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Fraktur : Der Einzelne

Einen guten Rutsch! Bild: Picture-Alliance

Wer kann die Welt zum Guten wenden, wenn Merkel es nicht kann?

          Im Jahr 2016 werden Sie sich wieder einiges geleistet haben. Aber was haben Sie geleistet? Haben Sie die Welt, die ja bekanntlich aus den Fugen ist – für die einen wegen der Flüchtlingskrise, für die anderen, weil David Bowie tot ist –, wieder aufs Gleis gesetzt? Oder sie wenigstens zu einem etwas besseren Ort gemacht? Nein? Warum nicht?

          Timo Frasch

          Politischer Korrespondent in München.

          Schon klar: weil ein Einzelner, vom Einzeller schon orthographisch kaum zu unterscheiden, sowieso nichts vermag. Wir zum Beispiel haben in der Vergangenheit sehr viele Krombacher-Kästen gerodet, um den Regenwald zu retten. Es hat nichts genützt. Wir haben auch schon mehrfach gewählt. Trotzdem sind immer die Falschen an die Macht gekommen. Andererseits kann der Einzelne hin und wieder doch den Unterschied machen. Was wäre Delmenhorst ohne Sarah Connor? Auch Jesus war ja, wenn man von der Dreifaltigkeit absieht, ein Einzelner. Trotzdem hat er schon als Säugling mehr Gutes bewirkt als manche Charity-Lady in ihrem ganzen Leben.

          Angela Merkel hat jüngst gesagt: „Kein Mensch alleine, auch nicht mit größter Erfahrung, kann die Dinge in Deutschland, Europa, in der Welt mehr oder weniger zum Guten wenden – und schon gar nicht eine Bundeskanzlerin der Bundesrepublik Deutschland.“ Bemerkenswert an dem Zitat sind die Einschränkungen, vor allem das „schon gar nicht“; man hätte eher ein „auch nicht“ oder ein „nicht einmal“ erwartet. Will sie uns damit sagen, dass sie das falsche Amt und das falsche Land hat, um Gutes zu wirken? Das kann eigentlich nicht sein, denn jemand wie zum Beispiel Hans Krankl ist weder Deutscher noch Bundeskanzler, hat aber unserer Kenntnis nach auch noch nichts zum Guten gewendet.

          Der tschechische Präsident wünscht ein „gefährliches Leben“

          Vielleicht wollte Merkel aber nur darauf hinweisen, dass es für einen Einzelnen einfacher ist, die Dinge zum Schlechten zu wenden als zum Guten. Stichwort Terrorismus: Jeder Pimpf kann heute die Welt in Aufruhr versetzen oder CSU-Granden zur Rückkehr aus dem Skiurlaub zwingen, wenn er seinen Turnbeutel auf dem Weihnachtsmarkt liegen lässt. Stichwort Krombacher: Das viele Biertrinken hat in den uns bekannten Fällen nicht nur nichts gebracht, sondern den Gesundheitszustand massiv verschlechtert.

          Aber was heißt schon schlecht – alles eine Frage der Definition. Der tschechische Präsident Miloš Zeman, der mit seinem Alkoholkonsum theoretisch ein Regenwaldgebiet von der hundertfachen Größe des doppelten Saarlandes ganz allein wiederaufgeforstet hat, wünschte seinen Bürgern jüngst in einer Ansprache zum Jahreswechsel ein „gefährliches Leben“, „ein Leben voller Risiken und Kämpfe“. Damit das auch uns Deutschen beschieden ist, kann jeder bei sich anfangen, direkt in dieser Silvesternacht kurz nach zwölf, mit dem Kanonenschlag in der einen Hand und dem wohlgeformten Hinterkopf einer fremden Frau in der anderen. Sollten Sie als Einzelner mit dieser Aufgabe überfordert sein, fallen uns für 2017 gleich eine ganze Reihe von Politikern ein, die Ihr schönes, entspanntes Leben im Sinne Zemans doch noch zum Guten wenden könnten.

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