https://www.faz.net/-gpf-889yu

Fraktur : Alle und alles

Küss die Hand, gnä’ Frau: Ist unsere Kanzlerin nicht selbst ein glänzendes Beispiel dafür, dass in Deutschland nichts unmöglich ist? Bild: Wilhelm Busch

Doch unseren Seehofer, den schafft selbst Merkel nicht!

          2 Min.

          An der Tatsache, dass das Deutsche draußen in der Welt auf verlorenem Posten kämpft, ist nicht mehr zu rütteln, es hat ja schon in Deutschland einen schweren Stand. Aber hin und wieder setzt sich doch ein deutsches Wort im Englischen oder gar Französischen durch, weil es etwas typisch Deutsches beschreibt, das der Brite oder der Franzose selbst nicht hat oder kann: Sauerkraut, Angst, Kindergarten, Blitzkrieg, Waldsterben, Atomwende. Demnächst könnte ein weiteres Wort in das neuerdings wieder stark nachgefragte Buch „Ten words to understand the crazy Germans“ aufgenommen werden. Es handelt sich erstmalig um ein völlig alternativloses Verbum: schaffen.

          Für seine Aufnahme in die Top Ten werden schon die Abertausenden von Flüchtlingen sorgen, die ihren derzeit noch in der Heimat gebliebenen Verwandten simsen und appen, dass Merkel, „the schwabische hausfrau“, für alle langfristig an der deutschen Kultur und Sprache Interessierten Luxusimmobilien errichten (oder wenigstens beschlagnahmen) will. „Schaffe, schaffe, Häusle baue!“, das lernt man als Flüchtling schon in den Hot Spots, ist schließlich Teil der deutschen Willkommenskultur, für deren Begründung unserer Kanzlerin jetzt so oft die Hände geküsst werden, dass sie sie gar nicht mehr waschen muss. Ist sie nicht selbst ein glänzendes Beispiel dafür, dass man in Deutschland alles schaffen kann, wenn man nur will? Auch unser Vorzeigekonzern VW führt doch gerade aller Welt vor, dass nicht nur für Toyota nichts unmöglich ist.

          Wobei, dear fugitives, ein gewaltiger Bedeutungsunterschied zwischen „alles schaffen“ und „alle schaffen“ besteht. Beides schafft bei uns nur unsere Kanzlerin. Jede Menge Geschaffte säumen ihren Weg: Kohl, Schäuble, Stoiber, Schröder, demnächst wahrscheinlich auch Assad. Doch gibt es eine Ausnahme: Den amtierenden bayerischen Ministerpräsidenten, das erfüllt sogar bekennende Oberfranken mit Stolz, schafft auch Merkel nicht! Freilich ist der auch kein Leichtmatrose (Übersetzungshilfe für unsere Gäste: no sailor light). Dennoch holte er sich jetzt sicherheitshalber den ungarischen Regierungschef zur Verstärkung, um der Kanzlerin Kontra zu geben. Stoiber konnte immer Söder für sich sprechen lassen, wenn die Angéla nicht das Gegenteil von dem zu hören bekommen sollte, was eigentlich gemeint war. Seehofer aber traut Söder nicht über den Weg, schließlich will der ihn beerben. Daher musste/durfte jetzt Orbán für Seehofer das mit dem „moralischen Imperialismus“ sagen. Orbán stellt für Seehofers Herrschaft keine Gefahr dar, denn der Ungar will nur in einem christlichen Land Regierungschef sein.

          Und selbst der jährliche Hadsch der CSU zum Kloster Banz im Gottesgarten am Obermain kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass Bayern zu einem ziemlichen Multikultistaat geworden ist. Es gibt schon Gemeinden, die sich aus lauter Verzweiflung wegen der bereits bestehenden sprachlichen Überfremdung zur tschüßfreien Zone erklärt haben.

          Wie soll das erst werden, wenn auch noch die syrischen Saupreißn in Massen kommen? Wo doch nach zwei Jahrhunderten noch nicht einmal die Franken richtig integriert sind, weswegen auch das mit dem Söder wieder so eine Tragödie werden wird. Nein, unser Hadschi Horst Omar hat schon recht: Wir schaffen das nicht! Diese schonungslose Ehrlichkeit verdient höchsten Respekt. Das meinen wir ganz im Ernst! Doch wer soll uns das da draußen in der Welt noch glauben, wo gegen das Wort Seehofers das der Gütigen Kanzlerin steht, der Verkörperung der sprichwörtlichen deutschen Gründlichkeit, Verlässlichkeit und Integrität? So gesehen ist der VW-Skandal ja vielleicht doch ein Geschenk des Himmels.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Die israelische Siedlung Migron in der Westbank

          Israel und Palästina : Die Besetzung bleibt rechtswidrig

          Zumindest für den UN-Sicherheitsrat ist die Sache klar: Der Bau israelischer Siedlungen in den besetzten palästinensischen Gebieten bleibt völkerrechtswidrig – und Israel ist aufgefordert, alle Siedlungsaktivitäten einzustellen.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.