https://www.faz.net/-gpf-9qdxg

Blick in Grönlands Zukunft: Trump hat es doch noch gekauft! Bild: Wilhelm Busch

Fraktur : Immobilienspekulation mit anderen Mitteln

Der Fall Grönland zeigt: Nicht alles, was Trump tut und twittert, ist reiner Schwachsinn.

          Die sich dem Ende zuneigende Paarungszeit der Sozialdemokraten hat nicht nur interessante Mesalliancen hervorgebracht, sondern auch die traurige Erkenntnis bestätigt, dass man sich nicht mehr alles kaufen kann, was man gerne hätte, also zum Beispiel eine passende Partnerin für den Doppelparteivorsitz. Früher, als es noch legendäre Matchmakerinnen wie Claudia Püschel-Knies gab, wäre nach Entrichtung einer sogenannten Gebühr doch umgehend eine geeignete Genossin (tolerant, bevorzugt aus dem Osten, Typ Greta Thunberg) für den aufstiegswilligen SPD-Generalsekretär Klingbeil aus der Kartei gezogen worden.

          Und was war an diesem Deal – Glück gegen Geld – eigentlich schlecht? Auch die gefühllosen Algorithmen, die inzwischen die Kuppelei übernommen haben, parshippen ja nicht für umsonst. Über den noch umsatzträchtigeren Menschenhandel im Fußball regt man sich nur auf, wenn Sané nicht für hundert Millionen zu Bayern kommt. Und dann soll es unerhört sein, dass der amerikanische Präsident Grönland kaufen will, wo in seinem Land doch schon jeder bessere Kinderschänder eine Insel besitzt, mancher sogar zwei davon?

          Wir müssen an dieser Stelle einmal eine Lanze für Donald Trump brechen, auch wenn das unser – wie wir aus sicherer Quelle wissen: unterirdisches – Rating im Weißen Haus wohl kaum verbessern wird. Doch es stimmt einfach nicht, dass alles totaler Schwachsinn ist, was Trump tut und twittert. Ralf Stegner sollte sich besonders derzeit lieber selbst fragen, ob er „die morgendliche Pillenration auch eingenommen“ hat.

          Wie auch immer: Bei der Immobilienbewertung kann keiner Trump das Wasser reichen, gelernt ist eben gelernt. Über den gretaischen Glauben der anderen Staatschefs, der Klimawandel lasse sich noch aufhalten, lächelt „der Auserwählte“ doch nur. Er sieht, in die Zukunft Grönlands blickend, nicht Gletscher und Eisbären, sondern Golfplätze und Eisdielen, von Palmen und Trumptürmen umstanden.

          Es ist völlig natürlich, dass einer wie Trump denkt, alles sei käuflich. Kaufen ist zweifellos auch besser als Klauen. Putin hat sich mit nur einer halben Insel ein ganzes Fass ohne Boden und Zores ohne Ende einverleibt. Trump hätte allerdings noch etwas geschickter vorgehen und nicht nach dem Prinzip Bares für Rares handeln, sondern den Dänen einen Gebietstausch etwa nach dem Muster Helgoland–Sansibar vorschlagen sollen. Allerdings hätte er dann Baltimore nicht als ein „widerliches, von Ratten und Nagern befallenes Drecksloch“ anpreisen dürfen, auch wenn man selbst im fernen Dänemark verstanden haben sollte, dass er damit nicht die possierlichen Tierchen meinte.

          Könnten auch wir Deutsche von Trump lernen? Bevor Empörung ausbricht: Die Abermillionen, die wir Moskau für den Abzug seiner Soldaten aus der DDR überwiesen haben, lassen sich auch als verkappter Kaufpreis verstehen. Einem sich hartnäckig haltenden Gerücht zufolge soll Schewardnadse damals Genscher gefragt haben, ob er auch Königsberg wiederhaben wolle und was er dafür gäbe (Antwort: keine müde Mark). Genscher habe, nach der ersten deprimierenden Inventur, im Gegenzug gefragt, ob Moskau die DDR zurückkaufen wolle (Antwort: nicht einmal für einen Rubel). Wenn der Kreml geahnt hätte, wie sehr man sich später im neuen deutschen Osten danach sehnen würde, von lupenreinen Demokraten wie Putin regiert zu werden, wäre man in Moskau vielleicht nicht ganz so geizig gewesen.

          So aber bleibt uns die Möglichkeit, die polnischen Reparationsforderungen mit Gebietsabtretungen zu befriedigen. So verrückt werden aber wohl nicht einmal die Polen sein! Die richtig guten Lagen kommen dagegen gar nicht auf den Markt. Das Elsass etwa wäre immer noch ein Schnäppchen, schon der Wirtshäuser und der Festungswerke der Maginot-Linie halber. Wer darüber nachdenkt, warum Letztere immer noch so gut in Schuss gehalten werden, begreift auch sofort, dass für Paris ein Verkauf, bei aller Freundschaft, außer Frage steht.

          Völlig verständlich finden wir auch, dass Trump zwar Grönland haben wollte, aber noch kein Gebot für Großbritannien abgegeben hat. Denn erst muss sein Freund Boris ja noch dafür sorgen, dass der Preis ins Bodenlose fällt. Politik ist, das lehren uns diese Beispiele, eben doch nur die Fortsetzung der Immobilienspekulation mit anderen Mitteln.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Supercomputer Summit von IBM

          KI statt Simulation : Den Superrechnern geht die Luft aus

          Die Leistung von Supercomputern wächst kaum noch. Der Grund ist die fatale Fokussierung auf Künstliche Intelligenz. Numerische Verfahren gelten als „unsexy“.

          Dortmunder Kampfansage : „Wir können Barcelona wehtun“

          Für das Champions-League-Duell mit dem FC Barcelona hat sich der BVB einiges vorgenommen. Die Borussia hofft dabei auf ein Fußball-Fest mit Happy End. Doch etwas dürfte die Dortmunder Vorfreude gehörig trüben.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.