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Wie Bruno, der Problembär: Warum kam Söder als Habeckbacke? Bild: Wilhelm Busch

Fraktur : Unrasierte Häuptlinge

Wie Bruno, der Problembär: Was selbst die linken Dumpfbacken erkennen müssten.

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          Dem legendären Streifen „Zur Sache, Schätzchen“ verdanken wir nicht nur tiefe Einblicke in die Lebenswelt der Achtundsechziger und reizende Ansichten der schon damals jungen Uschi Glas, sondern auch eine der ersten filmischen Erwähnungen des Kosenamens „Dumpfbacke“. Ganz klar wird zwar auch in jenem Aufklärungswerk nicht, warum man seither bevorzugt den „Rechten“ eine Taubheit der doch wohl rechten Wange attestiert. Da in diesem Zusammenhang oft auch von einer Blindheit des rechten Auges gesprochen wird, lag aber wohl die Vermutung nahe, dass die neurologischen Ausfälle nicht auf den Sehnerv und das Gehirn beschränkt bleiben.

          Jedenfalls hat der Begriff eingeschlagen wie ein Backpfeife. Inzwischen benutzen ihn sogar Parteien und Politiker, die sich zwar selbst nicht (mehr) rechts nennen würden, aber auch nicht wirklich links, sondern nur sozial, wie zum Beispiel die CSU und deren Spitzenkandidat für die Europawahl. Manfred Weber rief, wie es sich gehört, am Aschermittwoch den Parteiheiligen Franz Josef Strauß an und danach aus, dieser würde, wenn er noch lebte, „mit all seiner Kraft gegen diese rechten Dumpfbacken kämpfen“. Manche verstanden das als bislang deutlichste Distanzierung der CSU von Viktor Orbán und seinem Gefolge. Aber das konnte schon deswegen nicht sein, weil Orbán doch in München bis vor kurzem noch hofiert wurde, als sei er ein Enkel des Großen Vorsitzenden.

          Der neue Parteichef Söder machte danach auch ganz klar, dass mit „rechten Dumpfbacken“ die Nazis in der AfD gemeint seien. Es ist in diesem Zusammenhang viel darüber spekuliert worden, warum Söder bei seinem ersten großen Auftritt nach der vollständigen Machtübernahme nicht als Doppelmonarch, sondern als Habeckbacke erschien, also unrasiert wie Bruno, der Problembär. Wo Söder doch zum Frankenfasching in Veitshöchheim erstmals gänzlich unverkleidet gekommen war und deshalb beinahe nicht erkannt worden wäre, weil alle dachten, er sei der als Söder kostümierte Seehofer. Irritierte Reporter fragten Söder daher in Passau sofort, ob er dem Grünen-Chef nicht nur inhaltlich, sondern auch äußerlich nacheifere. Da konnte er nur lachen: Auf seinen Wangen wachse doch viel mehr als im Gesicht Habecks! Auch wir glauben, dass Söder sich eher sichtbar von den rechten Dumpfbacken abgrenzen wollte, die meistens so auffallend gut rasiert sind wie Björn Höcke, viele sogar bis zum Nacken. Es ist ja auch etwas dran, dass man sich vor Männern ohne Bart grundsätzlich in Acht nehmen sollte. Schauen Sie sich nur Trump, Putin, Kim Jong-un und Boris Johnson an und was sie, bei aller sonstigen Verschiedenheit, verbindet: Gesichter, die glatt sind wie ein Babypopo.

          Beim Dementi, Habeck imitieren zu wollen, entfuhr Söder freilich ein vermutlich unbeabsichtigtes Lob für den Grünen: „So lässig wie der sind wir schon lange.“ Diese Aussage war auch deshalb problematisch, weil sich hier ein neuer Dissens zwischen den Unionsparteien andeuten könnte. Annegret Kramp-Karrenbauer sagte am selben Tag vor ihren Anhängern, sie glaube manchmal, „dass wir das verkrampfteste Volk sind, das überhaupt auf der Welt rumläuft“. Die Reaktionen auf ihren Toiletten-Witz geben ihr zweifellos recht. Mancher ihrer empörten Kritiker stand offenbar kurz vor einem akuten Darmverschluss.

          Wir brauchten einfach wieder einen kleinen Herzog! Das dachte sich wohl auch Fraktionschef Brinkhaus, als er krampflösend auf die Gemüter einwirken wollte, die wegen dieses Skandals die Backen aufbliesen. Er beteuerte, dass die CDU gar nichts gegen Diversität und Interreligiosität habe: Auch ein Muslim könne „für die CDU“ (die dann natürlich in MDU umbenannt werden müsste) Kanzler werden. Au Backe! Das ging, obwohl kein Witz, ebenfalls nach hinten los. Man kann es eben nie allen recht machen, was man nicht zuletzt im Fall Jogi Löw sieht. Hält er an den Oldtimern im Team fest, setzt es Hiebe, schmeißt er sie raus, auch. Er hätte einfach nicht immer so gepflegt und wohlriechend am Spielfeldrand stehen, sondern lieber den edlen Wilden mimen sollen, solange das noch erlaubt war.

          Apropos: Dass die Indianer jetzt ausgerechnet bei uns noch einmal ausgerottet werden sollen, ist gleich der nächste Skandal. Wir glauben freilich nicht, das es so kommt, da doch in Deutschland gerade das goldene Zeitalter der unrasierten Häuptlinge anbricht. Das kann selbst den linken Dumpfbacken nicht entgangen sein.

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