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Fraktur : Meutherei in der AfD

Kettenreaktion wie im Kindergarten: Schlägst du mich, hau ich dich. Bild: Wilhelm Busch

Wie eine durch und durch alternative Partei die Deutschen in die Arme von Merkel treibt.

          Mit Fassungslosigkeit verfolgen die Anhänger des sogenannten gesunden Menschenverstandes, die für alles eine klare und einfache Lösung haben, wie die AfD sich in ihre Elemente zerlegt, also in das Gute und das Böse, das Liberale und das Autoritäre, das Russophile und das Antisemitische, die Schöne und das Biest, in Alfa und Omega. Doch ist die Aufregung auch irgendwie unverständlich, wenn man bedenkt, dass die AfD von Anfang an nichts anderes versprochen hatte. Alternative bedeutet ja, auch wenn das in den Studiengängen, die besonders viele AfD-Anhänger auf den Markt werfen, wohl nicht mehr so eng gesehen wird wie von den Altsprachlern in den Altparteien, dass man vor einer Wahl mit zwei Möglichkeiten steht. Schon ihr Name verpflichtet die AfD also stets zu einem dualen Angebot und damit nach Lage der Dinge zu fortgesetzter Spaltung. Alles hat ein Ende, nur die AfD hat (mindestens) zwei.

          Die neue „Alternative für Baden-Württemberg“ wird sich also zwangsläufig in eine „Alternative für Baden“ und in eine „Alternative für Württemberg“ aufteilen müssen. Problematisch wird das erst, wenn der Prozess der Spaltung (der, wenn man es positiv sehen will, auch einer der Vermehrung ist) auf kommunaler Ebene ankommt, sagen wir in Repperweiler. Soll das Dorf dann in zwei Teile zerschnitten werden, mit einer Alternative für Repper und einer für Weiler, am Ende noch mit einer von Meuthen und Petry persönlich errichteten Mauer dazwischen? Diese Absicht kann doch niemand haben.

          Der Zellteilung der AfD sind also Grenzen gesetzt, die nur durch eine Namensänderung überwunden werden könnten, was Lucke früh erkannt hat. Seine Partei kann sich freilich allein deswegen nicht mehr spalten, weil sie schon im subatomaren Bereich angekommen ist. Auch fehlt es dem Alfa-Teilchen, anders als Luckes Altpartei, an spaltbarem Führungspersonal. Die AfD aber verfügt sogar noch nach der Meutherei im Südwesten weiter über die kritische Masse, die zur Aufrechterhaltung der Kettenreaktion nötig ist, wie man sie aus dem Kindergarten kennt: Schlägst du mich, hau ich dich – und auch noch deine Spielkameraden.

          Sollten die für Recht und Ordnung und eine echte Handball-Nationalmannschaft ohne Boatengs eintretenden Anführer dieser durch und durch alternativen Partei aber dennoch nicht langsam dafür sorgen, dass es in der AfD nicht weiter zugeht wie auf der Bounty nach der Absetzung Blighs? Oder wie in einer versifften Achtundsechziger-WG, in der sich ein paar Altalternative eingenistet haben und wochenlang darüber streiten, ob man den Müll rausbringen muss, wenn der schon so zum Himmel stinkt, dass dies nicht erst ein Antisemitismus-Forscher riechen kann? Sonst hat vielleicht der eine oder andere Anhänger der AfD doch einmal genug von der Vielzahl der wunderbaren politischen und personellen Alternativen, zwischen denen er sich unaufhörlich entscheiden muss. Denn eigentlich wollte man doch stramm von vorne und oben geführt werden, am besten von einer Art Kanzlerdiktatorin. Besonders die neuen Fans der AfD im Osten sollen noch immer vom demokratischen Zentralismus träumen. Am Ende suchen sich die von so viel innerparteilicher Demokratie Entnervten noch eine Partei, die nur eine Vorsitzende hat, und zwar eine vollkommen alternativlose. Man mag sich gar nicht vorstellen, in welche Verzweiflung eine solche Fahnenflucht die AfD-Oberen stürzte, zur Abwechslung einmal alle miteinander.

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