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Wie der Mops im Paletot: Es gibt auch glückliche Ministerinnen. Bild: Wilhelm Busch

Fraktur : Glückskeks von der Post

Der Glücksatlas beweist es: Immerhin in Thüringen herrscht schon eine Mordsstimmung.

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          Schon den neuen Glücksatlas der Deutschen Post gesehen? Der listet nicht etwa detailliert die Regionen auf, in denen man sich noch einer regelmäßigen Briefzustellung erfreuen kann. Nein, diese Topographie der Glückseligkeit informiert uns Jahr für Jahr darüber, wie zufrieden die Deutschen mit sich und ihrem Leben sind. Diesmal vermeldet die Post nichts weniger als eine Sensation: Die Deutschen sind so glücklich wie seit 1989 nicht mehr! Und wem hat der Index seinen Freudensprung zu verdanken? Den Franken, die sogar die weißbierseligen Besatzer aus Altbayern überholt haben!

          Angeblich soll der gesamtdeutsche Durchschnitt aber auch noch von unerklärlich hohen Werten im Osten in die Höhe getrieben worden sein, wo ausweislich auch dieser Untersuchung immer noch am nachhaltigsten Trübsal geblasen wird. Zum 30. Jahrestag des Mauerfalls kommt da so ein Glückskeks aus der Statistikabteilung der Post wie gerufen. Ein besseres Timing hätte selbst die SED nicht hinbekommen. Und so langsam muss ja wirklich etwas dagegen unternommen werden, dass der 9. November im Osten zum Wir-sind-das- Volkstrauertag wird.

          Im Falle Brandenburgs, des ewigen roten Schlusslichts auf der Glücksskala, ist wohl nichts mehr zu machen. Die Brandenburger müssen Watzlawicks „Anleitung zum Unglücklichsein“ nach der Wende offenbar so wörtlich genommen haben wie davor die Schriften von Marx und Lenin. Doch immerhin Thüringen soll nun fast schon so gut drauf sein wie Teile Nordrhein-Westfalens. In einem Land, in dem mehr als die Hälfte der Wähler für die Linkspartei und die AfD stimmt, muss ja eine Mordsstimmung herrschen. Die Linkspartei hadert zwar immer noch damit, dass es die DDR nicht mehr gibt und man auf den Länderfinanzausgleich vom einstigen Klassenfeind aus dem Westen angewiesen ist. Aber sie hält sich mit zusammengebissenen Zähnen an die revolutionäre Erkenntnis aus der „Fledermaus“: Glücklich ist, wer vergisst, was doch nicht zu ändern ist.

          Wenn das nur auch die Angehörigen der großen Koalition in Berlin beherzigten! Versuchte man deren Glück zu kartographieren, dann sähe das Ergebnis aus wie eine Kohlezeichnung der dunklen Seite des Mondes. Einen hellen Fleck gäbe es freilich darauf: Er würde den Standort von Frau Dr. rüg. Giffey kennzeichnen. Die Familienministerin ist seit dem Gnadenakt der FU Berlin so glücklich und so froh wie der Mops im Paletot.

          Erst kein Glück, und dann noch Pech dazu

          Glück im Unglück hatte auch Peter Altmaier. Der hätte schließlich nicht nur von einer Bühne fallen können, sondern bei seinem Kollegen Maas so in Ungnade wie AKK. Dann hätte er nicht nur ausgesehen wie von Muhammad Ali verprügelt, sondern wie vom wilden Affen gebissen.

          Für den Rest der Union aber gilt der alte Wegmann-Satz: Zuerst hatten wir kein Glück (die FDP lief weg), und dann kam auch noch Pech dazu (die SPD nicht). Von wegen, das Glück sei ein Rindvieh und suche seinesgleichen! Diese Regierung beweist, dass nicht jedes Sprichwort zutrifft. Das einzige, was die schwarz-rote Koalition wirklich noch verbindet, ist der niedrige Serotoninspiegel. Sie wird doch hauptsächlich von der Angst zusammengehalten, das Leben ohne Fahrer und Sekretärin bewältigen zu müssen. Trautes Heim, Glück allein – so ein Blödsinn. Wie viele Politikerehen gingen in die Brüche, als das Mandat weg und der Mann den ganzen Tag wieder da war!

          Ja, ja, Glück und Glas, wie oft bricht das. Doch was schwarz auf weiß in einem Atlas steht, kann man getrost nach Hause tragen. Allzu viel sollten wir uns auf unsere Glückswerte jedoch nicht einbilden. Im europäischen Glücksranking liegen wir Deutsche nur auf dem zehnten Rang. Unangefochtener Spitzenreiter ist seit Jahrzehnten Dänemark, dem freilich auch eine Wiedervereinigung erspart blieb. Sollten wir alle vielleicht etwas dänischer werden? Bitte dabei nicht übertreiben! Auch im Glücksfanatismus stecken ziemliche Gefahren. Wohin der blinde „pursuit of happiness“ führen kann, sieht man ja in Amerika: zu Trump. Und dann weiß man: Auch dem Unglücklichen schlägt keine Stunde.

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