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Fraktur : Kandidatenfrage

It-Girl und Hakenschläger:Ob Gabriel schon weiß, wer es gegen Merkel nicht schaffen können darf? Bild: Imago

Wer soll es bei der Bundestagswahl gegen Merkel nicht schaffen dürfen? Macht es das It-Girl der deutschen Sozialdemokratie selbst? Fragen über Fragen.

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          Das Schlimmste am Ende der Urlaubszeit ist ja, dass sie einen stets mit so vielen unbeantworteten Fragen zurücklässt. Stammen die Baked Beans, die man in namenlosen Hotels des Morgens mitunter (und nur in größter Not!) vertilgt, wirklich alle aus ein und derselben gigantischen Dose, weshalb sie von Göteborg bis Saarbrücken und von Singapur bis San Diego immer exakt gleich schmecken? Wen außer den Russen interessiert eigentlich noch die Plazierung im olympischen Medaillenspiegel, und sollte man die Rangliste nicht lieber nach dem Doping-Gehalt im Blut gestalten? Ist der Leibarzt von Donald Trump in Wirklichkeit Weird Al Yankovic und die Nummer mit dem Attest nur Werbung für sein Film-Comeback „Making America Weird again“?

          Oliver Georgi

          Stellvertretender verantwortlicher Redakteur für Nachrichten und Politik Online.

          All das sind selbstverständlich nur Peanuts, verglichen mit der elementaren Wucht, mit der uns eine ganz andere Frage im Urlaub geplagt hat: Ist das It-Girl der deutschen Sozialdemokratie, Sigmar Gabriel, während seiner stillen Tage im Hexenkessel zu Goslar vielleicht doch noch zu der Erkenntnis gelangt, dass er die Antwort auf die Frage der Fragen keinesfalls noch bis Anfang 2017 aufschieben kann, selbst wenn das dem alten Hakenschläger zupasskäme, also wer aus der SPD es bei der Bundestagswahl gegen Merkel nicht schaffen können dürfen soll?

          Mobilisierende Meinungsbildung

          Ach, der Sommer war so groß und die Geduld so klein oder umgekehrt, dass uns gleich noch ein paar weitere Fragen eingefallen sind. Wo zum Beispiel hat eigentlich Martin Schulz seinen Urlaub verbracht: in Straßburg oder in Berlin? Wie oft hat Hannelore Kraft ihre Heimatliebe schon bereut? Wie viele Tengelmänner braucht man für einen Putsch? Musste die Kanzlerin, als sie beim Kraxeln am Ortler einem störrischen Murmeltier kurz vor dem Winterschlaf begegnete, an die SPD und ihren Lebensabschnitts-Vorsitzenden denken, wenigstens für einen einzigen kurzen Moment? Wird die SPD überhaupt einen Kandidaten fürs Kanzleramt aufstellen oder nicht doch lieber erst mal einen für den Goslarer Kreistag? Und was geschieht in den kommenden Wochen der ungemein „mobilisierenden“ (Gabriel) parteiinternen Meinungsbildung mit demjenigen, der im Frühstücksfernsehen als Erster sagt: „Der kann es nicht“?

          Es ist schon ein rechtes Kreuz mit den Genossen: Vor nicht allzu langer Zeit wusste die ganze Partei todsicher, wer es gegen Merkel schaffen können sollte (Steinbrück), aber niemand traute sich, es zu sagen, bis ein qualmendes Orakel aus Langenhorn ein Machtwort paffte. Jetzt ist es umgekehrt. Ein echter Jammer, dass sich der Rauch des Orakels ein für alle Mal verzogen hat.

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