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Fraktur : Tücke, Tücke, Lückenbrücke!

A Bridge Too Far: Da hat wohl die Finanzierung nicht gestimmt. Bild: Wilhelm Busch

Am Ende bleibt uns doch wieder nur die Hoffnung, dass Gabriel sich geirrt hat.

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          Zugegeben, siebzehn Stunden können ziemlich lang sein, wenn so Leute wie der griechische Ministerpräsident und der österreichische Bundeskanzler mit am Tisch sitzen. In der unendlichen Krisengeschichte der EU war die Nacht von Brüssel aber nicht mehr als ein Wimpernschlag. Doch was haben wir Deutsche – wenn wir alle Papst und Weltmeister sind, sind wir auch alle Merkel und Schäuble – in diesem magischen Meeting nicht alles geschafft! Den nicht enden wollenden Lobeshymnen in den asozialen Medien nach doch ganz Erstaunliches: Wir haben einen Staatsstreich vollzogen, Griechenland erpresst, Griechenland erniedrigt, Griechenland besetzt, Europa unterworfen und die Europäische Nazi-Union gegründet. Das soll uns erst einmal einer in 0,7 Tagen nachmachen. Da kommt selbst Putin nicht mit. Wir sind und bleiben einfach der effizienteste Hegemon der Welt.

          Nun aber gilt es, die Schützengräben wieder zuzuschütten und jene letzten Brücken zu reparieren, die nach Meldung unseres vorgeschobenen Beobachters Gabriel von den Griechen eingerissen worden waren. Sonst kommen wir ja nie trockenen Fußes nach Versailles. Aber stimmt die Behauptung auch, der griechische Widerstand unter seinem Kommandanten Varoufakis habe alle Pfeiler gesprengt oder, ritzeratze, wenigstens angesägt? Gabriels Berichte waren in letzter Zeit ja etwas wirr. Hat vielleicht zu oft „Die Brücke am Kwai“ gesehen. Wäre aber auch kein Schaden gewesen. Die Engländer wissen nämlich noch besser als wir, dass vielleicht „A Bridge Too Far“ ein Problem darstellt, aber niemals a bridge too much.

          Was aber braucht man zum Bauen von Brücken? Ja, ja, Stahl und Beton, zuerst aber doch das Wichtigste: eine Finanzierung. Eben jene Brückenfinanzierung (auf Griechisch: Krückenfinanzierung), von der die europäischen Finanzminister sprechen, gefühlt seit zweihundert Jahren. Die bereits bestehenden Brückenfinanzierungen für Griechenland stellen selbst die Brückenkette zwischen Key Largo und Key West in den Schatten. Für die Verlängerung einer solchen Konstruktion braucht man wirklich erfahrene Brückenbauer. Gäbe es einen besseren als den amtierenden Pontifex maximus, Seine Heiterkeit Papst Franziskus? Der würde den Griechen notfalls auch eine kleben. Aus alten Enzykliken oder so. In Frage käme auch Otto Rehakles, der Griechenland schon einmal geschickt over troubled water zur Euromeisterschaft führte. (Erst Jahre später fiel der europäischen Statistikbehörde auf, dass die griechische Mannschaft mit 18 Spielern auf dem Platz stand.) Um die Steuerfragen beim Brückenbauen könnte sich Hoeneß kümmern, um die Abschreibung Guttenberg.

          Was aber tun wir, wenn die Griechen meinen, auch an diesem Brückenschlag nicht mitwirken zu müssen? Dann könnten wir immer noch den wütenden Steinbrück mit der 7. Kavallerie losschicken, der langweilt sich eh. Doch – Tücke, Tücke, Lückenbrücke! – ohne wenigstens einen Behelfssteg kommt man auch zu Pferd nicht über den Styx, der im Grenzgebiet zwischen Deutschland und Griechenland an die Oberfläche getreten ist. Uns bleibt am Ende also doch nur wieder die Hoffnung, dass Gabriel sich geirrt hat. Oft enttäuscht hat er uns in dieser Hinsicht ja noch nicht.

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