https://www.faz.net/-gpf-8na6w

Fraktur : Hier stehe ich und kann ganz anders

Zwei Himmelhunde auf dem Weg zur Hölle: Bislang nur ein Albtraum Bild: Greg Palmer/Fotomontage

Was wäre die Welt doch für ein Paradies, wenn sich alle so respektvoll verhielten wie unsere Kirchenfürsten!

          2 Min.

          Die Ökumene auf ihrem steinigen Weg ist wahrlich schon viel weiter in der Welt herumgekommen, als man immer denkt. Jüngstes Beispiel dafür war die Pilgerreise der beiden höchsten deutschen Kirchenmänner und anderer geistlicher Würdenträger aus beiden Konfessionen ins Heilige Land. Dort betete man gemeinsam, planschte im See Genezareth und trank zusammen – nur nicht beim Abendmahl – Rotwein. Doch die Überwindung der Kirchenspaltung, das muss dem Genius Loci zu verdanken sein, ging noch viel weiter: Heinrich Bedford-Strohm und Reinhard Kardinal Marx legten in brüderlicher Übereinkunft auch noch synchron ihre Bischofskreuze ab, bevor sie in Jerusalem den Felsendom betraten und zur Klagemauer schritten. Das habe man „aus Respekt vor den Gastgebern“ getan, gab Bedford-Strohm später zu Protokoll, als an dieser Kreuzabnahme herumgemosert wurde, von wegen Verleugnung, Unterwerfung und so, und das schon, bevor der Hahn auch nur zum ersten Mal gekräht hatte.

          Ja Himmelherrgottsakrament, will man da den Kritikern zurufen, seid doch nicht so hoffnungslos bekenntnisfixiert! Wer erinnert sich denn noch daran, dass vor fünfhundert Jahren einer mal gesagt hat: Hier stehe ich und kann nicht anders! Es ist doch gerade der jetzt in Jerusalem so vorbildlich vorgelebte Respekt, der im heutigen Diesseits am meisten fehlt. Was wäre die Welt für ein paradiesischer Ort, wenn sich alle Gäste dem Gastgeber gegenüber so respektvoll verhielten wie unsere Kirchenfürsten, also etwa auch die Russen in der Ost-Ukraine und die arabischen Clans in Neukölln!

          Die sollten sich alle mal eine Scheibe von den Latinos in den Vereinigten Staaten abschneiden, von denen erstaunlich viele für Trump stimmten, was allenfalls aus Respekt vor dessen Frauenbild geschehen sein kann. Aber auch Deutschland entdeckt, seit der Schock nachlässt, lauter respektable Gründe dafür, dass die Amerikaner eigentlich nur Trump wählen konnten: Der schaut dem Volk aufs Maul, mischt diese korrupte Mischpoke in Politik und Medien auf (die Wirtschaft haben wir aus dieser Aufzählung aus naheliegenden Gründen wieder gestrichen), will ein gutes Verhältnis zu Russland und gibt der Merkel Saures. Eigentlich wäre er also der ideale Bundespräsident – von dem Hasen, den er als First Lady mitbrächte, ganz zu schweigen. Aber natürlich ist die Ausstattung unseres Topjobs viel schlechter; der Mann im Bellevue hat ja nicht mal Atomraketen. Der im Weißen Haus freilich schon, was Steinmeier hätte bedenken sollen, bevor er sich zu dieser Respektlosigkeit hinreißen ließ, die für ihn vollkommen untypisch ist; Putin, den anderen Himmelhund unserer Zeit, nannte er jedenfalls noch nie einen „Hassprediger“.

          Doch möglicherweise befürchtete unser Außenminister, dass Trump sich nach der unvermeidlichen Niederlage gegen Clinton seiner deutschen Wurzeln besinnen und auf der Suche nach einer neuen Aufgabe hierzulande zu einem Konkurrenten um das höchste Amt werden könnte. So beliebt wie Trump jetzt bei jenen in Deutschland ist, die Steinmeier für die deutsche Hillary halten, also das letzte Aufgebot des Establishments gegen den Ansturm der Wutbürger, wäre er ein ernstzunehmender Gegner gewesen. Da ist es so, wie es gekommen ist, natürlich viel besser. Sollte Steinmeier Bundespräsident werden, wird auch die Sache mit dem Hassprediger bei einem Whiskey vor dem Kamin wieder aus der Welt zu schaffen sein. Dann müsste er bei seinem Antrittsbesuch in Washington seinem Gastgeber nur erklären, dass das auch nur so bedeutungsloses Männergequatsche war wie Trumps Prahlerei aus tausendundeiner Nacht, wohin ein respektabler Hecht wie er den Frauen fassen dürfe – und das schon, bevor er Zugang zum Oval Office bekam, das ja schon vor langer Zeit zum Büro der unbegrenzten Möglichkeiten wurde, was wir Bill Clinton nicht vergessen wollen.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Das britische Unterhaus am Dienstag Abend

          Johnson-Zeitplan abgelehnt : Brexit zum 31.Oktober nahezu ausgeschlossen

          Das britische Parlament hat den Gesetzesrahmen für den Brexit-Deal im Grundsatz gebilligt. Unmittelbar nach diesem Zwischenerfolg lehnte das Unterhaus jedoch den Zeitplan von Boris Johnson ab. EU-Ratspräsident Tust will eine Verlängerung der Brexit-Frist empfehlen.
          Mal wieder Münchner Mitarbeiter des Abends: Robert Lewandowski

          3:2 in Piräus : Bayern retten sich ins Ziel

          Die Bayern geraten bei Olympiakos Piräus früh in Rückstand und unter Druck – aber auf Torjäger Lewandowski ist Verlass. Für die Münchner Abwehr gilt das beim 3:2-Sieg schon wieder nicht.
          Kurze und höchst umstrittene Amtszeit: Stefan Jagsch spricht vor dem Gemeinschaftshaus in Altenstadt-Waldsiedlung.

          Nur einen Monat im Amt : NPD-Ortsvorsteher nach Eklat abgewählt

          Die Wahl eines NPD-Parteimitglieds zum Ortsvorsteher im hessischen Ort Altenstadt hatte bundesweit für Empörung gesorgt. Nun wurde Stefan Jagsch wieder abgewählt. Er fechtet die Entscheidung an – und versammelt einige Unterstützer hinter sich.

          AKK-Vorstoß : Gezielte Überrumpelung

          Annegret Kramp-Karrenbauer hat den Koalitionspartner mit ihrem Syrien-Vorstoß schwer düpiert. Jetzt muss sie ihre Idee so seriös weiterentwickeln, dass sie dem Vorwurf entgeht, es sei ihr nur um die eigene Profilierung gegangen.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.