Demut“ gesagt. „Ja Himmiherrgottsaggra ...“ (aus dem Hintergrund ist Donner zu hören) „...halleluja, moan i!“

          Franz Josef bestellt bei einem Hilfsengel zwei Maß Manna und einen Schmaizla. „Also Wilfried, i versteh die Welt nimma. I hob dene doch hundertmal gsagt, ma derf rechts neba uns nix aufkumma lassn.“ Wilfried schüttelt ebenfalls verständnislos den Kopf. „Stell dir vor, Franz Josef, diese Bazis von der AfD, diese ausgschamten, die behaupten sogar, du tätest jetzt nimma CSU, sondern dene ihre Partei wähln.“ Franz Josef ist empört. „Wos! Die Haderlumpen soll doch der Deifi holn! Die soll der Blitz aufm Scheißhaus treffen!“ Abermals ist Donner zu hören, dieses Mal begleitet von einem hellen Leuchten. „Siegst, Wilfried, hier oben hört man auf mich.“

          Aber ganz zu beruhigen ist Franz Josef nicht mehr: „Die CDU hat ja sogar no unter dem Helmut mehra Prozente ghabt wie unter dera Zonenwachtl. Und dass jetzt auch noch die CSU zu einer Pygmäenpartei wird, naa, des hätt i mia bei Good ned vorstelln kenna. Wia hat denn meine Partei so aufn Hund kemma kenna, Wilfried?“

          „Ja, Hund sans eben nimmer, deine Nachfolger. Schau sie dir bloß an. Der Stoiber hat regiert wia a Saupreiß. Der Beckstein war a Frankenbeidl. Und aa no evangelisch!“ (Beide bekreuzigen sich; Franz Josefs Harfe zerbricht mit schrillem Ton.) „Ja und der Horst, muaß i zu dem no wos sogn?“ Strauß schüttelt resigniert, weil allwissend, den Kopf: „Da hättns ja no bessa den Gauweiler gnomma.“ „Hams aba wieda ned“, sagt Wilfried, „sondern den Söder.“ Franz Josef sagt dazu nichts mehr, beißt aber in ein Stück Harfe.

          Beide schweigen, bis Wilfried auf einer entfernten Wolke einen Rotz und Wasser weinenden Engel entdeckt und fragt: „Is des a oana vo uns?“ „Naa“, sagt Franz Josef, „des is der Willy. Der is no schlimma dran wia mia. Der will seinen Kummer in Manna ertränken. Aber so viel kann aa koa Engel saufn, dass ma des Elend vo dera SPD vagisst. Die Sozis erbarmen ja sogar mi.“

          Vor lauter Elend fangen auch Franz Josef und Wilfried an zu schluchzen. Ihr Klagelied über das Schicksal der Volksparteien gerät so herzzerreißend, dass der liebe Gott vom Mittagsschlafe erwacht und ganz erstaunt fragt: „Was ist denn das für ein Heulen und Zähneklappern in meinem himmlischen Reiche?“ Man hört die beiden Münchner rufen: „CSU . . . Himmiherrgottsaggerament . . . luja!“

          Petrus führt sogleich beide vor den höchsten Thron. Der Herrgott spricht: „Aha! Zwei CSUler mit Verstand! Da fehlt da unten natürlich einer. Da müssen wir einen zurückschicken.“ Er deutet auf den Neuzugang. „Für ihn habe ich eine wichtige Verwendung. Er muss meine göttlichen Ratschlüsse der bayerischen Regierung überbringen, jetzt, wo auch noch der Aiwanger mitmischen wird.“

          Des ist auch Franz Josef sehr froh, denn Wilfried hat auf Erden ja schon immer geschrieben und gesagt, was Franz Josef gedacht hat. Beide verabschieden sich herzlich voneinander. Wilfried fliegt ab. Franz Josef versucht, die Harfe zu kleben.

          Allein, nach seiner alten Gewohnheit geht Wilfried, in München angekommen, zuerst in seine Schreibstube, wo er immer noch sitzt. Und die CSU, obwohl schon mitten in den Verhandlungen mit den Freien Wählern, wartet heute noch vergeblich auf die göttliche Eingebung.

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