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Fraktur - Die Sprachglosse : Eine echte Alternative

Alternativlos: Einer muss mit ihr koalieren, ob Hausbesitzer oder Hausbesetzer. Bild: Wilhelm Busch

Die CDU als die Partei der Altphilologen weiß ja wohl, wovon sie redet. Doch mit welchem Teil der Grünen soll sie koalieren? Mit den Veggie-Fundis oder den Rumpsteak-Realos?

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          Der Satz aus dem engsten Führungskreis der CDU, wonach ein Bündnis mit den Grünen „eine echte Alternative“ sei, ist noch viel spannender, als er schon auf den ersten Blick aussieht. Er ist eine echte Sensation. Denn eine Alternative ist, wie schon die alten Römer wussten, eine Art Weggabelung, an der man eine Wahl zwischen zwei Möglichkeiten hat. Weil die CDU die höchste Altphilologen-Quote gleich nach der CSU vorweisen kann, darf man getrost annehmen, dass sie wenigstens in diesem Fall genau weiß, wovon sie redet. Schließlich hebt sie auch noch hervor, dass es sich um eine echte Alternative handele und nicht um diesen Larifari-Sprachgebrauch, den der Duden wieder einmal zulässt. Entschlüsselt für uns Neusprachler heißt das, die CDU glaubt, sie könne nicht nur mit der SPD paktieren, sondern auch mit der einen Hälfte der Grünen – oder mit der anderen.

          Die Frage ist nur: Mit welcher soll sie es versuchen? Mit der alten Garde oder dem jungen Gemüse? Mit den Veggie-Fundis, die streng daran festhalten, dass, damit die Energiewende gelinge, das Volk am Donnerstag vegetarisch essen muss? Oder den Rumpsteak-und-Rotwein-Realos, die auch den Fisch am Freitag als Salat gelten lassen würden, was der CSU sehr entgegenkäme? Die Grünen sind eben wirklich eine bunte Truppe. Nicht umsonst nannten sie sich von Anfang an die Alternativen. Joseph Fischer war, bis er auf seinem langen Lauf zu sich selbst endlich in seiner Grunewalder Villa ankam, sogar eine wandelnde Alternative: dick oder dünn, Steinwerfer oder Außenminister, Kriegsgegner oder Kriegsherr, Hausbesetzer oder Hausbesitzer. Doch leider will er partout nicht mehr mitspielen. Einen solchen Palast zu heizen kostet inzwischen bestimmt viel Geld, das will erst einmal verdient sein. Der Jürgen aber, da stimmen wir „Joschka“ ausnahmsweise einmal zu, war, um im Sprachgebrauch der Politik zu bleiben, einfach keine Alternative zu ihm, auch wenn Trittin noch so oft die heiligen Hallen dieser Zeitung besuchte.

          Schade auch, dass die „Alternative für Deutschland“ nicht in den Bundestag kam, denn vielleicht hätte man dann erfahren, was denn die Alternative zu der Alternative ist, die sie sein will. Die Wahlmöglichkeit zwischen zwei Programmen, von denen mindestens eines unbekannt war, hat aber offenbar die Wähler so verwirrt, dass sie lieber wieder für die andere Alternative stimmten, die es freilich auch nicht ins Parlament schaffte. Und ehe wir uns versahen, waren wir trotz der Alternativen-Inflation wieder ziemlich alternativlos, was uns die Kanzlerin ja schon vor einiger Zeit versprach. Zu der Frau scheint es einfach keine Alternative zu geben. Das hätte die SPD ohne jede Sondierung wissen können, wenn sie nur einmal Merz, Koch, Röttgen oder Wulff zugehört hätte.

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