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Fraktur - Die Sprachglosse : Lieber Hermann!

Ob Hermann und Andrea oder Barack und Angela: Wahre Liebe erträgt alles Bild: Wilhelm Busch

Endlich können die Politiker ihren wahren Gefühlen freien Lauf lassen. Doch in diesen bewegten Zeiten muss auch ihre Liebe schwere Prüfungen überstehen.

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          Haben Sie gehört, was Andrea Nahles, Generalsekretärin der SPD, dieser Tage zu Hermann Gröhe, Generalsekretär der CDU, sagte? „Lieber Hermann Gröhe!“ Wirklich! „Lieber Hermann Gröhe!“ Bald wird daraus ein „Lieber Hermann!“ werden, denn selbst Seehofer und Westerwelle nannten sich von jener Nacht an, in welcher der damalige Ehevertrag ausgehandelt ward, nur noch zärtlich Horst und Guido. Zu den vielen Vorteilen einer Koalition, erst recht einer großen, gehört, dass die Politiker sich nicht mehr verstellen und übereinander herfallen müssen (jedenfalls nicht über die von der anderen Partei), sondern ihren wahren Gefühlen freien Lauf lassen können. Endlich darf die Rampensau im Stall bleiben und die Lehre der Nächstenliebe studieren, der ja noch ganz andere Wunder zu verdanken sind.

          Schon in einem frühen Ratgeber für Koalitionsverhandlungen, dem 1. Korintherbrief, heißt es: „Nun aber bleiben Glaube, Hoffnung, Liebe, diese drei; aber die Liebe ist die größte unter ihnen.“ Das stimmt auch heute noch uneingeschränkt. Denn mit dem Glauben ist es derzeit so eine Sache. Wem soll man zum Beispiel im Fall Limburg noch glauben? Dem Bischof? Dem Domkapitel? Den diversen Mitbrüdern? Dem Vermögensberater? Dem Fahrer? Dem Wächter? Dem Hund? Hoffnung macht der Verlauf der Affäre auch nicht wirklich. Überhaupt besteht eigentlich nirgends richtig Anlass zur Hoffnung, so dass wir überall auf die Liebe zurückgeworfen werden, deren lodernde Flut (Stoiber) nun auch Andrea und Hermann erfasst hat. Seit dem Untergang der Sowjetunion ist die Liebe einfach die letzte verbliebene Himmelsmacht, die sogar Erich Mielke anrief, als es am Schluss in der Volkskammer etwas unruhig wurde.

          Doch in diesen bewegten Zeiten muss auch die Liebe zwischen Politikern schwere Prüfungen überstehen. Dank des Mitschnitts, den uns freundlicherweise die NSA zur Verfügung stellte, wissen wir, dass unsere Kanzlerin sich bitterlich beim „lieben Barack“ darüber beklagte, wie er ihr das nur habe antun können. Ob denn die Freiheitsmedaille auch verwanzt sei? Und ob er wohl glaube, dass sie ihn mit Mullah Omar hintergangen habe? Obama entgegnete, er habe sie nur aus reiner „affection“ abhören lassen, weil er jederzeit wissen wollte, wie es ihr gehe – wo sie jetzt doch sogar mit diesem Sigmar Gabriel fraternisieren müsse. „Dear Angela“ solle das aber bitte nicht an die große Glocke hängen, damit nicht auch noch Michelle das Ganze missverstehe.

          Doch die Sache ist in der Welt und der Ärger groß. Freilich heißt es schon im Korintherbrief: Die Liebe erträgt alles, sie glaubt alles, sie hofft alles, sie duldet alles. Wenn es sogar Hannelore Kraft und Alexander Dobrindt gelingt, miteinander eine Versöhnungszigarette zu paffen, dann werden Angela und Barack erst recht die Friedenspfeife rauchen können. Schließlich hat Obama dafür schon im Voraus den Nobelpreis bekommen; seine andere große Leistung, der Drohnenkrieg, kann ja schlecht gemeint gewesen sein.

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