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Fraktur - Die Sprachglosse : Eine ernste Angelegenheit

Kabale und Hiebe: Wenigstens in der CSU kann aus Spaß noch Ernst werden. Bild: Wilhelm Busch

Aigner wollte ausnahmsweise „mal ernsthaft“ über die Energiewende reden. Da hörte für Seehofer der Spaß auf.

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          Jetzt müssen wir schon mal ernsthaft darüber reden, ob das alles noch einen Sinn hat: Dass wir uns immerhin bemühen, das ernst zu nehmen, was unsere Politiker so tun und sagen, und dass wir dann darüber voller Ernst schreiben. Zugegeben, das fiel uns nicht immer leicht. Doch nun kommt es uns so vor, als sei uns der Estrich unter den Füßen weggezogen worden. Von einer Politikerin, die wir ziemlich ernst genommen haben, auch wenn sie nicht Ernst heißt, sondern Ilse.

          Genau, von Aigner, die allen Ernstes vor der diesjährigen Wallfahrt nach Kreuth und der dortigen Anbetung des Parteivorsitzenden zu Protokoll gab, es reiche nicht, immer nur Nein zu sagen. Man müsse auch „mal ernsthaft“ darüber reden. Der erste Satz dieser Bemerkung war zwar nur auf ihren nun ehemaligen Förderer Seehofer gemünzt, der zweite galt der Energiewende. Doch öffnete diese schnell geschlagene Kombination aus einer Geraden und einem Haken, die Seehofer nur deshalb nicht traf, weil er einen Reichweitenvorteil hat, uns vollends die Augen über den Unernst der Politik. Sie sagt uns nämlich im Umkehrschluss, dass die Politiker im Regelfall nicht ernsthaft über Schicksalsfragen wie unsere energetische Zukunft reden – und dabei auch noch aus Spaß an ihrer Freud (und unserem Leid) Nein sagen. Aigners Vorstoß für eine neue Ernsthaftigkeit, das musste sie zur Strafe auch noch selbst verkünden, wird daher „nicht weiterverfolgt“.

          Dieser Vorgang raubt uns nun wirklich die allerletzten Illusionen über das politische Geschäft. Da hilft es auch nichts, dass Seehofer seine einstige Lieblingsministerin abwatschte wie ein Schulmädchen, auf dass sogar noch beim Schulbuben Gabriel Mitleid hätte aufkommen müssen. Und doch konnte Aigner offenkundig nicht anders, als die Wahrheit laut hinauszuschreien, obwohl sie wissen musste, dass sie damit bei Seehofer nichts bewirkt und bei Söder höchstens einen Lachkrampf. Na gut, vermutlich musste auch Haderthauer nach Seehofers Streicheleinheit für die Wirtschaftsministerin in den Keller der Staatskanzlei gehen, um sich mal richtig auszuwiehern.

          Aigners Kronkonkurrenten haben freilich schon am eigenen Leibe erfahren, wie schnell in der CSU aus Spaß dann doch noch Ernst werden kann. Auch für die Großkopferten und sogar in den heiligen Höhen von Kreuth, wie Stoiber zu berichten weiß. Denn irgendwann, wenn die Masse der Vorgeführten und Gedemütigten groß genug ist, um kritisch zu werden, wird wieder jemand sagen: Man muss mal ernsthaft darüber reden. Und dann droht sogar einem Spaßvogel wie Seehofer der Ernstfall.

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