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Fraktur : Der Soli muss bleiben!

Beim Hungern und beim Essen: Vorwärts und nie vergessen – die Solidarität! Bild: Wilhelm Busch

Wie sollten wir Deutsche sonst der Welt zeigen, was für ein zärtliches Volk wir sind?

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          Trotz des späten Geständnisses unseres Uraltkanzlers wird an der Bindungsfähigkeit der Deutschen wohl niemand mehr zweifeln – jetzt, da selbst in den Heimwerkermärkten Seile und Ketten knapp werden. Das ist in erster Linie diesem neuen fesselnden Aufklärungsfilm zu verdanken, der in Deutschland leicht alle Rekorde brechen kann, weil wir ja keine Freiheitsfanatiker sind, nicht einmal übermäßige Anhänger der Bewegungsfreiheit. Wir sitzen lieber auf dem Sofa und lassen die im Fernsehen rennen. Unsere nationalen Stärken liegen eher im Mitfühlen und -fiebern. Wir sind vielleicht nicht das Sozialamt der Welt (Quellen: AfD, NPD, Seehofer), aber doch ihr soziales Gewissen.

          Deswegen muss man auch nur an unsere internationale Solidarität appellieren, und schon lassen wir sie hochleben. Denn Solidarität ist, wer hätte diese Streicheleinheit von Che Guevara vergessen können, die Zärtlichkeit der Völker. Und wir Deutsche wollten doch schon immer ein zärtliches Volk sein, auch wenn uns bis vor kurzem die Anleitung dazu fehlte. Man stelle sich nur vor, welchen Verlauf die deutsche Geschichte hätte nehmen können, wenn Hitler nicht „Mein Kampf“ geschrieben hätte, sondern einen Roman über Bondage, vielleicht mit dem Titel „Meine tausend Schattierungen von Braun“. Maler war er ja.

          Doch auch auf der ganz harten Tour konnten wir unserer Bestimmung nicht entgehen, ein Volk zu werden, das sich in seiner Solidarität mit anderen von niemandem übertreffen lässt. Wenn man sich einmal vor Augen hält, mit wem sich die Deutschen in Ost und West schon alles solidarisch erklärten (unter Schröder sogar uneingeschränkt), bleibt kaum noch ein Fleck auf der Weltkarte übrig, den wir noch nicht mit unserem Verbundenheitsgefühl überschwemmt haben. Manche Länder mussten schon mehrfach unter unseren wiederkehrenden Solidaritätsattacken leiden, die Griechen zum Beispiel. Die haben nun auszubaden, dass im Osten Deutschlands mit unseren Soli-Milliarden schon jeder Feldweg geteert wurde und es dort so viele neue Schwimmbäder gibt, dass man auf Wasserskiern bis an die polnische Grenze fahren könnte. In unserem Osten ist einfach kein Raum mehr, wo sich unser Drang zur Vorwärtssolidarität ausleben könnte, den Bertolt Brecht so trefflich beschrieb: „Vorwärts und nicht vergessen, worin unsere Stärke besteht! Beim Hungern und beim Essen, vorwärts und nie vergessen: die Solidarität!“

          Und da wollen die großen Koalitionäre unser internationales Markenzeichen abschaffen, den Soli? Also wenn die in Brandenburg nicht mehr wissen, wohin mit der Knete – die Griechen wissen es immer noch! Auf der Peloponnes könnte man locker noch ein paar Flughäfen bauen, die nie fertig werden. Denken die in Berlin eigentlich nicht nach? Der Soli muss bleiben! Ein ganzes Volk würde doch in die Sinnkrise gestürzt an dem Tag, an dem ihm die Gehaltsabrechnung nicht mehr sagte, wofür es eigentlich arbeitet. Immer nur Romane nachspielen füllt den Menschen ja auch nicht aus. Man mag sich gar nicht ausmalen, was geschehen könnte, wenn eine derart zwangsentsolidarisierte Nation eines Tages entfesselt würde.

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