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Fraktur : Gaul ohne Unterleib

Hengst oder Wallach? Das lässt sich bei einem Gaul ohne Unterleib schwer sagen. Bild: Wilhellm Busch

Auch in der Union ist das Leben einfach kein Ponyhof.

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          Ob es an der Verbreitung der veganen Kost liegt, dass Tiervergleiche aus der Mode gekommen sind? Nicht einmal der bekannte Phylogenetiker Höcke von der AfD ließ sich zu der Äußerung hinreißen, der Neger sei spitz wie Nachbars Lumpi. Er sprach lieber davon, dass „der lebensbejahende afrikanische Ausbreitungstyp auf den europäischen Platzhaltertyp“ treffe, was eine grundsätzliche Neuausrichtung der Asyl- und Einwanderungspolitik verlange. Das musste ja zu Fehldeutungen führen. Hätte er das Ganze doch am Beispiel der Bienen erklärt! Oder noch besser mit Hilfe unserer Eichhörnchen, die von den amerikanischen (!) Grauhörnchen verdrängt werden. Diese Yankee-Imperialisten sind viel wanderfreudiger als die rotbraunen Platzhaltereichkatzen und verfolgen bei der Reproduktion außerdem die r-Strategie. In unseren Parks kann man schon sehen, welch grauer Zukunft dieses Land entgegengeht.

          Mehr Mut also zum Tiervergleich! Und das sagen wir jetzt nicht nur, weil der Papst die Katholiken mit den Karnickeln verglichen hat. Es wird einfach oft viel schneller klar, wer und was gemeint ist. Als der SPD-Kämpe Machnig auf dem Parteitag von einer „dummen Pute“ sprach, wussten alle Umstehenden sofort, dass er die Juso-Vorsitzende meinte. Keiner wäre in diesem Moment auf den Gedanken gekommen, er rede vom seinem Weihnachtsessen - obwohl dieser (schon wieder amerikanische!) Teufelsbraten eindeutig auch ein Ausbreitungstyp ist, der die christlich-abendländische Weihnachtsgans zunehmend aus dem deutschen Bratrohr verdrängt.

          Oder nehmen wir den Satz des „Handelsblatt“-Herausgebers Steingart, der so oft Werbung für unser Blatt machte, dass wir ihn auch einmal lobend erwähnen müssen; es steht schließlich das Fest der Liebe vor der Tür. Er schrieb über das Verhältnis von Merkel und Seehofer: „Wäre die Union ein Pferdegestüt, wäre sie der Leithengst und er der Wallach.“ Zum Glück für die Union gilt: Wäre, wäre, Fahrradfähre. Denn einem Gestüt mit einem weiblichen Deckhengst stünde keine große Zukunft bevor. Doch dank diesem unvergleichlichen Vergleich versteht auch der Fachfremde sofort, dass das Leben in der Union kein Ponyhof ist. Denn natürlich stellt man(n) sich sofort die Frage, wer denn den Wallach kastriert hat. Der Leithengst? Die Fohlen in der CSU waren es jedenfalls nicht.

          Nicht immer beantwortet der Bezug auf Brehms Tierleben also gleich alle Fragen. Wer soll zum Beispiel das Ross sein, von dem man jedes Jahr zu Weihnachten jedenfalls hinten links in unserer Kirche hört, dass es entsprungen sei? Im Stall von Bethlehem standen der Überlieferung nach ja tatsächlich nur noch Ochs und Esel. War der Gaul ein Leithengst oder nur ein Wallach? Galoppierte er mutig wie die Bundeskanzlerin mit fliegender Mähne der Herde voraus, oder trabte er nur lahm wie ein gelegter Platzhaltertyp davon, weil ihm zu viel fremdes Volk in der Stallung war? Die Weihnachtsgeschichte bietet in Verbindung mit aktueller christlich-demokratischer Politik doch noch immer reichlich Stoff zum Nachdenken. Auch in diesem Sinne wünschen wir allen klugen Köpfen ein frohes Fest!

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