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Fraktur - Die Sprachglosse : Kleine Leute

Was zum Spielen: Die GroKo hat ein großes Herz für den kleinen Mann. Bild: dpa

Wir sind total sprachverzückt: Auch die große Koalition kümmert sich weiter um den kleinen Mann.

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          Haben sich Angela Merkel und ihr neuer Brother Sigmar Gabriel schon das erste Mal in die Haare bekommen, als die Kanzlerin sprachverliebt sagte, eine „große Koalition“ sei – natürlich – für „große Aufgaben“ da (wie ja auch große Anfragen nur von mindestens 1,80 Meter großen Abgeordneten gestellt werden dürfen), und der SPD-Chef ergänzte (oder korrigierte): für die „kleinen Leute“?

          Timo Frasch

          Politischer Korrespondent in München.

          Natürlich nicht. Abgesehen davon, dass unsere GroKo für Groß und Klein was zum Naschen, was Spannendes und was zum Spielen im Angebot hat, sind die kleinen Leute seit jeher und auch weiterhin die größte Aufgabe der Politik – schon deshalb, weil sie in der Mehrzahl sind. Allerdings tauchen sie unter immer neuen Bezeichnungen auf. Beim FC Bayern war früher mal von „Indianern“ die Rede. Die FDP spricht von Leistungsträgern, die SPD von „Basis“. In Amerika sagen sie „Joe, der Klempner“, in Sachsen-Anhalt „Reiner Haseloff“. Und bei der Linken „alleinerziehende Mutter in Hartz IV“. Gemeint ist jeweils der kleine Mann, in der Regel der von der Straße, der es morgens vor elf aus dem Bett schafft, den Karren zieht und Deutschland nach dem Krieg wiederaufgebaut hat.

          „In schwierigen Verhältnissen“

          Was machen die kleinen Leute sonst so? Oft leben sie in „einfachen Verhältnissen“. In die sie sich aber zumeist gefügt haben, weil sie – anders als etwa Michail Chodorkowskij – keine Querulanten sind. Manchmal leben sie aber auch in „schwierigen Verhältnissen“. Dann können sie aber nichts dafür. Denn die kleinen Leute sind anständig, schmieren zum Beispiel ihren Kindern (kleine Leute sind nie kinderlos) morgens ein Pausenbrot. Und fleißig sind sie, wiewohl ihrem Fleiß immer etwas entzückend Vergebliches anhaftet. Jedenfalls haben sie kein Burnout-Syndrom wie der bisherige NPD-Vorsitzende Apfel, der es ja auch immer auf die kleinen Leute abgesehen hatte. Dafür sind sie nämlich viel zu beschäftigt.

          Das wichtigste Kennzeichen der kleinen Leute ist jedoch, dass quasi jeder Politiker zu wissen glaubt, wie es bei und in ihnen aussieht. Weil nämlich fast jeder Politiker behauptet, er komme aus ihrer Mitte und habe es mithin in einem Land, in dem – Stichwort Pisa! – die Herkunft der Eltern immer noch maßgeblich für den Bildungserfolg der Kinder ist, im Alleingang ganz nach oben geschafft. Zu nennen ist hier zum Beispiel der Hilfsarbeitersohn Gerd Schröder, dessen Slogan „Bild, Bams und Glotze“ die konsequente Fortschreibung des Kleine-Leute-Credos von Graciano Rocchigiani (Sohn eines sardischen Eisenbiegers) war: „Wat braucht der Mensch außer Glotze gucken, ’n bisschen Bumsen, ’n bisschen Anerkennung.“

          Und dann – fanfare for the common man! – natürlich Horst Seehofer, der diese Woche wissen ließ, er habe in seinem Leben schon „alle Varianten der Nichtberücksichtigung erlebt“. Das machte es ihm leicht, dem eingemachten Peter Ramsauer klarzumachen, dass ein Mann, der sich gemacht hat, noch lange kein gemachter Mann ist. Und schon gar kein kleiner.

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