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Fraktur - Die Sprachglosse : Dahoam

Zefix, warum is des bloß uns net eingfalln: Wie die CSU hundertprozentige Schaasen vergibt.

          1 Min.

          Seit dem Halbfinale von Madrid wissen wir nicht nur, was selbst noch ein Schweinsteiger auf dem Weg zum Strafraum verlieren und - zu seinem und unser aller Glück - wiederfinden kann (Was hätte erst ein Lothar Matthäus zur Angst des Schützen vorm Elfmeter gesagt?). Wir haben jetzt auch Gewissheit, dass das „B.“ in Johannes B. Kerner nicht für Bavaricus steht. Kerner, der sonst vor kaum etwas zurückschreckt, weigerte sich gleich mehrmals, das schöne bayerische Wort „dahoam“ zu intonieren, obwohl ihm Franz Beckenbauer zur Seite stand, dem wir nicht nur mindestens zwei Weltmeistertitel zu verdanken haben, sondern auch unzählige Lektionen, wie man „Chance“ richtig ausspricht, nämlich „Schaase“.

          „Zefix“, könnte beim Betrachten dieser Szene der Seehofer Horst geflucht haben - er war über Ostern im Kloster und kann sich nun wieder ein paar kleinere Sünden leisten -, „warum is des net meinen Deppn eingfalln? Wenigstens dem Stoiber, wozu hockt denn der beim Hoeneß im Verwaltungsrat!“ Da hat die CSU wirklich eine hundertprozentige Schaase vergeben: „Finale dahoam“, was wäre das für ein problembärenstarker Slogan für die kommende Landtagswahl gewesen!

          Man stelle sich vor: Eine Million Vorbestellungen für die Schwarzen, noch bevor der Söder das erste Mal auf’s eigene Tor geschossen hat! Die Dorothy der CSU, Christine Haderthauer, hätte nur einmal „There’s no place like home“ hauchen müssen, und die Piraten wären in Scharen übergelaufen. Jeder, vielleicht mit Ausnahme des einen oder anderen norddeutschen Fernsehmoderators, hätte sofort gewusst, wofür die CSU steht. An der Leitkultur, diesem NRW-Krampf, sollen sich ruhig die Preußen abarbeiten: Der Bayer, selbst noch der fränkische, woas/waas/woiß etc., wo er dahoam/dahamm/dahoim etc. ist, und warum er dem Herrn dafür danken sollte. Gott mit dir, du Land der BayWa!

          Weiß-blaue Monokultur? Nur Laptop und Lederhose? So ein Schmarrn. Allein schon die multikulturelle Mannschaft des FC Bayern zeigt, wie bunt es im Süden zugeht und wie tolerant - abgesehen von vereinzelten französisch-holländischen Reibereien, wer der schönste Frei(stoß)schütz ist (natürlich Ronaldo). Doch ob Robbn (wie der Kaiser sagt), Ribery, King Kahn oder Koan Neuer - jeder, der willig das einzige Beinkleid überstreift, das stramme Waden angemessen zur Geltung bringt, und Elfmeter schießen oder halten kann, wird in die bayerische Nationalmannschaft integriert, selbst noch, wenn es sich, wie bei Alaba, um einen Österreicher handelt.

          Berthold Kohler
          (bko.), Herausgeber

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