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Fraktur - Die Sprachglosse : Denkpause

Wer nicht denkt, sündigt nicht: Wenn Putin sich doch an die Empfehlung Merkels hielte! Bild: Wilhelm Busch

Angesichts der Ereignisse auf der Krim empfiehlt die Bundesregierung, eine Zeitlang mit dem Denken aufzuhören. Zu welchen tollen Ergebnissen das führen kann, hat wieder einmal die CSU bewiesen.

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          Recht hat sie, die Bundeskanzlerin. Nach dem Einmarsch der Russen auf der Krim können auch wir Deutsche „nicht einfach zur Tagesordnung“ übergehen. Und etwa einen Strandurlaub in Sewastopol buchen. Denn die Landungsboote brauchen schließlich Platz. Und der Russe, ob mit Hoheitsabzeichen oder nicht, nimmt bei der Wiederherstellung seines Großreichs ja auf nichts Rücksicht, nicht einmal auf die territoriale Integrität einer deutschen Sandburg.

          Die von Merkels Sprecher aus Anlass der Krise empfohlene „Denkpause“ wird allen Beteiligten guttun. Denn in letzter Zeit haben ganz offenkundig viel zu viele zu viel gedacht. Putin zum Beispiel nahm wohl an, dass er die Krim bei Ebay ersteigert hat: drei, zwei, eins, meins! Oder sollte Väterchen Putin Vater des Gedankens gewesen sein, dass die Nation, die in Sotschi die meisten Medaillen holt, als Sonderpreis auch noch eine benachbarte Halbinsel geschenkt bekommt? Der Westen dagegen gab sich wahrscheinlich dem Wunschdenken hin, dass der Kreml es sich gar nicht mehr leisten könne, fremde Länder zu besetzen, weil er sein ganzes Gas-Geld schon für den Kunstschnee verpulvert habe. Bei solchen kapitalen Denkfehlern ist es wohl tatsächlich das Beste, jetzt eine Zeitlang mit dem Denken aufzuhören.

          Das würde auch der großen Koalition bekommen. Denn wer nicht denkt, redet auch nicht. Ups, da haben wir wohl gerade selbst nicht nachgedacht. Die GroKo ist schließlich der Beweis dafür, dass man losquasseln kann, ohne zu denken, denken wir nur an Gabriel und Oppermann. Deren Gedankenlosigkeit im Fall Edathy musste die CSU auf den Plan rufen, die sich von niemanden in nichts übertreffen lässt, schon gar nicht, wenn es darum geht, wer in der Koalition die längsten Denkpausen machen kann. Der Rekord der CSU liegt jetzt bei fünf Stunden und sechs Minuten, aufgestellt am letzten Aschermittwoch in Passau. Sie nutzte die gedankenlose Zeit, um Brüderschaft mit Putin zu trinken, bildlich gesprochen, denn anwesend war ja nur der russische Generalkonsul, der aber auch überschwänglich begrüßt wurde. Die Biermösl Blosn hatte also völlig recht, als sie schon vor Jahren sang: „Der Russe kommt, der Russe kommt, der Russe kommt, des is ganz g’wiss, ja weil der Russ’, ja weil der Russ’, ja weil der Russ’ ein Russe ist!“

          Was der CSU-Vize Gauweiler jetzt, da der Russe da ist, in Passau über das Verhältnis der letzten verbliebenen Supermächte sagte, also über Russland und die CSU, geriet, um ein schönes Wort des amerikanischen Außenministeriums zu variieren, zur spektakulärsten bayerischen Dichtung seit Ludwig Thoma. Da sieht man, wie produktiv es sein kann, beim Denken zu pausieren. Wir machen das jetzt auch, vielleicht fällt uns dann endlich etwas Gescheites ein.

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