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Fraktur : Schießen

Zum Schießen! Bild: Getty

Ja, hat denn Frauke Petry den Schuss nicht gehört, als sie zur besseren Integration von Flüchtlingen verlangte, diese schon an der Grenze mit der alteuropäischen Kulturtechnik des Schießens in Berührung zu bringen?

          Ja, hat denn Frauke Petry den Schuss nicht gehört, als sie zur besseren Integration von Flüchtlingen verlangte, diese schon an der Grenze mit der alteuropäischen Kulturtechnik des Schießens in Berührung zu bringen? Oder erinnerte sie sich bloß daran, dass Einwanderer in Deutschland erst dann als so richtig integriert gelten, wenn sie es zum Zimmerstutzenschützenkönig gebracht haben? Oder hat die AfD-Frontfrau womöglich geglaubt, Schießen sei gar nicht schlimm, sondern lustig, sprich: zum Schießen? Man denke nur an die Kölner Silvesternächte, in denen ja meist fröhlich geschossen statt unsittlich angetanzt wird. Oder an die Münchner Lach- und Schießgesellschaft. Die wird ja nicht umsonst so heißen.

          Timo Frasch

          Politischer Korrespondent in München.

          Aber da ist Petry diese Woche vom Münchner Ministerpräsidenten aus Moskau eines Besseren belehrt worden. Nach seinem Besuch beim passionierten Eishockeyspieler Wladimir Putin, der Schüsse natürlich nur vom Spielfeld kennt, machte sich Horst Seehofer ganz klar für den Grundsatz „Dialog statt Gewalt“ stark. Die unschönen Begleitumstände des Zwists in der Ukraine entlarvte er todesmutig als „Schießerei“, was nicht weit weg ist von „Geschieße“, was wiederum von „Geschiss“ kommt.

          Der Putin-Fan Donald Trump hat jüngst gesagt: „Ich könnte mitten auf der Fifth Avenue stehen und jemanden erschießen, und ich würde keine Wähler verlieren.“ Sein eher mäßiges Abschneiden in Iowa legt nahe, dass er es vielleicht hätte tun sollen. Für ihn ist schließlich jeder, der kein Schießer ist, ein Schisser. Trump ist ja auch der Ansicht, dass Waffen den Leuten geholfen hätten, die am 13. November im „Bataclan“ die „Eagles of Death Metal“ hören wollten. Dort, in Paris, hatten einst die Surrealisten behauptet, es sei der einfachste surrealistische Akt, blindlings in die Menge zu schießen. Ein bisschen Verstand hätte genügt, um zu wissen, dass sie „surrealistisch“ mit „terroristisch“ verwechselten. Aber mit dem Verstand hatten es die Pariser Surrealisten nicht so. Ganz anders die Kölner Karnevalisten. Die haben einen wunderbaren Spruch. Auf Hochdeutsch heißt er: „Nicht schießen, hier stehen doch Menschen!“

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