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Fraktur - Die Sprachglosse : German Angst

Perverse Angst? Bild: action press

Das Herz der Deutschen konnte nur in die Hose rutschen, weil dort keine Eier mehr sind.

          1 Min.

          Kaum als Bundeskanzlerin aller Deutschen wiedergewählt, hat sich Angela Merkel schon geirrt. In ihrer Neujahrsansprache sagte sie, „Leistungsbereitschaft, Engagement, Zusammenhalt“ stünden für das, „was unser Land im Kern ausmacht“ – dabei weiß doch jeder, dass, wie Horst Seehofer jüngst bemerkte, „unser Land vom Zweifel lebt“ (sogar ganz gut) und dass es die sprichwörtliche „German Angst“ ist, die uns bestimmt und jeden Tag ein bisschen mehr von unserer Seele aufessen.

          Timo Frasch

          Politischer Korrespondent in München.

          EZB-Präsident Mario Draghi hat das nur nochmal auf den Punkt gebracht, als er Anfang der Woche von einer „perversen Angst“ der Deutschen sprach, „dass sich die Dinge zum Schlechten entwickeln“. Zuvor war die fatale deutsche Neigung schon Curzio Malaparte aufgefallen. Der Schriftsteller schrieb kurz vor der Mitte des vorigen Jahrhunderts: „Wenn der Deutsche beginnt, Angst zu haben, wenn sich ihm die geheimnisvolle deutsche Angst ins Gebein schleicht, dann erst erregt er Schrecken und Mitgefühl...Und gerade dann wird der Deutsche gefährlich.“

          Malaparte und Draghi haben natürlich leicht reden. Sie kommen aus einem völlig furchtlosen Land, in dem sich aus bekannten Gründen kaum mehr etwas zum Schlechten entwickeln kann. Angsthasen findet man dort keine, allenfalls Angsthäschen oder Angstgegner. Wie zum Beispiel Andrea Pirlo. Der italienische Fußball-Nationalspieler sagte vor dem EM-Halbfinale 2012: „Die Deutschen haben Angst vor uns.“ Er hatte allzu recht. Schon beim Eincremen vor dem Spiel war den Deutschen („Respekt ja, Angst nein“) das Herz ganz tief in die Hose gerutscht. Möglich war das nur, weil dort, in der Hose, reichlich Platz war: mangels „Eiern“ (Bastian Schweinsteiger); und mangels „Arsch in der Hose“ (Rudi Assauer et al.), weil der ja bereits „auf Grundeis“ (Manuel Neuer) war. So kam es, wie es kommen musste: Die deutschen Fußballspieler erregten weder Mitleid noch Schrecken; vielmehr wurden sie gedemütigt, wie nicht einmal die Familie Ramsauer in den 460 Jahren ihres Bestehens gedemütigt worden ist.

          Und was weiß Angela Merkel zu all dem zu sagen? Auf die Frage, ob wir zu viel Angst hätten, hat sie geantwortet: „So sehe ich uns Deutsche nicht. Wir suchen vielmehr nach dem richtigen Pfad von Freiheit und Sicherheit.“ Ins Endspiel der Fußball-WM dürfte der kaum führen.

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