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Fraktur - Die Sprachglosse : Was erlauben Seehofer!

Als die Journalisten noch artig waren: Eine Pressekonferenz ganz nach der Vorstellung der CSU Bild: Zeichnung Wilhelm Busch

Bitte keine Schmutzeleien: Bösartig sind wir nicht, artig aber auch nicht. Eine Antwort auf die Medienschelte des CSU-Vorsitzenden.

          Sehr geehrter Herr Seehofer,

          alle Achtung, wie Sie diesen Spezlhaufen namens CSU wieder auf Vordermann bringen. Und das ganz ohne Mitarbeit Ihrer Frau, Ihres Schwagers, Ihrer Kinder et cetera. Stoiber konnte ohne seine Gattin ja nicht einmal eine Blume im eigenen Garten hinrichten. Ihnen aber ist sogar das Aufräumen in Ihrer Partei noch nicht genug. Sie haben sich jetzt auch noch eine Branche vorgenommen, die fast so verlottert ist wie die Politik, den Journalismus. Ihre Standpauke war, unter uns gesagt, auch überfällig; jedenfalls der Teil, der das öffentlich-rechtliche Fernsehen betraf.

          Da sagen Sie denen, dass die alles senden dürfen, wirklich alles. Und was tun diese Gebührenritter? Die nehmen das für bare Münze. Dabei sagten Sie doch ausdrücklich, dass die senden dürfen, was Sie sagten, und nicht, was die sich ausgedacht haben. All diese Milliarden jedes Jahr, persönliche Telefonfürsorge durch Ihren Pressesprecher - und dann rufen die nicht einmal beim Dobrindt an, der ihnen so schön hätte erklären können, wie die CSU wirklich ist. Wie sagt man in solchen Fällen in München: Was erlauben Kleber! Der hätte sich ja auch ein Beispiel an seinem Ex-Kollegen Seibert nehmen können, der jetzt nur noch genau das sagt, was die Kanzlerin hören will.

          Und dann unsere Sonntagszeitung. Wirft einfach so die Frage auf, wie es sein kann, dass Sie von der Verwandtenwirtschaft um Sie herum gar nichts gewusst haben, wo doch die CSU eine einzige große Familie ist, wie man jetzt wieder sieht. „Bösartig“ sei das gewesen, sagen Sie. Hier muss ich Ihnen ausnahmsweise einmal widersprechen. Das ist eindeutig eine Schmutzelei von Ihrer Seite, da ist wohl der Söder mit Ihnen durchgegangen. Aber artig, das gebe ich zu, sind die Redakteure unseres Sonntagsblatts in der Tat nicht. Sie müssten inzwischen ja wissen, was für Freigeister wir beschäftigen. Die tauften Sie „Crazy Horst“, was Sie hoffentlich als Kompliment begreifen. Schließlich war „Crazy Horse“ ein berühmter Indianerhäuptling, der es der 7. Kavallerie so richtig zeigte; erzählen Sie das nur mal dem Herrn Steinbrück, der wird starr vor Schreck.

          Derart vorgewarnt hätte es Sie eigentlich nicht wundern dürfen, dass unsere Leute sich wunderten, dass Sie die Frau Ihres Fraktionsvorsitzenden offenbar nicht ein einziges Mal gefragt haben (nicht einmal auf dem Nockherberg), was sie denn beruflich so mache. Auf eine solche Idee kann man wirklich nur in Frankfurt kommen. So etwas fragt man im artigen Bayern nicht; man weiß es.

          Wir aber wissen in jedem Fall Ihr Interesse an gründlicher Recherche, das aus Ihren Einwendungen spricht, sehr zu schätzen. Ich freue mich, Ihnen versichern zu können, dass wir uns in dieser Disziplin auch mit Blick auf die CSU künftig noch größere Mühe geben werden, und verbleibe mit freundlichen Grüßen

          Ihr bko.

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