https://www.faz.net/-gpf-7tula

Fraktur : Lieber Hybridschweine als Hybridkriege

Biologische Kriegführung: Wie wir mit unseren Stretch-Säuen die islamistischen Terroristen aus ihren Dörfern jagen könnten. Bild: Wilhelm Busch

Putins Schnitzeljagd: Warum ist uns bloß nie aufgefallen, dass die Krim die Form eines Koteletts hat?

          2 Min.

          Erst vor einer Woche haben wir an dieser Stelle vor der Militarisierung unserer Sprache gewarnt. Hat aber wohl wieder kein Schwein gelesen. In Berlin jedenfalls wird weiter munter attackiert, sabotiert und unterminiert, dass es nur so kracht. In der Koalition ist geradezu ein asymmetrischer Krieg ausgebrochen: die kleine mautistische CSU gegen den Rest der Welt. Oder muss man dazu jetzt Hybridkrieg sagen? Das ist die neueste Vokabel, mit der unsere Verteidigungsministerin zeigt, dass sie etwas von ihrem Fach versteht (die Dienstgrade kann sie längst vorwärts und rückwärts aufsagen).

          Und schon läuft in der öffentliche Debatte der Hybridkrieg dem Paradigmenwechsel den Rang ab. Was man absolut verstehen muss. Denn inzwischen ist alles irgendwie hybrid, vom Golfschläger bis zum Autoantrieb. Das Wort will uns sagen, dass man von allem das Beste kriegen kann, wenn man es nur miteinander kreuzt. Und, stimmt das vielleicht nicht?

          Also beim Hybridschwein schon. Das schenkt uns deutlich mehr Koteletts als seine Vorfahren, und magerer sind die auch noch. Das war aus Sicht der Metzgerzunft zwingend notwendig, denn nur ein lebender Kunde ist ein guter Kunde, und weil der dann länger Kotelett essen kann, braucht das Schwein wiederum mehr Rippen. Inzwischen stehen in den Ställen richtige Stretch-Säue herum, die einen Wendekreis haben wie ein Nilpferd. Doch kann man diese Pimp-my-pig-Schweine auch auf das Format von Meerschweinchen schrumpfen. Dazu muss man sie nur als Schnitzel in die Pfanne hauen. Und schon gilt: FdH.

          Wenn man doch auch den Hybridkrieg so leicht eindampfen könnte! Zwar hilft uns dieser neue Begriff, Putin noch besser zu verstehen: Der Kremlherr will mit seiner Kreuzung aus Panzer-, Partisanen- und Propandakrieg einfach sein Imperium um ein paar Rippen verlängern (Pimp my empire). Schnitzeljagd mit verirrten Fallschirmjägern, sozusagen. Hätte man in der Tat alles vorhersehen können. Warum ist uns bloß nie aufgefallen, dass die Krim die Form eines Koteletts hat?

          Dennoch können wir an dieser eierhandgranatenlegenden Trollkriegssau nichts Gutes finden. Nichts ist gut in der Ostukraine! Obwohl die Nato noch gar nicht dort war. Ihre Hybris reicht nämlich höchstens für die Hebriden. Mit der Hybrid-Schweinerei in der Ukraine will sie dagegen möglichst wenig zu tun haben. Und auch Obama hält – obwohl er doch gelernt hat, die Drohne zu lieben – nicht viel von diesen neumodischen Arten, einen Krieg zu führen. Er greift im Irak und in Syrien lieber auf das altbewährte Bombardement aus der Luft zurück, mit dem Amerika schon ganz andere Gegner in die Steinzeit zurückbeförderte. Das Problem ist nur, dass der gegenwärtige Feind sich in der Steinzeit wohlzufühlen scheint. Es hätte also in der Tat gar keinen Sinn, wenn Deutschland sich an so einem Luftkrieg beteiligte.

          Doch fällt uns jetzt wie Schuppen von den Augen, dass wir für den Feldzug gegen den „Islamischen Staat“ etwas viel Wirkungsvolleres anzubieten hätten, eine biologische Waffe, deren Einsatz auch noch ökologisch weitgehend unbedenklich wäre: eben unser Hybridschwein. Die Wutz, das wusste schon Karl May, fürchtet der Islamist wie der Teufel das Weihwasser. Und besser als wir Deutsche kann wirklich niemand eine Sau nach der anderen durchs Dorf treiben, ganz gleich, ob es im märkischen Sand oder in der syrischen Wüste liegt.

          Weitere Themen

          Wer Recht missachtet, bekommt weniger Geld

          Kompromiss im EU-Streit : Wer Recht missachtet, bekommt weniger Geld

          EU-Staaten, die gegen Grundsätze der Rechtsstaatlichkeit verstoßen, sollen weniger Geld bekommen. Welche Maßstäbe hierfür gelten sollen, darüber streiten EU-Parlament und Rat seit Sommer. Jetzt ist eine Einigung nahe.

          Topmeldungen

          Warnschild in Ludwigsburg

          Debatte im Bundestag : Wer der Feind ist

          Kritik ist berechtigt und nötig. Eine „Corona-Diktatur“ ist Deutschland aber nicht. Auch die Opposition sollte in diesen Zeiten nicht überreagieren.
          Der Umsatz mit den iPhones verfehlt die Erwartungen. Tim Cook ist trotzdem optimistisch.

          Amazon, Apple & Co. : Den Tech-Konzernen geht es glänzend

          Amazon schafft einen weiteren Rekordgewinn, und Facebook beschleunigt sein Wachstum. Apple muss auf das nächste Quartal vertrösten – hat aber guten Grund zum Optimismus.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.