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Fraktur - Die Sprachglosse : Mit den weltbesten Grüßen

Wir sind doch die Weltbesten! Aber warum stellen wir dann unser Licht so unter den Scheffel? Bild: Wilhelm Busch

Das weltbeste Adjektiv muss zum Weltkulturerbe erklärt werden. Sonst halten uns unsere Nachkommen noch für phantasielos.

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          Mit Superlativen tun wir Deutsche uns ja schwer. Wir sind einfach das bescheidenste Volk der Erde. Dabei hätten wir allen Grund, öfter zur Höchststufe der Steigerung zu greifen. Schließlich haben wir die wahrscheinlich längsten Pralinen, die glücklichsten Biogasanlagen und bald auch die größte Koalition der Welt. Wir sind die treuesten – und momentan enttäuschtesten – Freunde der Amerikaner, konkurrenzlos tolerant und natürlich Titelverteidiger in der Disziplin „German Angst“. Warum also stellen wir unser Licht so unter den Scheffel?

          Diese Frage scheint nicht nur notorische Nörgler wie uns umzutreiben. Jedenfalls kann man schon zaghafte Versuche erkennen, nun auch sprachlich den Platz an der Weltspitze zu erobern, der uns mindestens so zusteht wie der an der Sonne. Zwar bekennen wir uns, vermutlich aus historischen Gründen, noch nicht dazu, den besten rechten Außenverteidiger der Welt zu haben, weswegen der auch lieber links spielt. Doch besteht immerhin schon Einigkeit, dass Philipp Lahm der „weltbeste“ Defensivkünstler ist.

          Dieses Superadjektiv, in dessen Genuss bisher vor allem Sportler kamen, hat das Zeug, alle bereits bestehenden Bestmarken zu übertreffen und ein Weltbestseller zu werden. Denn auch in der Politik eröffnen solche Wortkonstruktionen dem Loben und Preisen ganz neue Dimensionen. Endlich kann man sagen, dass Horst Seehofer der bayernbeste CSU-Vorsitzende ist, der sich im täglichen Ringen um das Weltbeste (Kant) Bestnoten verdient hat. Und dass wir mit Angela Merkel die europabeste Bundeskanzlerin haben, die gerade Besuch vom deutschlandbesten Amerikaversteher hatte. Damit werden die welthärtesten Jobs, die Deutschland (nach dem Amt des Kieler Stadtoberhaupts) zu vergeben hat, wenigstens sprachlich angemessen gewürdigt.

          Wir wollen ja keine unverbesserlichen Weltverbesserer sein, finden aber, dass das eindeutig weltbeste Adjektiv aller Zeiten zum Weltkulturerbe erklärt werden muss. Sonst glauben unsere Nachkommen noch, wir seien phantasielos gewesen und hätten unsere Sprache nur mit Floskeln, Modewörtern und schlecht übersetzten Anglizismen bereichert. In diesem Sinne: Weltbeste Grüße!

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