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Schau wia i schau: Was die Politik vom Hund lernen könnte Bild: Wenzel

Fraktur : Ganz nach seiner Pfeife

Warum nur schauen sich unsere Politiker nicht mehr vom Hund ab?

          Es ist doch immer wieder schön, wenn die Wissenschaft Dinge herausfindet, die wir längst schon ahnten. Zum Beispiel jetzt die Sache mit den Augenlidern unseres Hundes. Dass der nicht nur eindrucksvoll das Bein heben kann, war nun wirklich keine Neuigkeit mehr. Unser Vierbeiner hat auch noch andere Nummern drauf, wenn er uns manipulieren will. Zum Beispiel genügt bereits ein Wink mit der Schnauze hin zur Dose mit den Leckerlis. Oder ein Brummen, wenn die Wolldecke noch nicht auf dem Sofa liegt, obwohl das Fußballspiel schon angefangen hat. Das blanke Leder ist ihm einfach zu kühl, uns geht’s ja nicht anders.

          Den gebrummten Befehlen mag man sich eine Weile widersetzen können. Aber gänzlich gefügig macht der Hund im Haus den Herrn mit seinem Blick. Der sagt mehr als tausend Wuffwuffs. Selbst in den Augen des struppigsten Köters findet sich alles, was man bei den Menschen so oft vergeblich sucht: Treue, Dankbarkeit, Liebe, eine Seele – und Verständnis für einfach alles. Da kann selbst eine Kuh nicht mithalten. Na gut, manchmal blitzt in den Äuglein auch ein Vorwurf auf, etwa weil es schon wieder nur diesen Trockenfraß gibt. Aber dann teilt man sich eben eine Frikadelle, und die kleine Unstimmigkeit wird mit einem Schwanzwedeln vom Tisch gewischt, bei großer Freude (große Frikadelle) zusammen mit dem Weinglas. Übrigens ist die gemeinsam genossene Kost, das haben weitere Forschungen ergeben, der Hauptgrund dafür, dass Herr und Hund sich im Laufe ihres Lebens auch äußerlich immer ähnlicher werden.

          Der Hund hat, seit er sich an unser Lagerfeuer heranrobbte, so gut gelernt, uns Menschen nach seiner Pfeife tanzen zu lassen, dass man sich fragen muss, warum die Politiker sich nicht mehr von ihm abschauen. Wie viel leichter hätte es jetzt etwa AKK, wenn sie den Augenaufschlag des Labradors beherrschte! Wer wie die Kanzlerin unter einer Kynophobie leidet (nicht zu verwechseln mit der Kühnertphobie in der SPD), tut sich damit natürlich schwer. Aber um sich in der Kunst der Hundemimikry zu üben, muss man die Viecher ja nicht unbedingt kraulen. Die Erkenntnisse über die Magie des Hundeblicks legen nahe: Wer ihn imitieren will, sollte versuchen, zu schauen wie ein Kind, also etwa wie Greta. Doch aufgepasst, ihr abgehalfterten CDU-Twitterer: Es reicht nicht, in den sozialen Medien auf kindisch zu machen. Es kommt darauf an, wie man aus der Wäsche blickt.

          Das ist gar nicht so leicht, wie mehrere Fehlversuche in der Politik zeigen. Gerhard Schröder gelang aber immerhin ein wölfisches Grinsen, das sich bestimmt immer noch in sein Gesicht schleicht, wenn der neueste Scheck aus Moskau eintrifft. Seine Nachnachnachnachnachnachnachfolgerin Nahles versuchte gar, mit den Wölfen in der SPD zu heulen. Das klang freilich so, als habe ein Kojote das Pippi-Langstrumpf-Lied singen wollen.

          Apropos: Wie hat es der Wolf nur geschafft, bei den Deutschen wieder so beliebt zu werden, obwohl er da, wo unser Hund den Augenwinkelhebermuskelstrang eines Bodybuilders hat, nur über schlaffes Bindegewebe verfügt wie Karl Dall? Die Zeiten sind noch nicht lange her, da war der Mensch auch dem Wolf ein Wolf. Und Integrationswillen zeigt dieser Zuwanderer immer noch nicht. Doch scheint der Deutsche immer feuchte Augen zu bekommen, wenn ihn aus dem Fernseher heraus ein edler Wilder anschaut, ohne auch nur einmal mit der Wimper zu zucken.

          Unser Hund freilich, obwohl durchaus ein Fan von Tierfilmen, macht für diesen Anblick nicht einmal ein Auge auf. Sein Ahn ist für ihn ein Versager, der den sozialen Aufstieg nicht geschafft hat und sich sein Fressen daher immer noch auf stinkenden Schafweiden holen muss – wo man es doch auch im Edelstahlgeschirr serviert bekommen kann, längst auch schon glutenfrei und vollvegan. Und immer pünktlich zur selben Uhrzeit, denn Canis lupus familiaris ist ein Gewohnheitstier. Nur fünf Minuten zu spät – und unser Hund hebt angesichts solchen Serviceversagens die Augenbraue wie Butler Thomas in „Der kleine Lord“. Also, manchmal ist es schon anstrengend, es dem Herrn Hund recht zu machen. Aber dann schaut er einen an wie der Monaco Franze, und man meint auch ihn sagen zu hören: „Spatzl, schau wia i schau!“. Und dann haben wir Augen nur noch für ihn.

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