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Fraktur - Die Sprachglosse : Tiefer Staat

Deutschland, einig Dönerland! Bild: Wonge Bergmann

Ein Integrationsslogan tut not, sagt Frau Öney. Sie weiß gar nicht, wie recht sie hat. Die bittere Wahrheit zeigt sich, wie immer, auf dem Fußballplatz.

          Ein toller Slogan, das weiß niemand so gut wie diese Zeitung, ist die halbe Miete. Deshalb lässt die baden-württembergische Einwanderungsministerin jetzt die Bürger ihres Landes nach einem (deutschen!) Spruch suchen, der noch dem stolzesten Türken bewusst macht, dass er schon immer lieber Schwabe sein wollte. Frau Öney warf, um das multikulturelle Brainstorming in Gang zu bringen, das schöne Bild vom tiefen Staat in die hohe Debatte. Ein integrationspolitischer Volltreffer! Damit punktete sie bei gebildeten autochthonen Deutschen, die sogleich an Kant, Hegel und Linda Lovelace denken mussten. Wer will schon in einem flachen Staat, gewissermaßen in einer Staatspfütze, leben?

          Den Allochthonen verschaffte die Ministerin mit dem vertrauten Wort das warme Gefühl, dass es hierzulande auch nicht anders zugehe als in der alten Heimat. Ihr deshalb den amtlichen Gebrauch des Türkischen zu verbieten ist wirklich unerhört, Herr Kretschmann. Wo Frau Öney, die sich auch so schon verfolgt fühlt, doch nur sagen wollte: Willkommen daheim! Das hätten auch jene ahnen können, die entschieden für die Aufnahme der Türkei in die EU sind, derartige Vergleiche mit ihr aber empört zurückweisen. Wie lautet doch der offenbar immer noch zutreffende, leider aber schon von der Vorgängerregierung erfundene Wahlspruch Baden-Württembergs? Wir können alles außer Hochdeutsch.

          Dass ein Integrationsslogan wirklich nottut, zeigt gerade die Fußball-Europameisterschaft. Beim sogenannten Singen der Nationalhymne fällt immer wieder auf, dass sie nicht nur für Sarah Connor, sondern auch für unsere Muster-Integrierten Boateng, Khedira und Özil einfach zu sperrig ist. Wären unsere Abwehrreihen doch immer so fest geschlossen wie Özils Lippen beim Deutschlandlied! Natürlich könnten unsere Stars mit Migrationshintergrund einfach die ersten Paragraphen der Straßenverkehrsordnung heruntermurmeln, das merkt ja auch bei Müller und Badstuber keiner. Man stelle sich aber vor, welche belebende Wirkung es auf die Einbürgerungsstatistik hätte, wenn die neuen deutschen Helden, die uns vom Rumpelfußball befreiten, vor dem Spiel ausriefen: Integration gut, alles gut! Oder: Deutschland, einig Dönerland! Doch wollen und müssen wir Frau Öneys Wettbewerb nicht vorgreifen. Schließlich gibt es auch in Baden-Württemberg reichlich Leser dieser Zeitung.

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