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Fraktur : Plädoyer für den Sauzi

Denkmal der Schande: Wagt die AfD den sauberen Höxit? Bild: AP

Warum gerade in Schlammschlachten ein klarer Blick nötig ist.

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          Dass in der Politik mehr Saubermänner als Sauberfrauen herumlaufen, liegt auch daran, dass Letztere nie Eingang in die Sprache gefunden haben. Womöglich wäre manches anders gekommen, hätte man den Begriff des Saubermanns nach dem des Gutmenschen erfunden oder wenigstens nach dem des Nazis. Dann gäbe es jetzt den Saubermenschen oder den Sauzi, und diese Kolumne müsste sich nicht dem Verdacht der Frauenfeindlichkeit aussetzen. Begriffe entscheiden heute über Wohl und Wehe, zumindest über die Zahl der politischen Follower, wie der Blick über den Ärmelkanal zeigt. Als Theresa May noch mit einem „harten“ Brexit verbunden war, stand sie so einsam da wie ein Paar Lederhosen in einem Brautmodengeschäft. Seit sie den „sauberen“ Brexit predigt, sind die Bedenken wie weggefegt. Der Abschied aus dem Binnenmarkt ist nun das reine Vergnügen und noch dazu eine Verbeugung vor dem Wähler, der, wie wir seit Mays Grundsatzrede wissen, nicht mit ungewaschenen Augen für den Brexit gestimmt hat, sondern „klaren Blicks“.

          Jochen Buchsteiner

          Politischer Korrespondent in London.

          Nur wer die Begriffe beherrscht, beherrscht die Debatte. Das hat May natürlich von Merkel gelernt, die schon ein paar Schlammschlachten mehr hinter sich hat. Weil die Kanzlerin „Flüchtlinge“ in Deutschland begrüßte und keine „Migranten“ (oder gar Übeltäter), war jeder, der Fragen an ihre „Flüchtlingspolitik“ stellte, ein Schmutzfink, der sofort in die Mangel geriet. Persilscheine gab es nicht, nicht einmal für Erika Steinbach, deren Einsatz für Flüchtlinge und Vertriebene fast fleckenlos gewesen wäre, hätten sie nicht die falsche Nationalität gehabt. Der Kanzlerin einen katastrophalen Fehler vorhalten – das trauen sich heute nur noch Ausländer, die russische Huren auf ihre Bettkante pinkeln lassen. Aber Trump, mag Merkel sich denken, wird auch noch anders reden, wenn er erst mal ordentlich durchgeschleudert wurde in der Waschtrommel vom Typ Kompromat.

          Von May und Merkel lernen heißt rhetorisch siegen lernen, weshalb man es eine Schande nennen muss, dass den beiden Frauen noch kein Denkmal der Sprache ins Herz ihrer Hauptstädte gepflanzt wurde. Ein solcher Wallfahrtsort könnte selbst dem total besiegten Teil des Volkes begreiflich machen, wie man das Land Stück für Stück zurückholt. Den Sauzi Höcke und seinen langen, entbehrungsreichen Weg zum vollständigen Sieg brauchte man dann gar nicht mehr. Aber vielleicht trennt sich die AfD ja auch so von ihrem Chefrhetoriker und wagt den klaren Schnitt, den „clean“ Höxit.

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