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Fraktur : Asymmetrische Mobbilisierung

Der Mobby Dick der CDU: Ob Maus, Kaninchen, Wurm oder Hering – wer will schon so eine Fresse sehen? Bild: Wilhelm Busch

Warum Merkel dem Sexismus in der CDU sofort Einhalt gebieten muss.

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          Das Zeitalter der Ideologien soll vorbei sein? Ha, da können wir ja nur kichern! Mag sein, dass der Marxismus-Leninismus-Trotzkismus-Maoismus nicht mehr ganz so viele Anhänger hat wie zu den Zeiten, als Joseph Fischer und Jürgen Trittin noch das Schweinesystem abschaffen wollten, dem sie später so treu und einträglich dienten.

          Auch dem Kapitalismus müssen die durch und durch begeisterten Anhänger irgendwann verloren gegangen sein, weswegen er sich mit Konvertiten wie den oben Genannten über Wasser halten muss. Doch mischt derzeit ein anderer Ismus das politische System Deutschlands auf wie ein Fuchs den Hühnerstall. Am heftigsten wirbelt er die CDU durcheinander, von der man geglaubt hatte, sie kenne keine Ideologien mehr, sondern nur noch die Alternativlosigkeit.

          Aber ausgerechnet bei den Christlichen Demokraten scheint sich unter der biederen Burka der Wertefreiheit die schlimmste Weltanschauung von allen ausgebreitet zu haben. Nee, nicht der Islamismus, obwohl uns auch das nicht mehr ganz denkunmöglich vorkommt: Der Sexismus ist es, der sein grässliches Haupt in der CDU erhebt!

          Er muss sich dort eingenistet haben, als er zusammen mit der FDP aus den Parlamenten und Hotelbars vertrieben wurde. Den schrecklichen Berichten nach, die uns, das verwundert natürlich nicht, aus der Schlangengrube Berlin, aber auch noch aus dem hintersten Hessen erreichen, hat er klammheimlich die CDU in eine Dunkelpartei verwandelt, in der insbesondere süße Mäuse und Kaninchen nichts zu lachen haben.

          Das Auftauchen dieses Leviathans verbreitet besonders großes Entsetzen, weil es sich bei dem CDU-Sexismus offenkundig nicht nur um den üblichen unerträglichen Sexismus handelt, den, wie es Julia Klöckner dankenswerterweise bestätigte, auch Männer hin und wieder ertragen müssen. In der CDU Deutschlands soll der Sexismus auch noch in einer eingetragenen Lebenspartnerschaft mit dem Mobbing hausen.

          Diese Verbindung würde, obwohl beides wie alles Übel aus Amerika stammt, eine neue Stufe in der Evolution der Volksparteien darstellen. Man möchte fast von einer drohenden Umparteiung sprechen, der die Vorsitzende in jedem Fall sofort Einhalt gebieten muss, bevor es zu einer asymmetrischen Mobbilisierung kommt und es bei ihrer Zwangspensionierung heißt, die CDU habe Angela Merkel nur als Quotenfrau an die Spitze von Partei und Staat gewählt, was nun wirklich völliger sexistischer Blödsinn wäre.

          Denn Merkel ist ja aus dem härtesten Mobbing-Contest aller Zeiten als strahlende Siegerin hervorgegangen. Sie musste damals ganz allein gegen Schröder und den gesamten Anden-Pakt antreten. Anders als diese Boygroup kannte sie freilich ihren Lenin und die Bedeutung der Frage „Wer wen?“, weswegen sie sich nach der höchstpersönlichen Erledigung derselben für künftige Fälle einen Spezialisten an ihre Seite holte, nämlich Ronald Pofalla.

          Der Mobby Dick der CDU, der bei Kritik an der Kanzlerin immer gleich mit der Schwanzflosse um sich schlug, weswegen einige am Ende auch seine Fresse nicht mehr sehen konnten, brachte es beim Mobben aber nie zu der Kunstfertigkeit seiner Chefin. Sie ließ es in den bekannten Fällen stets nach Selbstmobbing aussehen.

          Wie großartig unauffällig Merkel mobbte, kann man auch daran erkennen, dass ihr nie der Sexismusvorwurf gemacht wurde, obwohl ihre Opfer durchweg Männer waren. Annette Schavan können wir nicht als Gegenbeispiel gelten lassen, denn die wurde nach der erfolgreichen Demobbilisierung Karl-Theodor zu Guttenbergs ja mit Kirchenasyl in Rom belohnt.

          Merkels akuter Generalsekretär weiß da schon besser als Pofalla, was es heißt, von Merkel zu lernen. „Aus heutiger Sicht“ sei es ein Fehler gewesen, damals nichts gegen das Mobbing des Kaninchens - so nennt man in Peter Taubers Kreisverband die Geschäftsführerinnen - unternommen zu haben. Wenn er bloß schon damals gewusst hätte, was er aus zukünftiger Sicht in der Vergangenheit unbedingt oder vielmehr keinesfalls hätte tun sollen! Ja, wenn die CDU doch die Zeit um viele, viele Jahre zurückspulen könnte, um besser auf diese Situation vorbereitet zu sein! Dann ginge sie auch aus dieser Krise sexistischer hervor, als sie in sie hineingegangen ist, oder wie das noch heißt.

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