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Fraktur - Die Sprachglosse : Schwein(e) gehabt

Sauzucht: Unter Vettern ist kein Schwein zu klein, manche Schweinerei aber einfach zu groß. Bild: Zeichnung Wilhelm Busch

Im Bayerischen Landtag gibt es endlich einmal eine schöne Sauerei. Und die soll jetzt zu groß sein?

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          Einer unserer Korrespondenten schickte uns einmal einen Artikel, der mit dem Satz anfing: Dänemark ist ein Schweineland. Der wurde natürlich nicht gedruckt, denn so etwas würden wir nicht einmal über Deutschland schreiben, obwohl es hier nur so von Schweinen wimmelt. 28,3 Millionen sind es im vergangenen Jahr gewesen, ganz ohne die importierten, die früher einmal ein Pferd waren. Und wer da nur an blasse Hybridschweine denkt, deren zusätzliche Koteletts in der Pfanne dann doch wieder verschwinden, hat keine Ahnung vom Rassenreichtum dieser Republik. Der deutsche Föderalismus - nicht alles an ihm ist schlecht - spiegelt sich auch in der Vielfalt seiner Schweine wider, man denke nur an das Göttinger Minischwein, das Bayerische Landschwein und das Schwäbisch-Hällische Schwein. Auf Sylt soll das Deutsche Edelschwein sehr beliebt sein.

          Und dann gibt es natürlich noch die unzähligen Säue, die jedes Jahr durch Berlin getrieben werden. Dafür ist kein Schwein zu klein, nicht einmal das aus Göttingen. Schweinereien werden in unserem Schweinesystem sehr schnell auf den Tisch gebracht, von Ausnahmen wie jenen, die ohnehin nur Fiktion gewesen sein sollen, einmal abgesehen. Doch selbst Wurstfabrikanten, die über den vielen Meisterfeiern ein paar Millionen Euro im Ausland vergessen hatten, kommt man auf die Spur, man hat es ja auch schon ahnen können: Rostbratwürstchen werden hauptsächlich aus Schweinefleisch gemacht.

          Über die müssen sich auch die Abgeordneten im Bayerischen Landtag infiziert haben, anders ist diese fette Vetternwirtschaft ja nicht zu erklären. Von wegen nur ein paar Schmutzeleien vom Söder: Seehofer muss einen ganzen Saustall ausmisten, gegen den die Rinderhaltung des Augias ein Bilderbuchbauernhof war. Politiker, die ihre Kinder auf Staatskosten haben schuften lassen! Männer, die ihre Frauen bezahlten! Hat man je von einer schöneren Schweinerei gehört?

          Der bayerischen Sozialdemokratie, die derart dürre Zeiten hinter sich hat, dass sie kaum noch weiß, wie ein Schweinsbraten schmeckt, muss nur so das Wasser im Munde zusammenlaufen. Doch was ist das? Die Generalsekretärin der Bayern-SPD, bisher ähnlich unbekannt wie ihr Vorsitzender, sagt allen Ernstes: „Die Schweinerei ist zu groß.“ Verdammte Sauzucht! Bloß weil sich unter den Ferkelchen der CSU auch ein paar von der SPD tummeln, wollen die Sozialdemokraten jetzt aus ihrer Wahlkampagne keinen „üblen Draufklopper“ machen, sondern nur ein kleines Schinkenklopfen. Schwein gehabt, CSU. Oder muss man in einem solchen Fall sagen: Schweine? Das Wahlvolk aber soll hier eindeutig um einen handfesten Skandal gebracht werden und weiter darben. Das ist doch die größte Sauerei von allen.

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