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Fraktur - Die Sprachglosse : Liquid democracy

Flüssige Demokratie: das Oktoberfest Bild: Getty

Seehofer und die Seeräuber: Die flüssige Demokratie gibt es, jedenfalls in Bayern, schon sehr lange.

          Es hat ja eine Weile gedauert, bis die von der CDU und der SPD gemerkt haben, dass die Truppe, die unter der Totenkopfflagge ins Berliner Abgeordnetenhaus einzog, nicht der Fanclub vom FC St. Pauli war. Seit die Piraten aber auch noch das Saarland enterten, herrscht im Kreise der etablierten Parteien, also einschließlich der Grünen, eine Aufregung, als rudere eine Flotte kilikischer Freibeuter den Rhein herauf. Was haben die, was wir nicht haben, fragen verzweifelte Fraktionsgeschäftsführer ihre Kinder und lassen sich von ihnen erklären, was eine Email ist. Dennoch bleibt der Erfolg der Korsaren den politischen Pfeffersäcken ein Rätsel. Wenn es für einen solchen Höhenflug ausreicht, nicht ganz genau zu wissen, wofür man als Partei eigentlich steht - warum kommt dann die FDP nur auf vier Prozent?

          Vermutlich schon deshalb, weil es ihr nicht gelingt, alten Wein (hier: die direkte Demokratie, von den Grünen, als die noch der Schrecken der Meere waren, Basisdemokratie genannt) in neue Tastaturen zu schütten. Den Piraten aber geht das so leicht von der Hand wie der Bottom-up-Ansatz und das Liquidfeedback von den Lippen. Nehmen wir nur den - the root of any word is Greek - eindeutig aus dem alten Griechenland stammenden Begriff der „liquid democracy“. Da es selbst im Wiki der Piratenpartei heißt, man müsse bei jeder Verwendung erläutern, „was jeweils im Einzelfall darunter verstanden wird“, hilft allen, die es etwas verbindlicher wollen, wohl nur das Nachschlagen beim Großmeister der Demokratietheorie.

          The more you drink, the more the ghost of democracy becomes visible

          Gerhard Polt, der alles schon vor Jahren vorhergesehen hat, müsste zur Beantwortung der Frage „liquid democracy - what is it?“ nur auf seine einschlägigen englischsprachigen Vorlesungen unter besonderer Berücksichtigung des „Ochsensepp-principle“ verweisen: „To create a harmony among their people, the Bavarian politician presents a Freibeer to the folks...The more you drink, the more the ghost of democracy becomes visible.“ Die flüssige Demokratie gibt es in Bayern also schon sehr lange, mit einem jährlichen Thing für alle (anfangs noch) aufrechten direkten Demokraten auf der Theresienwiese. Versprechen die Piraten, diese schamlosen Plagiatoren, jetzt auch noch Freibier für alle, dann bleibt Seehofer nach der nächsten Landtagswahl nur Ministerpräsident, wenn er Seeräuber wird.

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