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Fraktur : Hört die Signale!

Putin, hilf: Freiwillige, die sich ein Herz gefasst haben und in der Ukraine für die Menschenrechte kämpfen. Bild: Wilhelm Busch

Wann werden die ersten deutschen Putin-Verehrer dem Ruf des Herzens folgen?

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          Putin ist eben doch ein Poet: Menschen, „die dem Ruf des Herzens folgen oder freiwillig an irgendeinem Kampf teilnehmen“, seien keine Söldner. Schöner und überzeugender hätte es auch Johannes Mario Simmel nicht sagen können. Stehen wir denn nicht alle in irgendeinem Kampf? Und wer von uns will schon ein Söldner sein? Simmel hätte bestimmt einen ganzen Roman aus Putins Satz gemacht, vielleicht mit dem Titel: Niemand ist eine Halbinsel. Oder: Und Wladimir ging zum Regenbogen. Oder: Der Stoff, aus dem die Albträume des Westens sind. Anders als wir verweichlichte Westler, denen nichts mehr heilig ist, weiß der Russe eben noch, wofür es sich lohnt, Herzblut zu vergießen. In unseren materialistischen Überflussgesellschaften aber hören den Ruf des Herzens doch höchstens noch die Internisten, und auch nur dann, wenn er nicht mehr von den Hilfeschreien der Leber übertönt wird.

          Die Russen dagegen können sich dank Putin jetzt wieder in Askese üben und ihrer inneren Stimme lauschen, die zumindest den Herzchen in den Spezialeinheiten zuruft: Geh nach Westen, junger Mann! Das haben diese schießwütigen amerikanischen Cowboys ja auch nicht anders gemacht. Gleiches Recht für alle. Wo doch jetzt nicht nur in Donezk, sondern sogar schon in Dresden gerufen wird: Putin, hilf! Und wir dachten immer, die hätten in der DDR keinen Kommunionunterricht gehabt. Jedenfalls haben die Dresdner ganz offenkundig nicht vergessen, dass Putin schon damals als ihr KGB-Agent immer ein offenes Ohr für sie hatte.

          Früher, als die Welt noch in Ordnung war, wäre nach einem solchen Notruf gleich am nächsten Tag eine Hilfsorganisation namens Warschauer Pakt erschienen und hätte den Flehenden dabei geholfen, zum Beispiel die „Lügenpresse“ zum Schweigen zu bringen. Ungefähr so wie damals in Prag, als erst die russischen Panzer der Wahrheit (Prawda) zum Sieg verhalfen. Doch der Pakt ist zum großen Bedauern vieler Putin-Verehrer im Westen futsch. So muss der Kreml nun ganz auf die Idealisten aller Völker setzen, die ihr Herz in die Hand nehmen und sich in den Weihnachtsferien in der Ostukraine oder wenigstens in der „Pegida“ engagieren. Nicht-Söldner, hört die Signale (aus dem eigenen Brustkorb)! Auf zum letzten Gefecht! Die Interputinale erkämpft das Menschenrecht! Zum Glück hat Moskau reichlich Erfahrung darin, deutsche Romantiker zu mobilisieren und zu finanzieren. Die in den Achtzigern in die Friedensbewegung investierten Beträge werfen noch heute ansehnliche Erträge ab, wie so manche Wortmeldung zeigt.

          Doch wann werden nun die ersten deutschen Freiwilligen dem Ruf der Wälder folgen und in den Heiligen Krieg im Donbass ziehen? Ein guter Zeitpunkt wäre Weihnachten, das wir als Zeichen unserer Verbundenheit mit Russland von nun an immer erst im Januar feiern sollten. Denn wann sollte die Stimme unseres Herzens lauter und klarer zu uns sprechen als beim Fest der deutsch-russischen Liebe?

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