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Tragischer Tod: Den hat die SPD nun wirklich nicht gewollt. Bild: Wilhelm Busch

Fraktur : Himmelfahrtskommando

Die SPD sucht wieder Todesmutige für den Schleudervorsitz. Aber auch andere haben Spaß am Schreddern.

          Das Wort der Woche stammt nicht von einem Politiker, sondern von einem Wissenschaftler. Professor Korte zählte zu den Tugenden, die ein SPD-Chef haben muss, „ein bisschen Todessehnsucht“. Das sollte man nicht wörtlich nehmen, denn die SPD ist, obwohl sie inzwischen aussieht wie eine Partei im Endstadium, kein Sterbehilfeverein. Und nur in Nordkorea werden schlechte Verhandler wirklich erschossen. Korte meinte das Verlangen nach dem todsicheren Ende einer politischen Karriere.

          Und das befriedigt die SPD bei ihren Vorsitzenden in der Tat mit der Verlässlichkeit einer gutgeölten Guillotine. Seit Brandt legt jeder SPD-Vorsitzende im Grunde schon bei der Annahme der Wahl seinen Kopf auf den Richtblock. Selbst bei der ersten Frau auf dem Galgenberg kannten die Genossen Scharfrichter keine Gnade; allerdings gab man Nahles noch Gelegenheit zur solidarischen Selbstentleibung. Danach aber lief das übliche Programm ab. Es geht so: Erschütterte Heckenschützen schlagen sich an die Brust, reißen sich Haare aus und klagen laut: Das haben wir nicht gewollt! So gemein dürfen wir nie wieder sein! Und nun: der/die Nächste, bitte!

          Einige Sozis fordern jetzt sogar eine Doppelspitze, denn eine Doppelhinrichtung wäre endlich einmal etwas Neues. Die in den vergangenen Jahren immer routinierter laufende Enthauptungsmaschinerie kam nun jedoch ins Stottern, weil es erstmals an Freiwilligen fehlt, die mit dem Ruf „Dulce et decorum est pro SPD mori!“ in die Berliner Zentrale einziehen wollen. Selbst in Bremen, dieser nun auch ehemaligen SPD-Hochburg, heißt es ja: Etwas Besseres als den Tod im Willy-Brandt-Haus findest du überall. Weil die durchschnittliche Überlebensdauer an der SPD-Spitze inzwischen kürzer ist als der Geduldsfaden von Schalke 04 in der Trainerfrage, will niemand, der noch länger als drei Monate in der Politik zu bleiben gedenkt, den SPD-Schleudervorsitz übernehmen.

          Bis sich doch noch einer findet, der weder Tod noch Kühnert fürchtet, soll ein Trio die kopflose Partei führen. Das Dreigestirn stellte gleich klar, dass es dieses Himmelfahrtskommando nur übergangsweise übernimmt. Dreyer und Schwesig wären ja auch schön blöd, wenn sie ihr gemütliches Dasein als Landesmütter aufgäben, um die Leitung einer Schlangengrube zu übernehmen, in der Kobras und Mambas sich zuzischen, man müsse endlich einmal eine Entgiftungskur machen. Auch Schäfer-Gümbel ist kein Selbstmordkandidat. Er will vom Herbst an nur noch Entwicklungshilfe in der Dritten Welt leisten, weil sie dort nicht ganz so aussichtslos ist wie in der SPD. Doch warum im Sommerurlaub für Bungee-Jumping oder einen Tauchkurs im Haifisch-Becken zahlen, wenn man doch auch ein paar Wochen lang kostenlos SPD-Vorsitzender sein kann?

          Das Vorsitzenden-Schreddern gehört zu den wenigen Dingen, in denen die SPD besser ist als die CDU. Das ließ auch in deren Reihen erkennbar den Wunsch aufkommen, nicht nur alle anderthalb Jahrzehnte das Alphatier abzuschießen. So schnell wie im Falle Kramp-Karrenbauers hat die CDU noch nie über die Person an der Parteispitze gelästert. Irgendwas muss in der Berliner Luft oder im Wasser sein, dass es die einstigen Volksparteien derart nach dem Blut ihrer jeweiligen Nummer eins dürstet. Nur die Grünen verlangt es derzeit nicht nach einem Menschenopfer, die sind halt Vegetarier.

          Ansonsten scheint sich dieses Phänomen aber in ganz Europa auszubreiten. Es macht weder vor traurigen Figurinen wie May noch vor Lichtgestalten wie Kurz halt. An dieser Stelle läuft es uns jetzt eiskalt den Rücken runter: Kurz, May, Nahles – alle drei kommen als Bilder in einem Skatblatt vor, das unser Verlag in diesem Sommer herausbringt. Unsere Zeichner Greser & Lenz haben für das Kartenspiel, das es selbstverständlich auch in einer Schafkopf-Version gibt, noch weitere Größen der deutschen und internationalen Politik porträtiert. Nun sind schon drei von ihnen auf unheimliche Weise aus ihrem bisherigen politischen Leben gerissen worden. Auf dem Blatt wird doch wohl kein Fluch liegen, der es zu einer Art Todesliste macht, wie man sie aus Dirty Harry V kennt? Dann wären bald auch Merkel, Kramp-Karrenbauer und Trump dran. Auch Trump? Da sieht man es doch, alles nur Aberglaube! Den todesmutigsten Präsidenten aller Zeiten wird es sicher noch lange nicht erwischen.

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