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Fraktur - Die Sprachglosse : So wahr ihm Gott helfe

In Teufels Küche: Heilige Eide und ihre gelegentlichen Folgen Bild: Wilhelm Busch

Schwören ist wieder schwer in Mode. Doch schon die Bergpredigt empfiehlt, auf heilige Eide lieber zu verzichten. Das gilt vermutlich auch für eidesstattliche Erklärungen.

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          Das Schwören ist wieder schwer in Mode, und das nicht nur bei den braven Christenmenschen, die jetzt in Bayern auf Vaterland und König Horst vereidigt worden sind. Nein, auch in jugendlichen Kreisen, selbst in solchen mit Migrationshintergrund, hört man die Formel wieder regelmäßig, zum Beispiel so: „Voll fett, die Alte, ich schwör!“ Dabei heißt es doch schon in der Bergpredigt, dass man lieber nicht schwören sollte, „weder beim Himmel, denn er ist Gottes Thron, noch bei der Erde, denn sie ist der Schemel für seine Füße, noch bei Jerusalem, denn es ist die Stadt des großen Königs“ (Matthäus 5, 34–35).

          Auf unsere heutigen Verhältnisse übertragen bedeutet das: Man soll auch nicht bei Limburg schwören, der Stadt des großen Baumeisters, und am besten nicht einmal Erklärungen an Eides statt abgeben, weil heutzutage ja jeder Schmierfink ein Handy dabei hat, mit dem sich beweisen lässt, was einer wirklich sagte. Old Schwurhand könnte, wenn er noch lebte, ein Lied davon singen, dass man sogar schon als Politiker, der ja quasi von Amts wegen gelegentlich lügen muss (siehe nur Jean-Claude Juncker), in Teufels Küche kommt, wenn man dabei erwischt wird, geflunkert zu haben, sei es beim Flughafenbauen oder auch nur beim Erster-Klasse-Fliegen. Auf keinen Fall sollte man, wenn man ganz selbstlos letztere Sünde begangen hat, um nicht zerknittert vor die armen Slumbewohner treten zu müssen, sagen: „Business sind wir geflogen!“ Denn wie steht es weiter bei Matthäus geschrieben: „Euer Ja sei ein Ja, euer Nein ein Nein; alles andere stammt vom Bösen.“

          Doch anscheinend fürchten sich heutzutage nicht einmal mehr ausgewiesene Fachleute für Theologie und Tiefbau vor dem Fegefeuer. Im Zeitalter der Energiewende wird die Hölle wohl zuerst als potentieller Lieferant für Fernwärme angesehen. Und selbst bescheidene Bischofshäuser müssen ja irgendwie beheizt werden.

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