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Fraktur : Kevins Mondfahrt

Auch Rauchen schadet dem Klima: Wohl noch nichts vom „Green Deal“ gehört, was? Bild: Wilhelm Busch

Nicht nur die EU hatte einen Mann-auf-dem-Mond-Moment. Die SPD hat allerdings keinen Wernher von Braun.

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          Es geht aufs Jahresende zu, und da ist es ganz normal, dass alle genug von allem haben: die Briten vom Brexit, die Resteuropäer von den Briten, Trump von den Resteuropäern und die Demokraten von Trump. Das Problem ist nur: Auch nach Johnsons Wahlsieg werden die Briten weiter mit dem Brexit zu tun haben, die Resteuropäer mit den Briten, Trump mit den Resteuropäern und die Demokraten mit Trump.

          Die „Hexenjagd“, von der er dauernd spricht, wird ja nicht damit enden, dass er auf dem Capitol Hill einen Scheiterhaufen besteigen muss. Das ließen selbst die gröbsten Feinstaub-Grenzwerte nicht zu. Und die Republikaner erst recht nicht, die sich an den Satz klammern, der schon seit Urzeiten die amerikanische Politik prägt: „Yes, he is a son of a bitch, but he is our son of a bitch.“ Beziehungsweise „son of a witch“, wenn man in Trumps Bild bleiben wollte. Dieses führt aber noch in anderer Hinsicht in die Irre. Als Hexen bezichtigt wurden meistens kluge junge Frauen. Verfolgt und verbrannt wurden sie oft von lüsternen alten Männern. Trump passte, wenn zu einer Hexenjagd geblasen würde, also eher zu den Jägern als zu den Gejagten.

          Wie glücklich können dagegen wir uns diesseits des Atlantiks (einschließlich des Ärmelkanals) schätzen, dass unsere Politiker nur treffende Metaphern benutzen. Der Tesla unter ihnen ist seit dieser Woche zweifellos „Europas Mann-auf-dem-Mond-Moment“, den uns die neue Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen bescherte. Bei Zeitgenossen ihres Alters stellten sich sogleich die Nackenhaare auf, wie damals, als das Röhren der Saturn-V-Rakete selbst noch im fernen Deutschland die Schwarzweiß-Fernseher erzittern ließ. Beim Mond-Moment kommt einem natürlich sofort John F. Kennedy in den Sinn, Wernher von Braun, die V 2 und so weiter und so fort. Wer wollte bei einer solchen Assoziationskette nicht spontan „Hurra!“ rufen und sich freiwillig an die Weltklima-Front melden?

          Warum sollte nicht auch der SPD das Fantastische gelingen?

          Zwar verbrannte die SaturnV schon in den ersten zwei Minuten zweitausend Tonnen Treibstoff, der damals noch nicht aus kaltgepresstem Leinöl gewonnen wurde. Doch waren die Mondlandungen jedenfalls insofern nachhaltig, als der Müll, den die Astronauten zurückließen, bis zum Jüngsten Tag liegen bleibt. Sollen die üblichen Miesmacher ruhig unken, Europa werde dank dem „Green Deal“ im Jahr 2050 aussehen wie der Mond schon jetzt. Bei näherer Betrachtung wäre das gar nicht so schlecht. Denn dann hätte jedenfalls ein Teil Europas fast immer Licht.

          Endlich wissen wir nun auch, wie wir den Wahnsinnsmoment nennen sollen, in dem die neue SPD-Führung erklärte, bis Ende 2020 wieder auf dreißig Prozent oder mehr kommen zu wollen. Gemeint hatten NoWaBo und SaEsKen nicht das Ergebnis bei der Wahl ihrer Nachfolger, sondern das Abschneiden der gesamten Partei in den bevorstehenden Landtags- und Bundestagswahlen.

          Dreißig Prozent für die SPD binnen eines Jahres – das klang noch aberwitziger als Kennedys Ankündigung vom Mai 1961, innerhalb eines Jahrzehnts einen Mann zum Mond zu schießen und wieder gesund zurückzubringen. Die Amis schafften es tatsächlich. Warum sollte dann also nicht auch der SPD das Fantastische gelingen? Sie hat ja nicht nur einen Sputnik-Schock erlebt, sondern eine ganze Serie davon. Und sagte nicht schon Kennedy, man setze sich den Mond zum Ziel, nicht weil es einfach sei, sondern schwierig? Gut, JFK hatte damals leicht reden, weil ihm ein genialer deutscher Chefingenieur diente. Wer aber soll den neuen Hoffnungsträgern der SPD die Trägerrakete bauen, die sie zu den Sternen bringt? Kevin Kühnert etwa? Der hat immerhin ein Talent zum Märchenerzählen. Und für „Peterchens Mondfahrt“ genügte bekanntlich ein Zaubertanz. Bei dieser Gelegenheit muss in dieser sagenhaften Geschichte endlich einmal gewürdigt werden, was Generationen von Kindern und Eltern übersahen: Der Trip zu unserem Trabanten erfolgte vollkommen klimaneutral.

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