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Fraktur - Die Sprachglosse : Schulbuben

Einzigartig, wie Seehofer regel- und lehrbuchmäßig seine Schulbuben Söder, Friedrich und Ramsauer vorführt. Bild: Wilhelm Busch

Schulmeister Seehofer verteidigt sein Vorführmonopol. Risikoschüler Gabriel hält aber auch das für Quatsch.

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          Von wegen, die große Koalition sei nur ein anderer Name für die große Stagnation. Sie verwandelt das Land, noch bevor sie die Arbeit aufgenommen hat. Das kann man schon an kleinen Dingen erkennen. Früher, da hätten sie sich in München doch wiehernd auf die Lederhosen geschlagen, wenn ein Sozi wie der Gabriel im Fernsehen zur Schnecke gemacht worden wäre. Und hätten der Moderatorin sofort einen Parteimitgliedsausweis mit Goldstatus geschickt. Seit jedoch feststeht, dass man wieder mit denen von der anderen Feldpostnummer koalieren muss/darf, lacht sich die CSU nur noch heimlich scheckig über solche Szenen. Und gibt sich öffentlich entrüstet: Was erlauben Slomka!

          Kein Geringerer als der CSU-Chef und bayerische Ministerpräsident Seehofer griff zur Feder, um sich beim ZDF darüber zu beschweren, wie frau mit seinem künftigen Koalitionsspezi umgesprungen sei. Der SPD-Chef dürfe doch nicht im öffentlich-rechtlichen Fernsehen „wie ein Schulbub“ vorgeführt werden! Also wirklich, wo kämen wir da hin. Das schulbubengerechte Vorführen muss schon den gelernten Vorführern in der Politik vorbehalten bleiben. Und auch die sollten erst einmal vom Großmeister dieser Zunft lernen, was das für eine Kunst ist. Wie Seehofer regel- und lehrbuchmäßig seine Buben Söder, Friedrich und Ramsauer vorführt: einzigartig. Bei Glos hat er es auch probiert, aber der ist lieber vorzeitig von der Schule abgegangen. Er war ja auch schon Müllermeister.

          Doch wie kam es überhaupt dazu, dass an Seehofers Vorführmonopol gerüttelt wurde? Offenbar haben die Kollegen vom ZDF sein legendäres „Sie dürfen das alles senden!“ als Generalerlaubnis und als ein uneingeschränktes Bekenntnis zur Pressefreiheit missverstanden. „Alles senden“ heißt aber eindeutig nicht „alles fragen“. Hier deutet sich übrigens schon die Sollbruchstelle der großen Koalition an, nach der alle suchen. Gabriel, der sich offensichtlich erst nach Seehofers Intervention wie ein Schuljunge vorkam, was schließlich der Zweck derselben war, widersprach dem Oberlehrer aus München sofort: „Das darf sie alles.“ (Er meinte den „Quatsch“ und den „Blödsinn“, den Slomka ihm vorgeworfen hatte.) Sonst hätte es ja so ausgesehen, als könne er sich auf dem Schulhof nicht selbst gegen Anpöbeleien wehren.

          Offener Streit zwischen Seehofer und Gabriel noch vor Schulanfang! Und was sagt die Direktorin dieser intriganten Gesamtschule dazu? Wie immer nichts. Auch im Leerplan der großen Koalition sucht man vergeblich nach Lösungswegen für einen solchen Fall. Etwas Hoffnung lässt allein der neueste Pisa-Report aufkommen. Dort heißt es, Deutschlands Schulbuben machten Fortschritte, sogar die sogenannten Risikoschüler.

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