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Fraktur : Frauen durch die Decke

Hoffentlich ohne Risse: Die gläserne Decke im Bundestag Bild: Getty

Wann wird sich die gesellschaftliche Realität endlich auch in der deutschen Politik widerspiegeln?

          Die Philosophin Beate Rössler setzte sich unlängst im Deutschlandfunk mit dem naheliegenden Einwand auseinander, dass mit der neuen CDU-Generalsekretärin Kramp-Karrenbauer „nur wieder die traditionelle Hetero-Frau eine Chance bekommen hat und dies die Diskriminierung von sexuellen Minderheiten nur verstärkt“. Frau Rössler warb gleichwohl dafür, sich über die Personalie Kramp-Karrenbauer zu freuen, schließlich zeige sie, dass die Übernahme politischer Ämter durch Frauen „beinahe selbstverständlich“ geworden sei und langsam „Risse in der gläsernen Decke“ entstehen würden. Das ist eine gewagte These – man muss nur in den Berliner Reichstag blicken mit seiner unerreichbar hohen Glaskuppel, die bisher noch alle Frauen am Boden gehalten hat. Die Bundeskanzlerin zum Beispiel. Oder die Oppositionsführerin. Oder erst die bisherige Kronprinzesssin, Frau von der Leyen! Nur die Vorsitzende der AfD-Fraktion, die hochgewachsene Frau Weidel, könnte vielleicht ... Aber die stößt sich ja an allem.

          Jochen Buchsteiner

          Politischer Korrespondent in London.

          Wie viel des Weges noch vor den Frauen liegt, lässt sich am besten im Heimatland des Glaskuppelbauers, des Briten Norman Foster, studieren. Setzt man zum Beispiel die Anführer der fünf schottischen Parlamentsparteien um einen Tisch, fällt sofort auf, dass die Liberaldemokraten von Herrn Rennie geführt werden. Die Leaders der anderen Parteien, Frau Sturgeon (SNP), Frau Dugdale (Labour), Frau Davidson (Conservative Party) und Frau Chapman (Greens) mögen sich damit trösten, dass Herr Rennie die kleinste Fraktion im Parlament unter sich hat, aber trotzdem fragen sie zurecht: Ist es nicht höchste Zeit für die schottischen Liberaldemokraten, einer Frau die Chance zu geben und die gesellschaftliche Wirklichkeit endlich auch im Parlament widerzuspiegeln?

          In Nordirland ist die Lage auf andere Weise prekär. Traditionell werden dort nicht nur Glasdecken, sondern auch Zwischendecken, wenn nicht ganze Deckungen weggesprengt, weshalb es für Frau Foster und Frau O’Neill etwas leichter war, die Macht in den zwei größten Parteien zu erobern. Aber seit die beiden Frauen die Geschicke Nordirlands lenken (letztere mit Hilfe der neuen Präsidentin der Sinn Fein, Frau McDonald), zeigen sich Risse in ihrer Koalition; sie ist seit 14 Monaten arbeitsunfähig. Frau Foster forderte jetzt die Regierung in London auf, „direct rule“ über Nordirland zu übernehmen, also gewissermaßen durch die Decke durch zu regieren.

          Das kann nur in Downing Street entschieden werden, von Frau May. Deren langjährige Nordirland-Ministerin, Frau Villiers, ist leider nicht mehr im Amt, aber auch die Innenministerin, Frau Rudd, weiß, dass der nordirische Friedensprozess bis heute unter den Fehlern leidet, die in den achtziger Jahren gemacht wurden, unter Frau Thatcher. Dennoch: Wenn jetzt kein Mann dazwischenfunkt, kann eine gute Lösung gefunden werden. Sollte dafür ein Gesetz nötig sein, kommt das letzte Wort sowieso dem britischen Staatsoberhaupt zu: Königin Elisabeth II.

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