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Fraktur : Dumm-Dumm-Geschosse

Über so viel Dummheit kann man nur weinen: deutsch-amerikanischer Doppelagent bei der Arbeit. Bild: Wilhelm Busch

Wie blöd ist das denn: Aus der F.A.Z. hätte Obama doch tausendmal mehr erfahren können als von diesem Bonsai-Bond.

          Norbert Röttgen ist zwar nicht mehr Muttis Liebster, aber immer noch ihr Klügster. Seine Empfehlung, Deutschland solle nicht „auf die Dummheit der USA mit eigener Dummheit reagieren“, dürfte im Volk der Dichter und Denker absolut konsensfähig sein. Weil wir zudem eine Nation der Krämerseelen sind, wird auch Röttgens Einschätzung auf Zustimmung stoßen, dass es eine „Fehlinvestition“ wäre, wenn wir auf die amerikanische Rumschnüffelei mit Gegenspionage reagierten.

          Das ist nun wirklich eine hundertprozentige Weisheit. Für die 25.000 Euro, mit denen die CIA ihren Hilfsspion beim BND entlohnte, hätte Langley diese Zeitung fünfzig Jahre lang abonnieren und aus ihr tausendmal mehr erfahren können als von so einem Bonsai-Bond. Selbst der tüchtigste Agent kann ja nicht täglich unser ganzes Blatt abschreiben. So aber hat der amerikanische Präsident statt unserer schönen Seiten endlose Berichte voller Tippfehler auf dem Tisch. Und den Zores mit der Kanzlerin am Hals. Das war weder sehr ökonomisch noch sehr intelligent. Einer von Obamas Vorgängern würde an dieser Stelle sagen: It’s the economy, stupid! Auf Deutsch heißt das (wir danken Wolfgang Schäuble für die wunderbare Übersetzung): „Das ist so was von blöd, über so viel Dummheit kann man nur weinen.“

          Wir Deutsche sind da doch viel schlauer. Und kostenbewusster. Unser Geheimdienst zum Beispiel stellt bevorzugt Dumm-Dumm-Geschosse ein, die sich auch noch bei den Amerikanern und den Russen um eine Stelle als Doppel- oder Dreifachagenten bewerben – und zwar per E-Mail. Dieses Jobsharing verringert auf allen Seiten die Aufwendungen (der BND braucht dann nur noch den Mindestlohn zu zahlen, der Neubau war ja ziemlich teuer) und erhöht gleichzeitig die Transparenz in diesem immer noch etwas undurchsichtigen Geschäft. Wir erkennen da ein unglaublich großes Potential von noch zu hebenden Synergieeffekten. Da sollte man unbedingt mal Roland Berger ranlassen. Oder wenigstens Ursula von der Leyen, denn auch im Schlapphutbusiness muss dringend mehr für die Vereinbarkeit von Familie und Beruf getan werden.

          Eine Frage hat bisher aber auch unser Cleverle Röttgen nicht beantworten können, obwohl er dauernd in Washington ist: Was interessiert die Amerikaner bloß so brennend an uns? Wir sind zwar nicht blöd (selbst wenn Dobrindt eindeutig vom Gegenteil ausgeht), international gesehen aber doch inzwischen die Langweiler vom Dienst. Blitzkriege führen wir nur noch auf dem Fußballplatz, wenn auch nach wie vor mit demoralisierender Wirkung: Die Holländer haben das Elfmeterschießen gegen Argentinien doch mit Absicht verloren, damit sie am Sonntag nicht gegen uns antreten müssen.

          Doch was nutzte es den Amis im Spiel gegen uns, dass die CIA dank einem Wanderer zwischen den Welten Löws Geheimnisse kennt? Was hilft es Hillary Clinton, nicht nur zu wissen, wer der Schneider von Panama ist, sondern auch, von wem Angela Merkel ihre Hosenanzüge bezieht? Was ist neu daran, dass für die deutsche (wie auch die amerikanische) Wirtschaft zuerst die Moral kommt, und der Profit nur kurz vor ihr?

          Das sind Fragen, die wir einfach einmal so stellen, weil es dumme Fragen ja bekanntlich nicht gibt, sondern nur dumme Antworten. Die aber können uns in dieser unerquicklichen Angelegenheit derzeit wirklich nur die Amerikaner geben.

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