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Fraktur : Auf Augenhöhe

Augenzwinkern: Die Ähnlichkeit mit der Dreierkoalition in Thüringen ist nicht beabsichtigt. Bei dem Herrn rechts handelt es sich nicht um Bodo Ramelow, auch wenn ein Vergleich der Brillen zu diesem Schluss verleiten könnte. Bild: Zeichnung Wilhelm Busch

Warum das lupenreine Linksbündnis in Thüringen als Erstes die Blitzer der Polizei tiefer hängen muss.

          Auf die Größe kommt es auch in der Politik gewöhnlich nicht an, jedenfalls nicht auf die Körpergröße. Das war schon im Langen Eugen so. Auch im Flachbau des Bonner Plenarsaals fielen in den Debatten am ehesten die Rumpelstilzchen auf, und so ist es bis heute geblieben, man denke nur an Gysi. Doch inzwischen lässt sich das Rednerpult verstellen, so dass in der Nahaufnahme jeder wie ein (wenigstens sein Manuskript) überragender Redner aussieht – falls das Fernsehen diese Bemühungen überhaupt noch überträgt, weil die Jungen sich ja für anderes interessieren. Deswegen haben sie leider auch eine Sternstunde der Parlamentshitparade verpasst, die den Bundestagspräsidenten ermutigen sollte, von nun an vor jeder Sitzung einen Altstar seine Oldies aus den Sechzigern vortragen zu lassen. Dann klappt’s vielleicht auch wieder mit dem Fernsehen.

          Doch zurück zur Größe. Es gibt nämlich doch eine Gelegenheit, bei der die Körpermaße eine wichtige Rolle spielen, nicht nur bei Politikern, in ihrem Fall aber ganz besonders: wenn sie miteinander verhandeln. Denn ob über die Abwendung eines Atomkriegs gesprochen wird oder gar eines Eisenbahnerstreiks: All diese Gespräche müssen „auf Augenhöhe“ geführt werden, weswegen manchmal schnell noch auf einer Seite Telefonbücher untergelegt werden, damit der Blickwinkel der Unterhändler stimmt.

          Sonst könnte schließlich der Eindruck entstehen, der eine schaue auf den anderen herunter. Besorgte Mitbürger sehen darin mit Tränen in den Augen den tragischen Kern der Krise mit Russland. So weit wollen es die drei Koalitionspartner in Thüringen nicht kommen lassen, jedenfalls jetzt noch nicht. Nach dem Wahlsieg der Arbeiterklasse musste ein lupenreines Linksbündnis natürlich strikt auf Gleichheit achten. Man habe immer auf Augenhöhe verhandelt, beteuerten daher die drei Parteivorsitzenden. Auf Kniescheibenhöhe wäre es auf Dauer auch etwas anstrengend geworden.

          Augenhöhe ist einfach gut, und zwar überall im Leben. Der thüringische Ministerpräsident in spe sollte deshalb als Erstes die Blitzer der Polizei, die demnächst wirklich zu seinem Freund und Helfer werden soll (Anmerkung für die Linkspartei: Man sagt jetzt nicht mehr Schild und Schwert), etwas tiefer hängen lassen, damit man die Augenpartien der sich völlig unsozial verhaltenden Raser in seinem Land auch einwandfrei erkennt. Er kann das völlig gefahrlos tun. Denn künftig, das schreiben wir hier natürlich mit einem Augenzwinkern, muss er ja nicht mehr selbst fahren.

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