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Fraktur - Die Sprachglosse : Nachts im Ministerium

Amtsschläfer im Durchgangsraum zum Sanitärbereich Bild: Zeichnung Wilhelm Busch

Die Anmahnung, die Amtsschläfer im Bundeskabinett sollten sich eine eigene Wohnung anmieten, ist nicht richtig angedacht. Anmerkungen zu einer Anmache.

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          Heutzutage mietet kein Mensch mehr eine Wohnung. Nein, das süße Heim wird, weil auch wir Deutsche das Recht auf eine Immobilienblase haben, auf Kredit gekauft. Oder allenfalls angemietet. Inhaltlich scheint das Hinzufügen der Vorsilbe „an-“ zwar keinen großen Unterschied zu machen. Aber wahrscheinlich kommt man mit einem angemieteten Penthouse einfach besser an beim anderen Geschlecht. Das ist in einer Angebergesellschaft wie der unsrigen überaus wichtig, weswegen wir keinen Anstoß an diesem Präfix nehmen wollen. Wir haben uns ja auch schon an viel weitreichendere Angleichungen gewöhnen müssen, seit wir das Gender Mainstreaming an der Backe haben.

          Es überrascht also nicht, dass jetzt auch die Linkspartei anfängt, sich Gedanken über das Anmieten zu machen. Das gehört zu ihrem Daseinszweck, schließlich ist der Veranmieter in aller Regel Kapitalist und die Gentrifizierung die größte Heimsuchung der Arbeiterklasse seit Bismarck. Doch in diesem Fall haut die Linkspartei die Anmieter in die Pfanne, was erst verständlich wird, wenn man sich ansieht, um wen es sich handelt. Um drei anmutige Ministerinnen und einen Minister, die meisten davon vom Lieblingsfeind gestellt, also der SPD. Diese Besserverdienenden wollen zum Entsetzen der Linkspartei partout keine eigene Butze in Berlin haben, sondern begnügen sich mit einem Feldbett hinter ihrem Schreibtisch. Oder, wie die ohnehin schmale Ursula von der Leyen, mit einer Pritsche im „Durchgangsraum zum Sanitärbereich“, also kurz vor dem Klo. Und das, hier kommt jetzt der Skandal, auch noch für lau. Nur den geldwerten Vorteil dieser luxuriösen Unterbringung müssen diese Anmietnomaden versteuern. Schlafschmarotzer! Obdachlose Politbonzen! Leute mit einem solchen „üppigen Salär“ sollten doch eine eigene Wohnung anmieten können, mahnt die Vorsitzende des Haushaltsausschusses, und zwar an.

          Auf den ersten Blick hat Gesine Lötzsch natürlich recht, schließlich schafft selbst sie das mit ihrer dürftigen, aber wenigstens steuerfreien Kostenpauschale. Doch hat sie auch angedacht, welche Vorteile es mit sich bringt, wenn die Ministerinnen und der Justizminister in ihren Amtsstuben nächtigen? Das spart schon mal den Nachtwächter, und der Fahrer muss auch nicht mehr so früh raus. Zudem kann Nico Hofmann mit „Nachts im Ministerium“ endlich eine deutsche Variante von „Nachts im Museum“ drehen, bevor er sich an das schon lang erwartete „Nachts im Präsidialamt“ heranwagt, das mit Sicherheit bessere Einschaltquoten haben wird als das Dokudrama über die stillen Tage im Bellevue.

          Wir würden es daher bedauern, wenn eine am Ende doch billige Anmache wie die von Frau Lötzsch unsere Amtsschläfer aus ihren Rückzugskammern vertriebe, die Mitglieder der Regierung An(!)gela Merkel nun wirklich brauchen. Selbst sie hat angeblich ein Klappsofa im Kanzleramt, das eines Tages einmal ein schönes Andenken an ihre Amtszeit abgeben könnte. In ihrem Fall sind wir wirklich sehr froh, dass Schlagzeilen über eine von wem auch immer angemietete und mit dem Moped erreichbare Zweitwohnung in der Nähe des Regierungssitzes nicht zu befürchten sind.

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