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Fraktur : Doppelt oder nichts

Schäm dich! Bild: Wilhelm Busch

Wir wüssten schon, wen die SPD nehmen sollte: Harold and Maude alias Kevin und Gesine.

          Wir sind zwar nicht der „Vorwärts“. Dennoch möchten wir aus einem Gefühl der staatsbürgerlichen Solidarität heraus alle Sozialdemokraten daran erinnern, dass am Montag die Frist zu laufen beginnt, in der man sich für den Parteivorsitz bewerben kann. Bis Ende August sollten einfache SPD-Mitglieder also keinesfalls leichtfertig Papiere unterschreiben, die ihnen prominente Genossinnen und Genossen an der Haustür oder auf dem Wochenmarkt hinhalten, besonders dann nicht, wenn die dabei murmeln „Ist für einen guten Zweck“. Gleich danach würden die Führungskader nämlich „Wir haben einen!“ schreien und sofort nach einem zweiten Ahnungslosen suchen. Denn auch bei der SPD soll es an der Parteispitze künftig ja nur noch den Doppelpack geben, frei nach dem Motto „Doppelt gewählt hält besser“. Wenn doch Helmut Schmidt noch hätte erleben dürfen, dass die SPD ihr Heil in einem Doppelbeschluss sucht!

          Nach zwei Kandidaten zu fahnden, wenn sich nicht einmal einer findet, der keinen Zitteranfall bekommt, wenn er nur die Vorsilbe „Vor-“ hört, muss auf den ersten Blick nicht zwingend logisch erscheinen. Andererseits gilt: Geteilte Angst ist halbe Angst. Und gibt es nicht tolle Paare, die das Gelächter nicht fürchten? Wir erinnern nur an Abbott und Costello, Don Camillo und Peppone, Dick und Doof, Donald Trump und Kim Jong-un.

          Ein reines Männerteam ginge im modernen Deutschland natürlich nicht mehr. Auch sollten, wie früher bei den Grünen, ein Fundi und ein Realo zusammengespannt werden, damit es im Willy-Brandt-Haus endlich einmal wieder lebendig zugeht. Und natürlich wäre auch beim Alter eine maximale Spannweite anzustreben, der Generationengerechtigkeit halber.

          Kluge Köpfe wissen jetzt natürlich schon, welches Paar uns am meisten elektrisieren würde: Gesine und Kevin. Schwan ziert sich, wie sich das für eine große alte Dame gehört, noch ein bisschen. Und Kühnert muss erst noch seine Eltern fragen (was er besser auch getan hätte, bevor er die Verstaatlichung von BMW forderte – oder sollte sein Vater Opel fahren?). Doch was wäre das für ein Tandem: Harold and Maude in SPD-Rot! Verglichen mit ihnen sähen die Grünen Habeck und Baerbock, die jetzt allen den Verstand rauben, so farblos aus wie Karl Valentin und Liesl Karstadt.

          Wenn Kevin nach einem elterlichen Veto allein zu Haus bleiben müsste, hieße unser Ersatzdreamteam Sarrazin/Giffey. Giffey hätte damit gleich eine immerhin kurzfristige Anschlussverwendung, wenn ihr der Doktorgrad und das Ministeramt entzogen wird. Und gegen Sarrazin läuft sogar schon ein Parteiausschlussverfahren; die SPD müsste also auch in seinem Fall nicht befürchten, dass er ungewöhnlich lange Kovorsitzender bliebe.

          Angesichts dieser Konkurrenzlage könnte dann aber auch die CDU nicht mehr bei ihrem unzeitgemäßen „Es kann nur eine geben“ bleiben. Friedrich Merz an die Seite von Annegret Kramp-Karrenbauer zu stellen würde jetzt nicht mehr genügen. Warum aber nicht Philipp Amthor? Der sieht fast schon aus wie Merz, ist aber deutlich jünger. Für eine Übergangszeit würden auch die christlich-demokratischen Ausgaben von Statler und Waldorf, also Bosbach und Polenz, die Wählerschaft der CDU rocken, die ja im Durchschnitt ebenfalls schon etwas älter ist. Bitte halten Sie das jetzt nicht für eine Doppelspitze von uns. Älteren weißen Männern nötigt es im Gegenteil hohen Respekt ab, wenn noch ältere weiße Männer immer noch so viel zu sagen haben. Besonders Polenz ist der lebende Beweis dafür, dass man auch im Alter ein erfülltes Digitalleben haben kann.

          Oder man paart, in Gedenken an Pat und Patachon, Steinbrück und Blüm. An eine parteiübergreifende Tandem-Lösung hat zwar selbst bei den experimentierfreudigen Sozialdemokraten noch niemand gedacht. Aber vielleicht ist ein Transfer oder eine Ausleihe wie im Profifußball ja grundsätzlich eine Variante in einer Zeit, in der sich die Volksparteien in Größe und Programm immer ähnlicher werden und keiner mehr allein Parteivorsitzender werden will. Die CDU sollte bloß nicht glauben, dieses Schicksal bliebe ihr erspart. Spätestens, wenn Jens Spahn pensioniert ist, wird es auch für sie heißen: doppelt oder nichts.

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