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Fraktur : Mord im März

Alles wie damals: Doch wer ist der Brutus? Bild: Wilhelm Busch

Warum Merkel sich vor diesem Wahlsonntag hüten sollte.

          Wir wissen nicht genau, wer alles seine Finger im Spiel hatte, als dafür gesorgt wurde, dass die drei Landtagswahlen an diesem Sonntag stattfinden. Doch müssen Menschen mit Latinum dabei gewesen sein, also Christliche Demokraten. Denn der März ist ja nicht nur der Monat, in dem der Bauer die Rösslein einspannt, um seine Felder und Wiesen instand zu setzen. Vor fast auf den Tag genau 2060 Jahren ereignete sich mitten im Märzen eine Mordtat, unter der Latein-, Geschichts- und sogar Englischschüler noch heute leiden. Damals stach eine Gruppe von Verschwörern einen Herrscher nieder, der wie seine sehr viel spätere Nachfolgerin an die grenzenlose Macht glaubte und ebenfalls schon daran, dass Gallier und Briten ein Gewinn für das Reich seien. Auch den Schleppern im Mittelmeer, damals noch Piraten genannt, legte er das Handwerk.

          Die Parallelen sind also verblüffend. Wo aber ist heute der Augur, der Angela Julia Merkel beschwört, sich vor den Iden des März zu hüten? Vor den Ideen des Merz warnten wir sie ja schon vor langer Zeit. Fridericus zog sich mittlerweile aus dem Verschwörungsgeschäft zurück, in dieser Branche wurde ihm zu schlecht bezahlt. Doch ist er nicht der Einzige, der noch ein Messer offen hat. Shakespeare lässt in seinem einschlägigen Drama den Artemidorus die ganze Schar durchgehen, die den Dolch im Gewande trägt (wir haben auch die Namen ins Deutsche übersetzt): „Cäsar (Merkel), hüte dich vor Brutus; sei wachsam gegen Cassius (Klöckner); halte dich weit von Casca (von der Leyen); habe ein Auge auf Cinna (Haseloff); misstraue dem Trebonius (Koch); beobachte den Metellus Cimber (Glos); Decimus Brutus (Gabriel) liebt dich nicht; beleidigt hast du den Cajus Ligarius (Friedrich). Nur ein Sinn lebt in allen diesen Männern, und er ist gegen Cäsar (Merkel) gerichtet. Wo du nicht unsterblich bist, schau um dich. Sorglosigkeit gibt der Verschwörung Raum.“

          Das gilt alles heute wie damals. Die Kanzlerin sollte am Wahlsonntag ihr überreichte Schriftrollen also sofort lesen und keinesfalls in ein Theater gehen. Nur auf die entscheidende Frage haben wir noch keine Antwort: Wer ist der moderne Brutus? Wer derjenige, dessen Hieb Merkel mitten ins Herz träfe, weil er ihr der Liebste ist? Altmaier? Hintze? Tauber? Heißen alle mit Vornamen Peter, was dann doch etwas komisch klingen würde: Peter Brutus. Seibert? Sähe nach einem schlechten Fernsehkrimi aus. Steinmeier? Käme, weil dauernd in der Weltgeschichte unterwegs, wahrscheinlich nicht rechtzeitig zum Stich. Es ist ja auch egal, unsere Warnungen würden vermutlich ähnlich leichtfertig in den Wind geschlagen wie vor zweitausend Jahren.

          Spannend wie damals wäre freilich auch die Frage, wer im Falle einer erfolgreichen Verschwörung an die Stelle Merkels treten sollte. Liebe Leser, glauben Sie bitte nicht dem Ablenkungsmanöver, das könne nur Schäuble sein. Es sind, wie wir gehört haben – denn nicht nur in der CSU gibt es Quatschi, Quatschi, Quatschi –, noch ganz andere Kaliber im Gespräch: Oettinger und, falls der versehentlich in sein eigenes Messer stürzt, Tillich. (Keine Sorge, es ist ganz normal, wenn Ihnen jetzt kurzzeitig schwarz vor Augen wurde.) Ein kluger Kopf, mit dem wir über die dünn besetzte Ersatzbank der CDU korrespondierten, schlug vor, anstelle eines unbekannten Afrikaners oder Afghanen den jungen Sebastian Kurz einzubürgern, der in der Flüchtlingskrise eine ziemlich gute Figur macht. Nichts gegen den talentierten Herrn Kurz – aber wir sollten es keinesfalls noch einmal mit einem Österreicher als Kanzler probieren. Bedenkt man all das, dann bleibt auch uns nichts anderes übrig, als zu hoffen, dass es schnell April wird.

           

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