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Fraktur : Kein schönes Thema

Nur Chihuahuas und Zwergpinscher: Bei den Grünen gibt es einfach zu wenige Hundehalter. Bild: Wilhelm Busch

Da haben uns die Grünen ja wieder was eingebrockt.

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          Früher hätte ein früherer Kollege in unserer Nachmittagskonferenz mit zusammengebissenen Zähnen gesagt: „Das ist kein schönes Thema.“ Dann hätte die Redakteursrunde einmütig genickt und lieber das Übliche kommentiert, also eine Sintflut in Bangladesch oder einen Kinderschänderskandal in Belgien. Ja, so schön war einmal der Journalismus, als man noch das schreiben durfte, was man schreiben wollte.

          Auch heute noch hätten wir um das nachfolgende und ziemlich unappetitliche Thema gerne einen so großen Bogen gemacht wie um die Hinterlassenschaften von Neufundländern, die ja wirklich viel fressen. Aber dann hieße es doch wieder, die Mainstream-Lügenpresse traue sich nicht an die richtig heißen Themen heran. Diesem Vorwurf wollen wir keineswegs Vorschub leisten, auch weil diese Zeitung noch keinen Ombudsmann und keine Ombudsfrau hat, die im Auftrag der Leserinnen und Leser der Frage nachgehen, welche finsteren Kräfte dafür gesorgt haben, dass manche Themen nicht im Blatt erscheinen oder nur sehr abgekühlt.

          Also, es hilft ja nichts, daher gleich heraus mit der Fäkalsprache. Dass wir uns mit der zunehmenden Verstoffwechselung des Deutschen beschäftigen müssen, haben uns wieder einmal die Grünen eingebrockt, was wir ihnen im September nicht vergessen wollen. Zu unserer nicht geringen Überraschung begründete die grüne Spitzenkandidatin für die Bundestagswahl, Katrin Göring-Eckardt, das Wahldebakel ihrer Partei im Saarland doch tatsächlich mit dem Satz: „Offensichtlich ist es auch so, dass die Themen, mit denen wir im Moment draußen sind, jetzt nicht gerade wahrgenommen werden als der heiße Scheiß der Republik.“

          Das ist in jeder Hinsicht ein dramatischer Befund, auch wenn er nicht der Hitze der Wahlnacht entstammt, sondern der postelektionalen Depression am Morgen danach. Denn üblicherweise würde man so, selbst wenn auch das noch etwas ungewöhnlich anmutete, doch eher einen Wahlsieg begründen. Die Spitzenkandidatin und, man muss aufgrund ihrer unangefochtenen Stellung vermuten, ihre ganze Partei scheinen mit dem „h. Sch.“ aber allen Ernstes etwas Positives zu verbinden. Da sieht man wieder einmal, dass es bei diesen grünstreifenfernen Grünen einfach zu wenige Hundehalter gibt, und wenn doch, dann führen sie wohl nur Chihuahua und Zwergpinscher Gassi.

          Und was heißt denn „im Moment“? Mit ihren „Sch.“-Themen tingelt diese Guano-Partei doch schon seit vierzig Jahren durchs Land. Manch einer, der darunter ebenso lange leidet, würde Frau Göring-Eckardt daher auch heftig widersprechen und allenfalls bereit sein, wegen der langen Zeit, die inzwischen vergangen ist, das Adjektiv „heiße“ durch „kalte“ zu ersetzen.

          Doch was soll man machen: Es hat eben nicht jede Partei so einen heißen Typen wie Martin Schulz. Aber sogar die CDU hat jetzt ein „hot chick“, weswegen es auch kein Wunder war, dass the Donald gleich nach der Saarland-Wahl unsere Bundeskanzlerin anrief und die Nummer von AKK wollte. Und was haben die Grünen? Muffensausen, dass sie auf dem Komposthaufen der Geschichte landen.

          Göring-Eckardts Mitspitzenkandidat Özdemir rät seinen Parteifreunden und -freundinnen trotzdem dazu, „jetzt mit kühlem Kopf an den Themen festzuhalten“, obwohl die ja „Sch.“ sind, und zwar gefriergetrockneter, wenn man sich die Mienen der Grünen ansieht. Irgendwie klingt dieses Wechselbad der Empfindungen und Empfehlungen, was durchaus zu einer Partei der Naturheilkundler passen würde, nach Kneipp-Kur, deren Erfinder ja auch auf heiße und kalte Reize setzte, als therapeutisches Medium freilich das Wasser bevorzugte.

          Es wundert Sie, dass die ehemalige Vizepräsidentin des Deutschen Bundestags ausgerechnet mit dieser Äußerung keinen dieser Fäkalienstürme auslöste, die im Internet sonst schon ausbrechen, wenn im Himalaja ein Schmetterling auf politisch unkorrekte Weise um eine Bergkiefer herumfliegt, also rechtsrum? Na ja: Das linke Lager hat in diesem Fall natürlich kleine Hemmungen, in die Jauchegrube zu fassen. Und auch die Gegenseite macht sich doch nicht wegen einer Noch-vier-Prozent-Partei die Hände schmutzig, da gibt es lohnendere Ziele in der Regierung. Opposition ist, da müssen wir Franz Müntefering und nun auch Frau Göring-Eckardt widersprechen, also nicht nur Mist.

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