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Fraktur : Im Weltraum siegt die CSU

I, Robot: Ein Feuerwerk der Assoziationen Bild: https://twitter.com/Markus_Soeder/Screenshot F.A.Z

Wie Markus Söder dem Schwarzen Loch entkommen will, das sich vor seiner Partei auftut.

          Wenn man sich vor Augen hält, was heutzutage alles zur Sternstunde erklärt wird, muss nicht allein Horst Stern der Kanzlerin dafür dankbar sein, dass sie dem Austausch des Fraktionsvorsitzenden der Unionsparteien im Bundestag nur den Titel „Stunde der Demokratie“ verliehen hat. Als Beispiel für die vielen politastronomischen Fehldeutungen wollen wir hier nur die „Sternstunde der Nato“ nennen, die unsere Verteidigungsministerin beim Gipfeltreffen mit dem amerikanischen Präsidenten erlebt haben wollte.

          Der hatte seine sogenannten Verbündeten so vor den Kopf gestoßen, dass Frau von der Leyen wohl nicht die einzige war, die Sternchen sah. Doch sollte die Inflation dieser vermeintlichen Himmelserscheinungen die wirklichen Supernovae in der deutschen Politik nicht überstrahlen, die hin und wieder aufflammen. Zu ihnen gehört sicherlich auch die Bekanntgabe des bayerischen Weltraumprogramms durch den bayerischen Ministerpräsidenten Markus Söder.

          TSG war wohl noch nicht oft Bauträger

          Die Spötter, die jetzt über „Major Markus“ und „Söderchens Mondfahrt“ lästern, haben schlicht nicht begriffen, was für eine Rakete der gerissene Mittelfranke da in der Endphase des Wahlkampfs gezündet hat, um zu verhindern, dass seine Partei in das Schwarze Loch gezogen wird, das sich vor ihr auftut. Vergleichen wir „Bavaria One“ nur einmal kurz mit der staubtrockenen Astronautennahrung, mit der wir im hessischen Wahlkampf abgespeist werden.

          Auf dem aufregendsten Plakat, das wir entdeckten, baut TSG (Thorsten Schäfer-Gümbel, der Spitzenkandidat der SPD) billige Mietwohnungen und schleppt dafür einen Balken durch die Gegend. Das heißt, er tut so, denn jeder, der schon einmal wirklich einen Balken getragen hat, sieht sofort, dass TSG wohl noch nicht oft Bauträger war. (Aber auch die nagelneue Altstadt in Frankfurt hat ja plötzlich ganz viele Väter.)

          Verglichen mit dem Sisyphos von Hessen kommt Söder leichtfüßig daher wie Luke Skywalker. Der Ministerpräsident brennt mit seinem SDI-Projekt (Söders Defense Initiative) ein ganzes Feuerwerk der Assoziationen und Erinnerungen an bessere Zeiten ab, und das generationsübergreifend. Steht hier nicht ein neuer Kennedy vor uns, wenigstens aber ein wiedergeborener Wernher von Braun?

          Eine kaum versteckte Botschaft

          Auch Altvater Strauß, seit dreißig Jahren der oberste Bayer im Himmel, strebte doch stets nach den Sternen. Und sagt jetzt nicht die ganze Generation Enterprise vor sich hin „Der Wahlraum, unendliche Weiten bis zur absoluten Mehrheit...“ Söders Konterfei auf dem von der JU gestalteten Missionswappen hat, bis auf die Ohren, ja wohl nicht zufällig Ähnlichkeit mit Mr. Spock (übrigens auch eine Idee für Veitshöchheim). Jüngere werden bei diesem Anblick an „I, Robot“ denken; Ingenieure daran, welchen segensreichen Einfluss die künstliche Intelligenz auch auf die Politik haben könnte.

          Und dann noch die kaum versteckte Botschaft! Es ist doch wohl klar, wen Söder als Ersten in die Kapsel von Söder 1 stecken will, um ihn aus dem Sonnensystem zu schießen. Dann kann der Ministerpräsident auch in der Partei das Kommando übernehmen wie unser Astro-Alex auf der ISS. Der kommandiert dort jetzt sogar einen Russen. Und das heißt ja was. Nicht die Amis – die Russen waren die ersten, die einen Menschen ins All schossen, woran ein Propaganda-Lied der DDR aus dem Jahr 1961 erinnert, das ein früherer Herausgeber der Frankfurter Allgemeinen Zeitung dem Vergessen entriss. Die erste Strophe von „Affenschande“ geht so:

          Amerika stopft Affen in die Satelliten

          und jagt sie halb lebendig in den Raum,

          so etwas kann man heutzutage nur noch Affen bieten,

          denn einem Menschen imponiert das kaum.

          Was uns das heute noch zu sagen hat? Dazu muss man sich nur die letzte Strophe anschauen:

          Laßt die Schimpansen doch in Ruh

          und lernt vor allem eins dazu:

          im Weltraum siegte die SU.

          Na, sind die Schnuppen von den Sternen gefallen? Sogar die Phantasie der hessischen SPD müsste doch reichen, um die letzten Zeilen umzudichten in:

          Lasst den Seehofer gehn in Ruh

          und Söder sorgt dafür im Nu:

          Im Wahlraum siegt die CSU!

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