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Wir müssen zugeben: Dahinter steckt nicht immer ein kluger Kopf. Bild: Hans-Helmut Herold

Fraktur : Kündigung, vollständig durchgeführt!

Bernd Höckes spätes Outing lässt leider nur einen Schluss zu.

          2 Min.

          Die am schwersten zu verkraftende Nachricht der Woche bestand – jedenfalls für uns – nicht darin, dass erst ein Vater- beziehungsweise Mutterschaftstest klären kann, wer all die Probleme in die Welt gesetzt hat, an denen das einstige Traumpaar Merkel/Seehofer endgültig zu zerbrechen droht. Uns schockierte etwas anderes: Björn Höckes Outing, sein F.A.Z.-Abonnement gekündigt zu haben.

          Berthold Kohler
          Herausgeber.

          Das ist zwar schon fünfzehn Jahre her, doch wärmte der AfD-Mann seine Heldentat jetzt auf einer Wahlkampfveranstaltung auf, und deshalb müssen natürlich auch wir uns noch einmal mit diesem einschneidenden Ereignis beschäftigen.

          Die Kündigung an sich kam damals nicht wirklich überraschend. Unser Blatt konnte für einen wie Höcke nur eine Enttäuschung sein. Wir brachten ja auch keine einzige Home-Story, pardon: Heimat-Erzählung über ihn, in der zum Beispiel zackig geschildert worden wäre, wie er am Lagerfeuer jungen Männern mit Kurzhaarschnitt zeigt, wie hoch im Winter am Kyffhäuser der Schnee lag.

          Doch die Begründung, die Höcke nun für seinen Schritt nannte, war eine einzige Enttäuschung. Wir hätten von einem Geschichtslehrer wie ihm etwas in der Härte von Kruppstahl erwartet, und auch Höckes Publikum durfte doch mindestens mit dem Standardrepertoire rechnen, auch wenn die „Lügenpresse“ inzwischen so abgedroschen ist, dass man damit keinen Nazi mehr hinter seinem Ofen hervorlockt.

          Was aber entfremdete den Leser Höcke nach eigener Darstellung von unserem Blatt? An der Fraktur lag es nicht, denn die halten sogar die Kollegen vom „Spiegel“ bis heute für eine Nazi-Schrift. Nein, Höcke erschütterte zutiefst, dass wir auf unserer ersten Seite ein Farbfoto druckten, jeden Tag! „Das war für mich ein schwerer Schlag“, bekannte er vor seinen Anhängern unter Hochhalten unserer Illustrierten.

          Gut, vielleicht hätten wir weniger Hundefotos bringen sollen (oder allenfalls von Deutschen Schäferhunden) und mehr historische Bilder. Es gibt ja schon aus den dreißiger Jahren ganz tolle Farbaufnahmen, die meisten sogar mit einem wunderbaren Braunstich. Doch die Überfremdung der Titelseite mit farbigen Aufnahmen war noch nicht alles. Endgültig gekündigt, so bekannte Höcke, habe er das Abo, „als diese Zeitung, eine damals eher konservative Zeitung, dann von der alten bewährten Rechtschreibung auf die neue Schlechtschreibung umgestellt hat und den Kotau vor dem Zeitgeist vollständig durchgeführt hat“.

          Kotau, vollständig durchgeführt! Ja, das ist schon eher der Ton, den wir von einem Höcke erwarten, ob er nun Björn, Bernd oder Brot heißt. Leider hat aber auch dieser Teil der Begründung Schwächen. Höcke kündigte, wie er selbst sagte, im Jahr 2003. Da wandte die F.A.Z. freilich schon drei Jahre lang wieder die alte Rechtschreibung an – für deren Erhaltung sie bis zum letzten Buchstaben gekämpft hatte wie keine zweite Zeitung im teutschen Sprachraume, Herr Höcke! Erst 2007 übernahmen wir, um der Einheitlichkeit willen, eine Reformschreibung, der – so unbescheiden wollen wir einmal sein – auch dank unseres Widerstandes gravierende Mängel ausgetrieben worden waren. Auch das tägliche Foto auf dem Titel gab es 2003 übrigens noch nicht. Uns bleibt angesichts der eindeutigen Faktenlage leider nur ein Schluss übrig: Hier hat ein Lügenhöcke „Fake News“ verbreitet.

          Das wird er freilich nicht erfahren, denn er liest „Hauptstrommedien“ wie uns nicht mehr. So entgehen ihm leider auch die einzigartigen Interviews, die uns sein Parteigenosse Gauland gibt. Man soll eben nicht zu schnell kündigen. Das raten wir auch allen Lesern, die uns voller Zorn schreiben, dass sie jetzt kündigen würden (weil wir zu rechts, zu links oder zu mittig seien) – wenn sie das Abo nicht schon vor x Jahren gekündigt hätten! Also, liebe Wutleser: Bitte gehen Sie mit der Atombombe des Abonnenten sorgsam um. Oder, noch besser: Schließen Sie mehrere Abonnements ab, denn wer viele hat, kann auch oft kündigen.

          Dieser Weg stünde natürlich auch Höcke offen, selbst wenn er demnächst vom Verfassungsschutz beobachtet wird. Das soll jetzt aber auch nicht bedeuten, dass wir ihn zur Rückkehr in den Kreis unserer Leser drängen wollen. Es wäre schon gut, wenn er wegbliebe, flüstert uns unser Slogan zu.

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