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Fraktur : Motivation

Der Tunnel am Ende des Lichts Bild: Mauritius

Warum leben, wenn man auch tot sein kann? Angela Merkel weiß es.

          1 Min.

          Man fragt sich doch jeden Tag: Woher nehmen die Leute die Kraft zu glauben, dass weiterzuleben besser ist als den Bettel einfach hinzuschmeißen? Die Antwort lautet: Motivation – und zwar die der perfidesten, lächerlichsten Sorte. Es fängt schon in der Kindheit an, wenn der Liedermacher Rolf Zuckowski all jene, die noch nicht einmal allein aufs Klo gehen können, mit seinem Song „Ich schaff das schon!“ animiert und damit verhöhnt. Im Fortgang des Lebens nehmen Motivationsbedarf und Lächerlichkeit eher noch zu.

          Timo Frasch

          Politischer Korrespondent in München.

          Haben Sie schon mal einen erwachsenen Mann dabei beobachtet, wie er sich auf dem Tennisplatz mit dem ständigen Gebrauch der Worte „Come on!“ über seine eigene Unzulänglichkeit hinwegzutäuschen versucht? Oder erinnern Sie sich an die „Kult-Rede“ des Fußballtrainers und derzeitigen Dschungelcampers Thorsten Legat? „Was ich hier brauche sind Kerle mit Eiern inne Buxe.“ „Und eins ist auch ganz klar. Wenn die Leute meinen, sie müssten aufhören, nur, weil sie den Finger gebrochen haben – Fußballspielen kann jeder!“ Von solchen Sätzen lassen sich im 21. Jahrhundert volljährige Landesligaspieler motivieren. Wahrscheinlich könnte man sie damit sogar in einen Krieg hetzen, die Rache für die Schmach von Córdoba steht schließlich noch aus.

          Besonnenere Menschen lesen zur Motivation Bücher. Die laufen häufig auf das Paradox hinaus, man solle, wenn einem Glück und Erfolg wichtig sind, diese bloß nicht wichtig nehmen. „Sorge dich nicht – lebe!“ heißt ein Klassiker in dieser Sparte, der in seiner Einfalt nur noch übertroffen wird vom inoffiziellen Pegida-Motto „Sorge dich nicht – bebe!“ Nicht viel besser als die Ängstlichen und die Wütenden sind übrigens die Armen. Die trösten sich zum Beispiel mit der Aussicht auf 72 Jungfrauen im Paradies darüber hinweg, dass sie ihr bisschen Geld, das für den Sauna-Club gedacht war, im Casino verspielt haben.

          Wenn man sich das alles im Geist der Aufklärung vor Augen führt und sich dann noch vergegenwärtigt, dass die CSU an etwas glaubt, was sie „Geist von Kreuth“ nennt, und dass darüber hinaus ganz Deutschland Barack Obama an den Lippen hing, als dieser einst sein „Yes, we can“ schmetterte – ist es dann wirklich so verwerflich oder auch nur verwunderlich, dass Angela Merkel zu uns sagt: „Wir schaffen das“?

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