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Fraktur - Die Sprachglosse : Rums

Eindeutig: Da hat sich etwas auf einander zubewegt Bild: Daimler

Zwischen Union und SPD, sagt Andrea Nahles, hat es gerumst in den Koalitionsrunden. Klar, man hat sich ja auch aufeinander zubewegt. Aber hat es auch gemurkelt?

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          Wie unerquicklich Koalitionsverhandlungen sein können, spiegelt sich in den Bildern wider, mit denen sie beschrieben werden. Vom „zähen Ringen“ ist dann die Rede oder, was man sich bei den Protagonisten womöglich noch weniger gern vorstellt, vom „vorsichtigen Abtasten“. Eine muntere Metapher hat nun Andrea Nahles gefunden: Es habe „gerumst“ in den Runden.

          Jörg Thomann

          Redakteur im Ressort „Leben“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Da hört man wieder zu, da schaut man hin, und sei es als gaffender Katastrophentourist. Schwarzpulver in der (Friedens-)Pfeife, wie weiland bei Buschs Lehrer Lämpel, ist als rumsauslösendes Element auszuschließen, da die großen Pfeifenraucher der Politik – Struck, Kohl, Wehner – nicht am Tisch sitzen. Mithin ist von einem ordentlichen Zusammenstoß auszugehen, was auch die Worte Alexander Dobrindts bestätigen: „Da bewegt sich in der Tat einiges aufeinander zu.“ Eine mögliche Ursache hat Dobrindt schon zuvor benannt, als er feststellte, man sei „im Nebel unterwegs“.

          Zum Glück volkskaskoversichert

          Nahles („Ich fahre gerne schnell“) sagt, gelegentliches Gerumse sei normal, und da hat sie ganz recht angesichts der Tatsache, dass es 2012 auf deutschen Straßen 2,4 Millionen Mal gerumst hat. Zu wenig Sicherheitsabstand, Imponiergehabe, Sonntags- oder Geisterfahrer am Steuer: Die Ursachen sind dieselben wie in der großen Koalitionsrunde, die sich zudem durch einen vermutlich sehr engen „Einigungskorridor“ (Hannelore Kraft) bewegt, und das mit 77 Mann und reichlich Gepäck an Bord.

          Wenn es sich dann bei der Maut staut und ein mickriger Mindestlohn, gezielt fallengelassen, große Löcher aufreißt, dann rumst es halt. Zu ihrem Glück sind die künftigen Koalitionäre volkskaskoversichert.

          Nahles übrigens hat es in den Verhandlungen nicht nur „rumsen“, sondern auch „ruckeln“ gehört; allein „Die Welt“ meint, sie habe „murkeln“ gesagt. Was mögen die Kollegen oder vielleicht doch Nahles selbst da im Sinn gehabt haben: den üblichen Murks? Unsere Kanzlerin? Oder den kleinen Murkel, der im Berliner Jargon ein süßer Knirps ist, also das Gegenteil einer großen Koalition? Der Duden übersetzt „murkeln“ mit „zerbröseln“ – und wenn es so ist, dass alles, was Union und SPD in den Runden anpacken, ihnen in der Hand zerbröselt, dann sollten sie ihre Koalition besser mit lautem Rums platzen lassen.

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